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Gschobe: Liebe Kicker aus Luxemburg, wollt Ihr mit uns spielen?

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 46 und 50, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule.
Pius, Qualitätsmanager, Appenzell. David, Lehrer, Speicher AR. Tobias, Consultant, Zürich. Flavio, Sozialarbeiter, Kirchberg SG. François, Journalist, Windisch.
François Schmid-Bechtel

Tobias: Dramatisch, abgrundtief peinlich! Ich finde kaum die passenden Worte.
Pius: Wofür?
Tobias: Für die debakulösen Auftritte unserer Fussballklubs im Europacup. Stellt euch vor: Im aktuellen, nur auf diese Saison bezogenen Ranking, belegt die Schweiz Platz 53. Nur die Klubs aus Nordmazedonien und San Marino haben weniger Punkte geholt. Selbst die Fussball-Bonsai aus Malta, Liechtenstein, Luxemburg oder Gibraltar waren in den Qualifikationsspielen erfolgreicher.
François: Die Polemik ist nicht unbegründet. Trotzdem müssen wir etwas relativieren.
Tobias: Das sind Fakten! Was gibt es da zu relativieren? Etwa, dass der FC Luzern gegen einen Klub von den Färöer Inseln heroisch eine Runde überstanden hat. Oder Luxemburg eine seit Jahrzehnten gut getarnte Fussball-Grossmacht ist? So ein Schmarren!
François: Nein! Aber man muss berücksichtigen, gegen wen die Luxemburger Punkte holen. Die steigen ganz früh in die Qualifikation ein und spielen dann gegen Teams aus Nordmazedonien oder Malta.
Pius: Und nicht wie Thun und Luzern gegen Spartak Moskau respektive Espanyol Barcelona.
David: Einverstanden. Aber es wäre nicht verboten, mal einen Lucky Punch zu landen. Es hat doch keiner je damit gerechnet, dass der FC Thun mal Champions League spielen oder der FC Basel gegen Manchester United gewinnen würde. Apropos Lucky Punch: Einen hat es schon gegeben. Jenen von Linz gegen Basel.
Tobias: Blamabel, sag ich dazu nur. Was mich daran besonders nervt: Basel hat nicht zweimal gegen Linz verloren, weil die Österreicher die talentierteren, teureren und stärkeren Spieler haben. Im Gegenteil. Basel ist ausgeschieden, weil Linz leidenschaftlicher und mit mehr Willensstärke aufgetreten ist. Das darf nicht sein. Denn es suggeriert, Basel hätte es an der Einstellung gefehlt.

Unbändiger Kampfgeist: Linz-Stürmer Klauss (rechts) gegen Basels Balanta. Bild: EPA

Unbändiger Kampfgeist: Linz-Stürmer Klauss (rechts) gegen Basels Balanta. Bild: EPA

François: Wer weiss? Habt ihr beobachtet, mit welcher Ernsthaftigkeit die Spieler von Espanyol Barcelona gegen Luzern aufgetreten sind?
Flavio: Nein. Wieso sollte ich mir dieses Spiel antun. Nach Luzerns 0:3 zu Hause war die Sache entschieden. Da kann ich auch gleich den Blumen beim wachsen zuschauen.
François: Natürlich fehlte die Spannung. Aber umso spannender zu beobachten, wie sich die Spieler verhalten.
Flavio: Und?
François: Ich rate jedem Schweizer Fussballtrainer, seinen Spielern ein paar Sequenzen dieser Partie zu zeigen.
Pius: Warum?
François: Es war absolut beeindruckend, mit welchem Elan, mit welcher Vehemenz aber auch mit welcher Spielfreude Espanyol Barcelona aufgetreten ist. Da war trotz des 3:0-Vorsprungs aus dem Hinspiel keine Spur von Überheblichkeit auszumachen. Und selbst, nachdem die Spanier auch zu Hause bald einmal mit 3:0 geführt haben, liefen und pressten sie, als stünde das Spiel auf der Kippe.
Tobias: Was Espanyol demonstriert hat, ist absolute Liebe und Begeisterung für dieses Spiel. Das fehlt mir bisweilen im Schweizer Fussball.
David: Worauf führst du das zurück?
Tobias: Wohlstandsverwahrlosung. Aber ich sehe auch einen Mangel an Konkurrenz respektive die Furcht, sich dem Konkurrenzkampf zu stellen. Und vielleicht fehlt uns im Vergleich zu anderen Ländern auch etwas die Begeisterung für den Fussball.
Flavio: Keine Sorge. Bald kommt die Europa League 2. Mit Gegnern aus Luxemburg, Malta und Nordmazedonien. Also Gegnern auf Augenhöhe.

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