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Kolumne

Gschobe: Von wegen Pulverfass!
Unsere Nati ist ein fruchtbarer Garten

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 47 und 50, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule. Pius, Qualitätsmanager, Appenzell. David, Lehrer, Speicher AR. Tobias, Consultant, Zürich. Flavio, Sozialarbeiter, Kirchberg SG. François, Journalist, Windisch.
François Schmid-Bechtel
Die Schweizer Fussball-Nati berührt wieder. Bild: Keystone

Die Schweizer Fussball-Nati berührt wieder. Bild: Keystone

Flavio: Das war ja ein ziemliches Gewürge der Schweizer Fussballer gegen Irland.
Tobias: Hast du gesehen, was das für ein Acker war?
Flavio: Einverstanden. Aber souverän war das nicht.
Tobias: Ich fass es nicht. Du entpuppst dich definitiv als Ahnungsloser. Oder hast du etwa ein anderes Spiel gesehen?
Flavio: Als Anhänger des italienischen Fussballs divergieren meine Ansprüche mit euren.
François: Bei aller Sympathie für die Nordlichter. Aber wenn Finnland, das noch nie an einer Endrunde war, auf Platz 2 steht, kann Italiens Gruppe nicht allzu stark sein.
Flavio: Im Unterschied zu euch haben wir aber das Ticket für die EM bereits in der Tasche.
Pius: Ich gratuliere, ich verneige mich. Aber keine bange: Italien wird an der EM nicht alleine sein. Auch wir werden uns qualifizieren. Und dann zum viel beachteten Überraschungsteam des Turniers avancieren.
Flavio: Grosse Worte, die ich nicht zum ersten Mal von einem von euch höre.
Pius: Ja, aber dieses Mal wird die Nati ihr Versprechen einlösen und eine berauschende EM spielen.
David: Worauf gründet deine Zuversicht? Gibt es etwa nicht noch zu viele Ungereimtheiten innerhalb und ausserhalb der Nationalmannschaft? Jüngst die Disharmonie zwischen Shaqiri und Petkovic. Oder eben auch die ungewisse Trainersituation. Offenbar, so hört man, spielt man beim Verband mit dem Gedanken, nach der EM einen neuen Trainer zu installieren.
Flavio: Eure Nati ist eher ein Pulverfass statt ein fruchtbarer Garten.
François: Einspruch! Ich glaube, jetzt kommt es sehr gut.

Der Hauptgrund für die Niederlage in Dänemark: Torhüter Kasper Schmeichel, hier gegen Breel Embolo. Bild: Keystone

Der Hauptgrund für die Niederlage in Dänemark: Torhüter Kasper Schmeichel, hier gegen Breel Embolo. Bild: Keystone

Flavio: 0:1 in Dänemark, 2:0 gegen Irland und schon seid ihr Europameister?
François: Das sagt doch keiner. Aber: Das Spiel in Dänemark war etwas vom Besten, was ich in den letzten Jahren vom Nationalteam gesehen habe. Notabene ohne Shaqiri. Es gab nur zwei Szenen, in denen man der Nati einen Vorwurf machen konnte. Beim Gegentor und als Mehmedi allein vor Torhüter Schmeichel das Tor nicht traf. Zwei Fehler in 90 Minuten, das ist sehr wenig. Den Sieg gegen Irland stufe ich allein wegen der Drucksituation als gross ein. Aber auch punkto Soft-Faktoren sind erstaunliche Fortschritte erzielt worden. Ich stelle eine grosse Lust und auch eine gesunde Portion Demut bei den Spielern fest, für die Schweiz anzutreten. Ich sehe Führungsspieler wie Lichtsteiner, Xhaka, Schär und Sommer, die ihre Rolle mit Empathie, Klarheit und Verantwortungsbewusstsein wahrnehmen. Ich nehme eine Solidarität innerhalb des Teams war, wie ich sie noch selten im Nationalteam gesehen habe. Und ich sehe einen Trainer, der sowohl menschlich als auch fachlich bei den Spielern sehr gut ankommt, ohne sich anzubiedern. Jedenfalls hat mich die Nati seit der EM 2016 nie mehr so berührt wie momentan.

Die Harmonie stimmt: Granit Xhaka (links) übergibt nach dem Spiel Stephan Lichtsteiner die Captainbinde. Bild: Keystone

Die Harmonie stimmt: Granit Xhaka (links) übergibt nach dem Spiel Stephan Lichtsteiner die Captainbinde. Bild: Keystone

Tobias: Oh Xhaka, mein Xhaka. Wie er auftritt, wie er führt, wie er spielt, wie er redet: Er hat nochmals einen riesigen Schritt gemacht. Oder Schär. Diese Abgeklärtheit, dieser spielerische Glanz. Grandios.
Flavio: Apropos: Singt Xhaka unterdessen mit, wenn «Trittst im Morgenrot daher» ertönt?
Pius: Schnauze zu und Leistung zeigen. Wo waren denn deine Azzurri, die stets so inbrünstig ihr «Fratelli d’Italia» ins Stadion schmettern, als die letzte WM gespielt wurde? Ich weiss nicht wo: Aber sicher nicht in Russland.

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