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Gschobe: Granit Xhakas einziger Fehler - er hat sich entschuldigt

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 47 und 50, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule. Pius, Qualitätsmanager, Appenzell David, Lehrer, Speicher AR Tobias, Consultant, Zürich Flavio, Sozialarbeiter, Kirchberg SG François, Journalist, Windisch.
François Schmid-Bechtel

Flavio: Das mit Granit Xhakas Entschuldigung wurde zu einer ziemlichen Zangengeburt.
Pius: Finde ich auch. Vier Tage, ehe er seinen Ausraster erklärt: Das ist viel zu lang. Denn mit jeder Stunde, die er nach seinem «fuck off» gegen die eigenen Fans kommentarlos verstreichen liess, erhielt die eh schon grosse Anti-Xhaka-Fraktion weiter Zuwachs.
François: Ich wünschte auch, er hätte sich umgehend ­entschuldigt. Aber im Nach­hinein sehe ich das etwas differenzierter.
David: Er hat sich ja unter­dessen erklärt. Übrigens, auf eine beeindruckende Art, wie ich finde. Das Statement, das Xhaka oder seine Berater abgegeben haben, ist ein wahres Meisterwerk der ­Rhetorik. Eben auch, weil sie sich Zeit gelassen haben.
Pius: Das verstehe ich jetzt nicht ganz.
Tobias: Allein schon, weil eine vordergründige Entschuldigung meist eine ­hintergründige Ausrede ist.
David: Es war clever und richtig, dass Xhaka erst den Trainer Unai Emery reden liess. Auch, weil dieser in London bislang einen unbe­holfenen, ja sogar über­forderten Eindruck hinterliess. Und so kam es denn auch: Emery verhedderte sich beim Versuch, keinem auf die Füsse zu treten, ganz fürchterlich. Weder machte er sich für Xhaka stark, noch distanzierte er sich entscheidend von ihm. Und gegenüber jenen Fans, die ihren eigenen Captain ausgepfiffen haben, verlor er kein kritisches Wort. Er gab sich wie ein devotes Schosshündchen.

Macht keine bella figura: Arsena-Trainer Unai Emery. (Bild: Keystone)

Macht keine bella figura: Arsena-Trainer Unai Emery. (Bild: Keystone)

Tobias: Die Crux an der Geschichte. Emery offenbarte mit seinem Versuch, Xhaka im Regen stehen zu lassen, ­eklatante Führungsschwächen. Obwohl nicht involviert, hat ihm Xhakas «fuck off» mehr geschadet als dem Spieler selbst.
Flavio: Mag sein. Aber ich glaube trotzdem nicht, dass Xhaka bei Arsenal eine Zukunft hat. Ich kenne da ein paar italienische Klubs, da ­würde er prima...
François: ...komm jetzt bloss nicht damit. Natürlich spielt Arsenal weder aufregenden noch erfolgreichen Fussball. Und natürlich rückt der ­Captain in den Fokus, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden. Aber viele erwarten von ihm, dass er Tore ver­hindert, Tore schiesst, Tore vorbereitet, das Spiel des Gegners zerstört und das eigene Spiel orchestriert und vielleicht sogar, dass er die Bälle pumpt. Das ist absurd.
Tobias: Richtig. Xhaka war nie ein Alleinunterhalter und wird es auch nie sein. Und für die Zusammenstellung der Mannschaft, wo seit Jahren ziemlich viel schief läuft, kann man ihn definitiv nicht machen.
David: Xhakas Statement ist stark, weil er damit den Schlamm am Grund aufwühlt. Er schreibt von Arsenal-Anhängern, die seiner Tochter Krebs und seiner Frau den Tod wünschen. Wahnsinn. Was müssen das für kranke Typen sein. Und dann fragt man sich, wie er in einem schwachen Moment die Nerven verliert und eine Reaktion zeigt.
François: Ich frage mich eher, wie ein Trainer nach einer solchen Vorgeschichte sagen kann: «Wenn Fans uns kritisieren, müssen wir ruhig bleiben. Wir müssen sie respektieren, egal, ob sie pfeifen oder applaudieren.» Das ist doch ein absoluter Mist. Da muss doch ein Trainer klare Kante zeigen und das Verhalten des Pöbels aufs Schärfste verurteilen.
David: Xhakas einziger Fehler ist, dass er sich beim Pöbel entschuldigt hat.

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