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Grober Keil auf feinem Klotz

Titelfavorit Spanien trifft heute (20 Uhr, SRF zwei) in seinem zweiten Spiel auf den Iran. Im Mittelpunkt steht dabei einer, der eigentlich gar nicht so richtig reinpasst: Stürmer Diego Costa.
Carsten Meyer
Der Rambo unter den Offensivspielern: Diego Costa. (Bild: Francisco Secoe/AP (Sotschi, 15. Juni 2018)

Der Rambo unter den Offensivspielern: Diego Costa. (Bild: Francisco Secoe/AP (Sotschi, 15. Juni 2018)

Wir schreiben das Jahr 2018 n. Chr. Ganz Spanien ist von tiki-taka-wütigen Fussballclubs besetzt. Ganz Spanien? Nein. Ein von unbeugsamen Madrilenen bevölkertes Team hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Und das mit beachtlichem Erfolg. Schon seit Jahren bietet Atlético den arrivierten Topclubs mit kraftvollem und ergebnisorientiertem Fussball hartnäckig die Stirn. In den Hauptrollen: Trainer Diego Simeone als Druide Miraculix, Angreifer Antoine Griezmann als listiger Asterix – und seinem Sturmpartner Diego Costa ist die Rolle des Obelix wie auf den bulligen Leib geschneidert. Der 29-Jährige ist der Rambo unter den Offensivspielern. Dass er seinen Körper einzusetzen weiss, mussten im ersten WM-Spiel (3:3) die Portugiesen erfahren. Ihnen lieferte Costa Zweikämpfe am Rande der Legalität. Er schuftete, er wühlte. Und vor allem: Er traf zweimal. Danach konnte Spaniens Trainer Fernando Hierro zufrieden feststellen: «Diego hat sensationelle Arbeit abgeliefert.»

Über den Nationalspieler Diego Costa hat man so etwas nicht oft gehört. Der gebürtige Brasilianer lief bisher noch nicht Gefahr, zum beliebtesten Bürger Spaniens gewählt zu werden. Die iberischen Fans fremdeln etwas mit der Art und Weise, wie Costa seinen Beruf ausübt.

Er geht da hin, wo es wehtut

In den letzten zehn Jahren dominierten die Spanier den Weltfussball eher mit dem feinen Füsschen, Stürmer wurden generell für verzichtbar gehalten. Und jedes Mal wenn sich seine Teamkollegen in Ekstase ballzirkulierten, wirkte Costa wie ein Fremdkörper. Wie der Junge, der auf dem Bolzplatz nie gewählt und am Ende aus Mitleid dem stärksten Team zugeteilt wurde. Ein grober Keil auf einem feinen Klotz.

Seine Stärken sind nicht die Drehungen auf engstem Raum, der doppelte Doppelpass oder der achtfache Übersteiger. Er ist ein gradliniger Stürmer, der da hingeht, wo es wehtut. Sein ehemaliger Chelsea-Mitspieler John Terry wacht wahrscheinlich noch heute schweissgebadet auf, wenn ihm Costa im Schlaf erscheint. «Gegen Diego zu spielen», hat er mal zu Protokoll gegeben, «war ein Albtraum.» Zumindest, wenn Costa ein Club-Trikot trug.

In der Nationalmannschaft tat er sich dagegen schwer. Schon der Start verlief äusserst holprig. Das erste Turnier nach Costas Einbürgerung war die WM 2014 in Brasilien. Die Spanier kamen als Weltmeister und gingen als geprügelte Hunde. Sie schieden in der Vorrunde aus. Danach spielte Costa nur noch eine untergeordnete Rolle, für die EM 2016 wurde er nicht mal nominiert. Doch dann übernahm Julen Lopetegui das Amt des Nationaltrainers und outete sich als grossen Freund von Costa. Seine Kernaussage: «Wir müssen Diego lieben, wie er ist.» Doch der Verband entzog kurz vor der WM Lopetegui das Amt. Und viele glaubten, das sei gleichbedeutend mit dem sportlichen Aus für Costa. Nach nur einem WM-Spiel lässt sich bereits feststellen: eine Fehlprognose.

Denn auch Hierro, als Verteidiger früher selbst ein Anhänger des brachialen Zweikampfes, schätzt Costas Vorzüge. Dazu scheint auch eine gewisse Anpassungsfähigkeit zu gehören. Schon vor dem Turnier meinte er: «Ich habe mich mittlerweile besser an die Spielweise gewöhnt.» Costa hätte nach dem Portugal-Spiel alle Gründe gehabt, etwas Genugtuung zu verspüren. Doch er ist keiner, der zur Selbstüberhöhung neigt. Ob er nicht ein bisschen traurig sei, dass ihm Cristiano Ronaldo mit seinem Dreierpack ein wenig die Show gestohlen habe, wurde er gefragt. Da schüttelte Costa nur den Kopf und erklärte: «Cristiano wird oft kritisiert. Aber ich würde mich freuen, wenn ich spielen würde wie er.» Das wird in diesem Leben nicht mehr passieren. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlimm. Ein guter Diego Costa ist schliesslich auch nicht zu verachten.

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