Guardiolas schwieriges Jubiläum

Für Pep Guardiola ist das Rückspiel im Champions-League-Viertelfinal heute gegen Porto das 100. Spiel als Trainer von Bayern München. Ob es ein gelungenes Jubiläum wird, bleibt ob des überraschenden 1:3 aus dem Hinspiel abzuwarten.

Ueli Zoss
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FUSSBALL. Nach dem 1:3 im Hinspiel braucht Bayern München heute um 20.45 Uhr gegen Porto zu Hause mindestens ein 2:0 zum Einzug in die Halbfinals der Champions League. Bayern-Trainer Pep Guardiola sagt zur Ausgangslage, er gehe «optimistisch», aber auch «realistisch» in sein 100. Pflichtspiel als Trainer von Bayern München. «Dieser Rückstand ist nicht einfach aufzuholen.»

Damit passt das Spiel in die schwierige Situation, in der sich Guardiola in den vergangenen Wochen wiederfindet: «Jeder Tag in diesem Verein ist eine grosse Herausforderung. Ich habe in den vergangenen zwei Monaten viel gelernt.» In den vergangenen Tagen versuchten die Bayern zwar, vordergründig die Heile-Welt-Fassade aufrechtzuerhalten. Doch hinter den Kulissen dürfte es in München ordentlich zur Sache gehen. Die deutliche Niederlage gegen Porto kratzte am Selbstverständnis des Rekordmeisters. Es ist irgendwie verrückt: Sollte Wolfsburg am kommenden Wochenende in Mönchengladbach verlieren, würde den Bayern schon ein Punkt gegen Hertha Berlin zum vorzeitigen 25. Titelgewinn reichen. Aber der Meistertitel allein genügt nicht: Das Double oder am besten gleich das Triple mit Meisterschaft, Cup und dem Gewinn der Champions League wie unter Guardiolas Vorgänger Jupp Heynckes sollte es sein. Guardiola sagt denn auch vieldeutig: «Ich weiss, es ist nicht genug, Deutscher Meister zu sein.»

Lazarett lichtet sich

Viel Aufregung gab es bei Bayern in den vergangenen Tagen auch, als der vier Jahrzehnte lang tätig gewesene Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt überraschend das Handtuch warf. Seinem Abgang war offensichtlich ein Machtkampf mit Guardiola vorausgegangen. Der Medizin-Guru war es gewohnt, dass er die letzte Entscheidung in allen medizinischen Fragen traf, der Trainer-Guru empfand es aufgrund seiner ehemaligen Position beim FC Barcelona ebenso als selbstverständlich, das letzte Wort zu haben. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge stellte sich offenbar auf Guardiolas Seite. Rummenigge soll Müller-Wohlfahrt nach dem Porto-Spiel Vorwürfe gemacht haben, dass die Heilungsprozesse der vielen verletzten Spieler zu lange dauern würden. Pikanterweise dürfte sich die Mehrzahl der Bayern-Stars nach wie vor von Müller-Wohlfahrt, dem Arzt ihres Vertrauens, behandeln lassen. Betreuer der deutschen Nationalspieler bleibt er ohnehin.

Immerhin sind gegen Porto Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger wieder fit, im Gegensatz zu Arjen Robben und Franck Ribéry. Die Flügelzange führt die umfangreiche Verletztenliste weiterhin an, und gerade ihr Fehlen spüren die Bayern. Ohne Ribéry und Robben können sie sich in der Offensive nicht mehr rühmen, eines der weltbesten Teams zu sein.

Porto ausgeruht

Porto kann hingegen auf erneute Glanztaten seiner Stürmer zählen. Beim 1:0 gegen Coimbra gönnte Trainer Julen Lopetegui am Wochenende in der Meisterschaft einigen Stammspielern eine Ruhepause. Bayern-Schreck Ricardo Quaresma, der beim 3:1 zweimal getroffen hatte, blieb während 90 Minuten auf der Bank. Jackson Martinez, Torschütze des dritten Treffers, wurde nur eingewechselt.