Grosser Hunger

FC St. Gallen

Patricia Loher
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Christian Fassnacht verkörpert die neue Philosophie der Young Boys. (Bild: Claudio de Capitani/Freshfocus)

Christian Fassnacht verkörpert die neue Philosophie der Young Boys. (Bild: Claudio de Capitani/Freshfocus)

Auch wenn erst neunPartien absolviert sind: Die Tabelle ­spiegelt durchaus, wozu St. Gallen in dieser Saison in der Lage sein könnte. Die Ostschweizer verfügen über die talentierteste Mannschaft seit 2013, als sie als Aufsteiger Platz drei und überraschend die Gruppenphase der Europa League erreichten. Das Spitzenspiel bei den Young Boys haben sich die St. Galler redlich verdient.

Die Unruhen hinter den Kulissen und der eine oder andere ­unglückliche Schiedsrichter­entscheid haben das Team kalt gelassen. In den vergangenen vier Spielen sicherte sich ­St. ­Gallen acht Punkte und kletterte damit auf Rang zwei. Morgen unternehmen die Ostschweizer den 21. Anlauf, um erstmals seit der Eröffnung 2005 im Stade de Suisse zu gewinnen. Wann, wenn nicht jetzt? St. Gallen stellt ein homogenes Team, das selbst die Ausfälle von Tranquillo ­Barnetta, Captain Toko und Peter Tschernegg weggesteckt hat. Schon im Februar waren die Ostschweizer in Bern einem Sieg ganz nahe. Noch unter Joe Zinnbauer erreichten sie nach einer 2:1-Führung ein 2:2.

Mitte 2013 wuchsen in einem harmonierenden Gefüge Spieler wie Roberto Rodriguez, Goran Karanovic, Stéphane Nater oder auch Dejan Janjatovic über sich hinaus. Die St. Galler waren gut im Schuss und hungrig, kaum einer von ihnen hatte vor den Partien gegen Spartak Moskau schon einen Grosserfolg gefeiert. In dieser Hinsicht weist die aktuelle Ausgabe der Mannschaft durchaus Parallelen auf mit dem Team von damals. Das Talent ist vorhanden, aber gesättigt durch Titel oder Siegesserien sind die Spieler nicht. Dasselbe gilt für Trainer Giorgio Contini. Der 43-Jährige weiss um die Chance, die ihm der FC St. Gallen im Hinblick auf seine weitere Karriere bietet. Unter ihm ist das Team flexibler geworden und tor­gefährlicher. Seit dem Trainerwechsel wirkt St. Gallen wieder leichtfüssiger und inspirierter als in den Monaten davor.

Zudem hilft, dass St. Gallens Verantwortliche endlich auch einmal deutlich aussprechen, ambitioniert zu sein. Contini sagte vor dem Saisonstart, sein Team sei gut genug, um einen Top-fünf-Platz zu erreichen. Das war ein Signal an die Spieler: Die Zeit der Genügsamkeit ist in St. Gallen vorbei.

Patricia Loher

Sportchefin Tagblatt