GRADMESSER: Die einsame Favoritin

Heute Abend um 19 Uhr empfängt die Schweiz in St. Gallen Deutschland zu einem Badminton-Länderspiel. Schweizer Trumpf ist die zweifache Olympiateilnehmerin Sabrina Jaquet.

Ives Bruggmann
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Sabrina Jaquet in Jubelpose. Auch gegen Deutschland startet sie mit Ambitionen. (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Sabrina Jaquet in Jubelpose. Auch gegen Deutschland startet sie mit Ambitionen. (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Ives Bruggmann

Sabrina Jaquet ist 27-fache Schweizer Meisterin im Badminton. Sowohl im Einzel als auch im Frauen- und Mixed-Doppel hat die Westschweizerin in den vergangenen zehn Jahren fast jeden nationalen Titel für sich erobert. Der Schweizer Bühne ist die 29-Jährige aus La Chaux-de-Fonds längst entwachsen. Auf Interclub-Ebene spielt sie seit sieben Jahren in Frankreich. Und als Einzelspielerin reist sie um die halbe Welt, um Turniere zu bestreiten. Mit Erfolg.

Die aktuelle Nummer 39 Welt bezeichnet die laufende Saison als «bisher beste» ihrer Karriere. In Yverdon und in Rom hat sie die ersten beiden Titel ihrer Laufbahn erspielt. Und dennoch ist die Schweiz für sie Basis für all die Erfolge, die sie feiert. Denn Jaquet trainiert im professionellen Umfeld der Schweizer Nationalmannschaft in Bern. Sie kann als Profi vom Badmintonsport leben – als einzige Schweizerin.

Zuerst aufs Doppel spezialisiert

Trotz der vielen Erfolge verlief die Karriere der zweifachen Olympiateilnehmerin nicht nach Plan. Bis 23 setzte die Neuenburgerin voll auf das Mixed-Doppel mit Anthony Dumartheray. Doch irgendwann merkte Jaquet, dass im Einzel für sie die Chance auf Olympia grösser ist. Und die Entscheidung sollte sich rasch auszahlen. «Das Einzeltraining ist härter. Das hat mir zugesagt.» Etwas überraschend schaffte Jaquet bereits im Jahr 2012 die Qualifikation für die Olympischen Spiele in London. «Ein schönes Gefühl, weil ich lange die Nummer zwei in der Schweiz war.» Ganz anders dann die Ausgangslage vier Jahre später. Da musste sich Jaquet fast qualifizieren, so deutlich war sie den anderen Schweizerinnen überlegen. «Die Erleichterung war gross, als ich es geschafft habe.» Bei beiden Olympia-Teilnahmen konnte Jaquet gegen die asiatische Übermacht im Badminton nichts ausrichten. Dennoch sind es die beiden Höhepunkte in ihrer Laufbahn.

Derzeit ist die 1,69 m grosse Rechtshänderin die Nummer sechs in Europa. Das ganz grosse Ziel in diesem Jahr ist die EM. Dort strebt Jaquet eine Medaille an. Es wäre ihre erste. Ihr Bestergebnis ist bislang der fünfte Rang im Jahr 2012. Für das MedaillenZiel trainiert Jaquet viel. Mindestens 20 Stunden pro Woche übt sie mit dem Kader der Schweizer Nationalmannschaft. Oft auch mit den Männern oder gegen zwei oder drei Spielerinnen gleichzeitig. «Das machen aber alle so, nicht nur ich», sagt Jaquet. Dennoch gefällt es ihr am besten, je härter das Training ist. «Nur Technik zu üben, ist mir irgendwann zu langweilig.»

Überhaupt seien die Strukturen beim Badmintonverband inzwischen professioneller als bei ihren Anfängen vor zwölf Jahren. Zwei Vollzeit- und mehrere Teilzeittrainer kümmern sich um die Equipe der Schweiz sowie um die besten Nachwuchskräfte. «Heute wären meine Chancen auf internationale Erfolge vermutlich grösser», sagt Jaquet. Die fehlenden Trainingsstunden als junge Erwachsene lassen sich nicht einfach nachholen.

Ein guter Test für die Schweiz

Das Länderspiel gegen Deutschland ist für Jaquet eine willkommene Abwechslung. «Es ist super für das Team, gegen eine so grosse Badminton-Nation wie Deutschland anzutreten.» Da könne die Schweiz nur profitieren. Für Jaquet ist dabei die Ausgangslage unterschiedlich im Vergleich zu den anderen Schweizern. Sie ist Favoritin in ihrem Einzel. Nach dem Länderspiel gegen Deutschland in St. Gallen steht schon bald die unmittelbare Vorbereitung auf die EM in Dänemark Ende April an. Und was setzt sich Jaquet danach für Ziele? Nochmals bei Olympia teilnehmen? «Das weiss ich noch nicht. Rio ist noch nicht lange her.» Das Einzige, das sie wisse, sei, dass sie derzeit viel Spass beim Spielen habe. Ihre Erfolge unterstreichen das.