Grosser Auftritt in der Idylle

MAINAU. Die Insel Mainau bildet diese Saison die Kulisse für künstlerische Arbeiten von Robert Schad, Thomas Röthel, Carlo Borer, Sibylle Pasche und Armin Göhringer. Grossskulpturen bereichern die Blumeninsel bis in den Herbst hinein.

Brigitte Elsner-Heller
Drucken
Teilen
Von Carlo Borer sind verschlungene Chromstahl-Objekte auf dem Plateau der Insel Mainau im Arboretum zu sehen. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

Von Carlo Borer sind verschlungene Chromstahl-Objekte auf dem Plateau der Insel Mainau im Arboretum zu sehen. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

Auch für Kunstfreunde ist die Insel Mainau ein lohnendes Ziel. «Vierkantstahl massiv.» Das klingt nicht eben idyllisch. Was sich auf den Beschilderungen schwergewichtig liest, vermittelt optisch jedoch keineswegs den Eindruck von «Unbeugsamkeit».

Wenn man die Insel Mainau betreten hat, begegnet einem Robert Schad als erster der fünf Künstler, die die Blumeninsel bis Herbst mit ihren Grossskulpturen bereichern.

«5×5 Perspektiven aus Stahl, Stein und Holz» ist ein Projekt, das das Europäische Kulturforum Mainau in Kooperation mit den BEGE Galerien in Ulm und Neu-Ulm realisiert hat. Neben Robert Schad sind die Bildhauer Thomas Röthel, Carlo Borer, Sibylle Pasche und Armin Göhringer beteiligt.

Eigenes Terrain für die Künstler

Um es vorweg zu sagen: Auch wenn viele Besucher den Blick auf anderes richten werden, bietet die gestaltete Landschaft eine ideale Kulisse für zeitgenössische Positionen in der Kunst. Die Skulpturenschau wirkt auch nicht als beliebige «Möblierung» der Insel, sondern ist ein eigenständiger Beitrag, der die Gegebenheiten der Blumeninsel mit den Voraussetzungen der Präsentation von Kunst in Einklang bringt.

Jeder der beteiligten Künstler hat ein eigenes Terrain erhalten, um sein persönliches Statement abzugeben. Zum Auftakt also der erwähnte Robert Schad (*1953, lebt und arbeitet im französischen Larians und in Chamosinhos, Portugal), der dem rostroten Vierkantstahl Zeichen entlockt, die sich mit solch tänzerischer Leichtigkeit vom Boden abstossen, als sollte hier das überdimensionierte Bewegungsprofil eines taumelnden Falters erstellt werden. Ruckartig gewinnt die Skulptur an Höhe, ändert ihre Richtung, stützt sich filigran auf die grüne Wiese, der sie entspringt. Undenkbar, dass ein (wahrnehmbarer) Sockel dieser Dynamik hätte Grenzen setzen sollen.

Der weitere «Skulpturenpfad», auf den nicht explizit verwiesen wird (Leichtigkeit spiegelt sich in diesem Verzicht auf überdeutliche Hinweise), folgt der Wasserlinie auf der Südseite der Insel. Knorrige Bäume mit ihren aus Rinde gezauberten Bildern geben das Panorama vor. Und dann taucht Armin Göhringer auf, der seine Holzarbeiten in elegant wirkende Eisenrahmen fasst. Im Inneren hat er netzartige oder parallel verlaufende Maserungen aus geschwärztem Eichenholz geschaffen, filigrane Strukturen, die nicht so aussehen, als wäre hier tatsächlich eine Kettensäge zum Einsatz gekommen.

Beziehung und Bruch

Göhringer (Jahrgang 1954), der im Ortenaukreis am Westrand des Schwarzwalds lebt und arbeitet, schafft über das Material Holz eine unmittelbare Beziehung zur umgebenen Natur. Die rostige Oberfläche des Eisens bewirkt ein Übriges, erinnert sie doch neben dem warmen Erdton auch an Flechtenbewuchs.

Ein klarer Bruch, eine Gegenposition bei Thomas Röthel (*1969, lebt und arbeitet im deutschen Frankenland), der es sich nicht nehmen lässt, dem Stahl seine Schwere zuzugestehen und damit eine unverrückbare Position einzunehmen. Was fasziniert, sind die Widersprüche, die er seinen Plastiken mit auf den Weg gibt. Massive Stahlplatten werden fast sanft in eine Wellenbewegung versetzt, die Dynamik schafft. «Beziehung» nennt er den Kontakt zwischen zwei sich wölbenden Stahlbändern – wie auch immer das zu interpretieren sein mag. Dann himmelwärts strebende, zwischenzeitlich in verflochtene Elemente sich auffächernde Skulpturen. Und Drehungen, wo sie eigentlich doch gar nicht auftreten könnten.

Organische Formensprache

Eine Spur Idylle vielleicht doch in Hafennähe bei den Skulpturen aus weissem Carrara-Marmor, die Sibylle Pasche geschaffen hat. Auch dieses Mal geht es nicht um Gegenständliches. Die Bildhauerin, die 1976 geboren wurde und im schweizerischen Meilen, in Carrara (Italien) und New York lebt und arbeitet, setzt auf eine organische Formensprache, auf deren Basis sie die Wirkung von Licht und Schatten austariert. Das Ergebnis kann üppiger ausfallen und damit spielerischer wirken, schön aber auch die reduzierteren Formen mit ihren leichten Einwölbungen.

Und als sollte mit dem Schlusspunkt gleichzeitig ein Höhepunkt markiert werden, ruhen die verschlungenen Chromstahl-Objekte des Schweizers Carlo Borer auf dem Plateau der Insel im Arboretum. Überdimensionierte Schmuckstücke hat Carlo Borer (*1961, lebt und arbeitet in Wanzwil, Kanton Bern) mittels CAD am Rechner entworfen, und High-Tech kommt auch bei der Realisierung der Objekte zum Einsatz, die nun auf Wiesenstücken inmitten alten Baumbestands ruhen. Sich der Faszination dieses Anblickes zu entziehen, fällt schwer.

5×5 Perspektiven aus Stahl, Stein und Holz. Insel Mainau. Bis 19.10.

Aktuelle Nachrichten