Den Grünen schwebt Bio-Fürstentum vor

Die Grünen in Liechtenstein propagieren die Idee, die gesamte Landwirtschaft im Fürstentum auf Bio-Anbau umzustellen. Sie haben einen entsprechenden Vorstoss eingereicht. Im Parlament wurde vor Planwirtschaft gewarnt.

Günther Meier
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Von 102 Landwirtschaftsbetrieben in Liechtenstein wirtschaften bisher 39 nach den Richtlinien von Bio Suisse. (Bild: Getty)

Von 102 Landwirtschaftsbetrieben in Liechtenstein wirtschaften bisher 39 nach den Richtlinien von Bio Suisse. (Bild: Getty)

Kleine Länder haben den Vorteil, dass manches schneller und einfacher geht als in grösseren Staaten. So konnten bereits alle elf Gemeinden Liechtensteins das Label «Energie-Stadt» gewinnen, womit Liechtenstein das einzige «Energie-Land» sein dürfte, wenn es diese Auszeichnung denn geben würde. Die grüne Freie Liste (FL) hat einen parlamentarischen Vorstoss eingereicht, der das Ziel anvisiert, ganz Liechtenstein auf Bio-Landbau umzustellen. Wenn heute schon knapp 40 Prozent der Landwirtschaftsbetriebe freiwillig auf die Bio-Produktion umgestellt haben, so dürfte es mit ein paar zusätzlichen Anreizen und vielleicht auch etwas sanftem Druck nicht unmöglich sein, Liechtenstein zum ersten «Bio-Land» zu machen.

Mit dem Vorstoss wird die Regierung aufgefordert, die erforderlichen Massnahmen zu treffen, die für die Ökologisierung der Landwirtschaft notwendig sind. Ein Bericht der Regierung soll die positiven Aspekte aufzeigen, die dadurch für das Gemeinwohl, die regionale Wertschöpfung, die Bodenfruchtbarkeit, die Wasserqualität sowie die Biodiversität verbunden sind. Ausserdem sollen die Chancen für die Landwirtschaft aufgelistet werden, die eine stärkere Ökologisierung mit sich bringe.

Die Chancen für die Verwirklichung der Idee «Bio-Land» erachten die Grünen als gut, denn von 102 Landwirtschaftsbetrieben wirtschaften bereits 39 nach den Richtlinien von Bio-Swiss. Den Bauern wird vorgerechnet, dass ein Absatzmarkt für Bio-Produkte bestehe und die Nachfrage nach biologisch produzierten Lebensmitteln ungebrochen vorhanden sei. Ausserdem liessen sich mit Bio-Lebensmitteln höhere Preise erzielen und in der Regel verfügten diese auch über eine höhere Preisstabilität.

Ähnliche Experimente blieben ohne Erfolg

Die Grünen können bei ihrem Vorstoss auf zwei Experimente hinweisen, die eine ähnliche Stossrichtung verfolgt hatten. Von 1997 bis 1999 versuchten eine Bauern- und eine Gastronomie-Organisation, lokale Bio-Produkte in die Gaststätten zu bringen. Das Projekt, das anfänglich auf grosse Zustimmung stiess, scheiterte aber an den nicht optimal funktionierenden Vertriebskanälen sowie der schwankenden Verfügbarkeit der einheimischen Produkte – vom Salat bis zum Rindsfilet. Etwas früher war schon der biologische Landbau mit der Marke «Bio-Ländle» aufgebaut worden, die das Ziel hatte, liechtensteinische Landwirtschaftsprodukte in der Region anzubieten. Aber auch diesem Projekt blieb ein längerfristiger Erfolg versagt. Inzwischen scheint nach Auffassung der Freien Liste, nachdem dem Klimawandel und dem Klimaschutz weltweit mehr Bedeutung beigemessen wird, der Zeitpunkt günstiger für eine Umstellung auf Bio-Landwirtschaft.

Warnung vor «Zwangsökologisierung»

Die erste Debatte im Parlament zeigte allerdings auf, dass die Begeisterung für die Umstellung auf «100 Prozent Bio» nicht durchwegs geteilt wird. Dabei standen für einmal nicht die Kosten für die Umstellung im Vordergrund, die von den Grünen mit zwei Millionen Franken beziffert werden – zusätzlich zu den 14 Millionen jährlicher Förderung für die Landwirtschaft. Vielmehr wurde die Gefahr beschworen, das freie Unternehmertum der Bauern werde damit ausgehebelt: Es dürfe keine «Zwangsökologisierung» geben und keine Planwirtschaft eingeführt werden. Die Regierung hat nun die Aufgabe, mit einem Bericht den Spagat zwischen diesen Extremen aufzuzeigen und entsprechende Massnahmen oder Förderungen vorzuschlagen.

Die Freie Liste hat zwar das Ziel mit «100 Prozent Bio» vorgegeben, wäre aber auch mit etwas weniger zufrieden. Allerdings geben die Grünen den Bio-Skeptikern unter den Landwirten und den Konsumenten zu bedenken, welchen Werbewert das «Bio-Land Liechtenstein» in der Welt hätte. Das Beispiel mit den «Energie-Städten» zeigt jedoch: Ausserhalb des Landes hat kaum jemand davon Notiz genommen, dass Liechtenstein aus lauter «Energie-Städten» besteht.

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