Grosse Siege und bleibende Schäden: Einer der besten Grasskifahrer tritt zurück

Stefan Portmann beendet seine erfolgreiche Karriere. Der Entlebucher ist der einzige Schweizer, der den Gesamtweltcup gewann.

Claudio Zanini
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Stefan Portmann, 35-jähriger Grasskifahrer aus Wiggen im Entlebuch: «Ich machte es aus Leidenschaft.» (Bild: Petra Ivankova (12. September 2019))

Stefan Portmann, 35-jähriger Grasskifahrer aus Wiggen im Entlebuch: «Ich machte es aus Leidenschaft.» (Bild: Petra Ivankova (12. September 2019))

Von aussen betrachtet mag die Sportart ein wenig suspekt erscheinen. Vieles sieht nach Skifahren aus, etwa die Rennanzüge, die Tore, die Sicherheitsnetze, die Zeitmessung. Doch der Schnee fehlt. Und auch die Ski. Die Athleten tragen eine Art von Panzerraupen mit Rollen an den Füssen. Die Rollen werden mit Öl eingeschmiert. Würden sie nicht mit Öl behandelt, wären sie nach wenigen Toren wegen der Reibung verbrannt.

Doch es gibt noch einen anderen markanten Unterschied. Mit Grasski kann man nicht abbremsen, nicht driften. Einem Anfänger ist es nicht einmal möglich, sich per Stemmbogen mit dem Sportgerät anzufreunden. Man muss es einfach laufen lassen. Stefan Portmann, einer der erfolgreichsten Grasskifahrer der Schweiz, sagt: «Das ist nicht gefährlicher als Skifahren. Aber es braucht mehr Übung.» Portmann hat sich entschlossen, seine Karriere zu beenden, mit 35 Jahren. 1994 begann seine Laufbahn bei einem Schüler-Camp. In den vergangenen 25 Jahren investierte er viel in den Sport. Vom Zeitaufwand bewegte er sich ungefähr auf dem Niveau von alpinen Weltcupathleten. Er trainierte bis zu 25 Stunden in einer Woche. Einerseits im Kraftraum, andererseits auf den Grasski. «Spitzensport ist eine sehr egoistische Sache», sagt er. «Es ist schlauer, meine Energie von jetzt an für meine Kinder zu investieren.» Zwei Kinder hat er, eine 5-jährige Tochter, einen 2-jährigen Sohn.

Weltmeistertitel auf dem Hausberg

Weltmeistertitel auf dem Hausberg Die Prioritäten haben sich im Allgemeinen verschoben. «Verschiedene Faktoren», sagt Portmann am Telefon. Er hat sich zwischen zwei Schulstunden Zeit genommen, um über den Rücktritt zu reden. Es beschäftigen ihn aktuell andere Dinge als Grasskifahren. Zum Beispiel die Weiterbildung zum Metallbaukonstrukteur. Und ohnehin könne man nicht ein Leben lang Grasskifahren, sagt er. Dank Sponsoren konnte er den Sport wenigstens kostendeckend ausüben.

Er gehörte zu den besten Athleten, doch er wurde weder reich noch berühmt. «Ich machte es aus Leidenschaft, und nicht, weil ich mich jeden Tag in der Zeitung sehen wollte», sagt er. 2014 gewann er den Gesamtweltcup. Er ist nach wie vor der einzige Schweizer, der dies schaffte. «Das ist eines der Highlights, darauf bin ich sehr stolz.» Nebst seinen 15 Weltcupsiegen war er auch bei Titelkämpfen erfolgreich. Bei der WM im vergangenen August auf der Marbachegg, seinem Hausberg, gewann er Gold im Riesenslalom und Silber im Slalom.

Doch die Erfolge hinterliessen Spuren. Es gibt Schäden, die geblieben sind. Eine Fussgelenkverletzung, die er vor Jahren erlitt, schmerzt immer noch, sogar im Alltag. Es ist eines dieser Signale, das auf ein Karriereende hinwies. Wenn nicht sogar das deutlichste.