Grossartiger FCB-Umschwung in Salzburg

Der FCB hat sich in Salzburg auf beeindruckende Weise für den Europa-League-Viertelfinal qualifiziert. Innerhalb von neun Minuten erzwang der Schweizer Champion in Unterzahl den Umschwung zum 2:1-Coup.

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Marco Streller (links) feiert den Sieg, nach dem UEFA Europa League Achtelfinal-Rückspiel zwischen Red Bull Salzburg und dem FC Basel. (Bild: KEYSTONE)

Marco Streller (links) feiert den Sieg, nach dem UEFA Europa League Achtelfinal-Rückspiel zwischen Red Bull Salzburg und dem FC Basel. (Bild: KEYSTONE)

Ausgerechnet als der FCB im Spiel der grossen Emotionen (zwei Ausschlüsse und acht gelbe Karten) taumelte und sich in Unterzahl gegen ein Team stemmen musste, das in der heimischen Liga und auf europäischer Ebene einen Sieg an den nächsten Rekord gereiht hatte, erzwang der Schweizer Titelhalter einen fast märchenhaften Umschwung. Marco Streller (51.) und Gaston Sauro (60.) ermöglichten Basel den Vorstoss unter die besten acht der Europa League.

Ungewöhnliche Umstände
Der dritte Viertelfinal-Vorstoss im Europacup innerhalb von acht Jahren ist nur schon der ungewöhnlichen Umstände wegen hoch einzuschätzen. Zum einen fehlten dem FCB auch in Österreich diverse verletzte Stammkräfte, andererseits stoppte er einen Kontrahenten, der 2014 in zehn Partien 41 Treffer produzierte und im eigenen Land nicht ganz ohne Grund als Fussball-Traumfabrik betitelt wurde.

Am Ende jubelte in der Red-Bull-Arena nur Rot-Blau. «Unbegreiflich, dass Basel hier feiert. Wir hätten hier sechs bis sieben Tore schiessen müssen», ärgerte sich der Salzburger Aussenverteidiger Klein hinterher. Er und auch die Mehrheit der über 29'000 Zuschauer konnten kaum fassen, dass der designierte österreichische Champion im 31. Spiel seit dem 0:2 gegen Rapid (12. August 2012) erstmals wieder eine Heimniederlage bezog.

Nur der von einigen Krawallanten im FCB-Fan-Sektor ausgelöste Eklat trübte den nahezu perfekten FCB-Auftritt. Weil ein paar Gewaltbereite ununterbrochen Gegenstände auf den Platz schleuderten, verhängte der Spielleiter zum Schutz der österreichischen Spieler einen Unterbruch. Erst nachdem der Basler Präsident Heusler die ausser Kontrolle geratenen Supporter via Stadion-Mikrofon zur Vernunft aufforderte, beruhigte sich die heikle Lage wieder.

Strellers Tor zum Umschwung
«Marco ist gesetzt und unersetzbar.» Murat Yakin hält grosse Stücke auf seinen Captain. Und der im Hinspiel verletzte Topskorer rechtfertigte das Vertrauen seines Trainers einmal mehr im beeindruckenden Stil. Mit seinem Kopfballtreffer in der 51. Minute leitete er die Wende ein, mit der nach einem völlig missratenen Start und dem frühen Ausschluss Suchys (9.) kaum mehr zu rechnen war.

Mit der unvermittelten Drehbuchänderung kam Salzburg nicht zurecht. Noch ehe sich die erfolgsverwöhnten Gastgeber vom Rückschlag erholten, erzwang Gaston Sauro mit seiner Torpremiere die unverhoffte Führung der Bebbi. Das 2:1 des argentinischen Verteidigers kam dem eigentlichen Knock-out-Schlag gleich.
Salzburg entglitt die Kontrolle in der zweiten Hälfte, derweil der FCB sich in der eigenen Zone nahezu perfekt verhielt − bis auf eine Szene. Unmittelbar vor der Aktion Sauros leistete sich Arlind Ajeti im Nahkampf mit Alan, der immer wieder als Provokateur in Erscheinung trat, einen Aussetzer − sein Glück war, dass der Bundesliga-Referee Gräfe den Kopfstoss wohl übersehen hatte.

Die frühen Turbulenzen
Bereits neun Minuten war nichts mehr wie geplant: Marek Suchy, eigentlich als Chef der Abwehr zur Stabilisierung vorgesehen, setzte in der gegnerischen Platzhälfte zur sinnlosen Grätsche gegen Alan an. Der Referee schloss den ungestümen Tschechen direkt aus − und zwar ohne zu zögern.
In jener frühen Phase bahnte sich aus Sicht der Bebbi ein höchst ungemütlicher Abend an, zumal sich Salzburg schon in den ersten Minuten gleich serienweise erstklassige Chancen erarbeitet hatte: Alan, der brasilianische Rückkehrer, setzte einen Kopfball über die Latte (3.), Sané vergab Sekunden später die nächste Möglichkeit, ehe Kampl den Ball das Tor um wenige Zentimeter verfehlte.

Die rote Karte beschleunigte die Turbulenzen selbstredend weiter. Yakin reagierte zwar sofort mit taktischen Notmassnahmen − zunächst rückte Fabian Frei zurück, dann stellte der Coach auf eine Viererkette um. Mitten in der allgemeinen Hektik und FCB-Desorientierung erzwang Soriano das 1:0 − vor allem deshalb, weil sich David Degen allzu leicht austricksen liess.

Erst nach der Einwechslung des verblüffend abgebrühten 20-jährigen Europacup-Debütanten Naser Aliji − er ersetzte in der 42. den defensiv ungenügenden Ex-Internationalen David Degen − gelang es den umformierten Gästen, Offensivkraft der «Bullen» spürbar einzudämmen.

Mit den Umstellungen bekundete Salzburg erstaunliche Mühe. Die Seriensieger, die sich vor dem Duell mit dem FCB auch im internationalen Geschäft nahezu mühelos in den Fokus gespielt hatten, reagierten auf den Widerstand der Bebbi ratlos. Sie bezahlten nicht nur wegen ihrer Ineffizienz im Hin− und Rückspiel einen hohen Preis − sie scheiterten an einem Kontrahenten, der in den letzten Jahren auf höchster Stufe deutlich mehr Spuren hinterlassen hatte. (sda)

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