Remo Waser, Gründer der Stadtbären St.Gallen: Ein Herz für alle Kinder

Die Eislauf- und Hockey-Schule (EHS) Stadtbären St.Gallen feiert am Wochenende das 20-jährige Bestehen. Für Gründer Remo Waser sind die Stadtbären mehr als nur ein Projekt.

Ives Bruggmann
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Remo Waser in seinem Element. Doch nicht nur die Technik zählt. «Ich will den Kindern auch etwas mit auf den Weg geben.» (Bild: Michel Canonica)

Remo Waser in seinem Element. Doch nicht nur die Technik zählt. «Ich will den Kindern auch etwas mit auf den Weg geben.» (Bild: Michel Canonica)

Nicht wenige belächelten Remo Waser. 20 Jahre ist es her, seit der ehemalige NLA-Spieler mit einer Handvoll Kindern auf einem kleinen Stück des Eisfelds auf dem Lerchenfeld sein Projekt Eislauf- und Hockey-Schule (EHS) Stadtbären St.Gallen startete.

Waser wusste bereits damals, wohin der Weg führen soll, hatte eine Vision. «Ich wollte schon immer etwas für Kinder machen. Etwas zurückgeben», sagt Waser. Seine Philosophie dabei: «Jeder ist willkommen. Egal woher, egal mit welcher Beeinträchtigung.»

Eissport spielerisch vermitteln

Ihm war es ein Anliegen, den Eissport, sei es Eislaufen oder Eishockey, den Kindern auf spielerische Art zu vermitteln. Genauso gern hat er sich stets um sozial benachteiligte Kinder gekümmert, sie in seine Gruppen integriert. Waser entwickelte ein Konzept, das ein Einzeltraining im Kollektiv zum Ziel hatte. Dem Projekt widmete sich Waser mit voller Leidenschaft und grosser Detailtreue.

«Wenn ich etwas mache, dann richtig», sagt er. Von Anfang an war er überzeugt, dass in St.Gallen etwas im Eissport entstehen kann. Auch wenn viele das Gegenteil behaupteten. Doch das spornte Waser nur noch mehr an. Er setzte an der Basis an, also bei den Kindern ab drei Jahren. «Ein Baum kann nur wachsen, wenn man die Wurzeln pflegt. Im Sport sind das die Kinder», sagt Waser.

Durchbruch im Schulsport

Die Stadtbären St.Gallen sind immer weiter gewachsen. Die Arbeit von Waser und seinen Trainern hat sich herumgesprochen. Schnell kamen auch Eltern mit Kindern von ausserhalb St.Gallens. So war zum Beispiel einst der heutige NHL-Spieler Timo Meier aus Herisau bei Waser in den Kursen. Das mache ihn stolz, sei aber nicht das einzige, was zähle.

«Ich will den Kindern auch etwas mit auf den Weg geben. Bei mir durchlaufen sie eine Lebensschule», sagt Waser, dem es immer um das Miteinander geht. «Jeder hat seinen Platz in der Gesellschaft. Bei mir lernen die Kinder, anständig miteinander umzugehen.» Die Kinder sollen bei den Stadtbären ohne Leistungsdruck wie im Club die Freude am Eissport entwickeln.

Wenige Jahre nach der Gründung der EHS wurde Waser mit einem Eishockey-Projekt der Stadt beauftragt. Ziel war und ist es bis heute, den Eis- in den Schulsport zu integrieren. «Das macht mich schon stolz», sagt der 59-Jährige, der durch die Schule auch eine willkommene Plattform für den Eissport in St.Gallen erhält.

Eisbären vor Aufstieg

Im Jahr 2007 betreute Remo Waser mit seinen Trainern bei den Stadtbären so viele Kinder, dass er den Hockeyclub Eisbären St.Gallen gründete. Er wollte den Kindern nach dem Erlernen der Grundlagen die Möglichkeit bieten, dem Eishockey treu zu bleiben. Jedoch in einem Club mit Ligabetrieb. Das 3.-Liga-Team der Eisbären spielt morgen um
19.30 Uhr im Lerchenfeld in der zweiten Runde um den Aufstieg in die
2. Liga. Mit dabei sind Spieler, die Waser als Kinder betreute.

Der Vision nahe

Für Waser sind die Stadtbären mehr als nur ein Projekt. Das merkte er auch, als er 2014 an Blasenkrebs erkrankte. Auch wenn die Chancen auf eine Heilung nur bei etwa 50 Prozent standen, wusste er: «Ich bin noch nicht fertig.» Und er schaffte den Weg zurück auf das Eis. Über 100 Kinder und Jugendliche durfte er kürzlich an einem Kurs begrüssen, so viele wie noch nie. Das kam wohl seiner Vision von vor 20 Jahren ziemlich nahe. Und dennoch: Fertig ist er auch heute noch nicht.

Hinweis
Am Sonntag, 9 bis 16 Uhr, findet in der Eishalle Lerchenfeld das Jubiläumsfest der Eislauf- und Hockey-Schule Stadtbären St.Gallen statt.