GP TSCHECHIEN: Tom Lüthi schreibt das «Märchen von Brünn»

Mit seinem 15. GP-Sieg halbiert der Schweizer den Rückstand in der WM-Wertung. Derweil baut Weltmeister Marc Marquez seine Führung in der Königsklasse aus.

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Eigentlich sprach alles gegen ihn. Doch am Ende strahlte Tom Lüthi als Sieger des Grand Prix von Tschechien zuoberst vom Podest. In allen Trainings kämpfte der 30-jährige Emmentaler mit Grip-Problemen und startete als Elfter nur aus der vierten Reihe ins Rennen. Dieses wurde nach 8 von 20 Runden wegen Regens abgebrochen, Lüthi hatte sich auf den siebten Platz verbessert.

Mit einem Blitzstart setzte er sich im zweiten Rennen, das nur noch über sechs Runden führte, schon vor der ersten Kurve an die Spitze. «Das war der Schlüsselpunkt zum Sieg», erklärte ein überglücklicher Lüthi, der als einziger Fahrer neben Alex Marquez «angefahrene Reifen benutzte, was sicher auch nicht schlecht war». Lüthi gewann das Sprintrennen mit 4,991 Sekunden Vorsprung auf Alex Marquez, den Bruder des Moto-GP-Stars Marc Marquez. Als wichtiger Faktor erwies sich auch das Warm-up-Training, das ebenfalls bei nassen Bedingungen ausgetragen wurde. «Da hatte ich während einer Runde im Regen ein sehr gutes Gefühl. Und auch im zweiten Rennen fand ich sofort einen guten Rhythmus.» In der Gesamtwertung halbierte Lüthi mit seinem 15. GP-Sieg den Rückstand auf den in der Wertung führenden Franco Morbidelli, der nur Achter wurde. Der Italiener führt nach 10 von 18 Rennen noch mit 17 Zählern Vorsprung (182:165). Letztmals siegte Lüthi in Brünn 2005 in seinem Weltmeister-Jahr in der 125er-Kategorie. Vor einem Jahr musste er nach einem heftigen Sturz im Qualifying und einer Nacht im Spital auf den GP Tschechien verzichten. Zeit für eine Siegesfeier hatte Lüthi nicht. Er flog noch gestern Abend zurück in die Schweiz. «Nix Party, einfach seriös weiterarbeiten», erklärte Lüthi, «in einer Woche findet bereits das nächste Rennen in Spielberg statt.»

58. GP-Sieg für Marc Marquez

In der Königsklasse baute Weltmeister Marc Marquez seine Führung in der Gesamtwertung aus. Der 24-jährige Spanier gewann den GP von Tschechien von der Pole-Position aus und dank der besten Strategie. Weil die Strecke noch feucht war, wurde das 22-Runden-Rennen als Regenrennen mit Regenreifen gestartet, was jedem Fahrer die Möglichkeit gab, sein Motorrad zu wechseln. Marquez tat dies schon nach der ersten Runde und siegte auf Slickpneus 12,428 Sekunden vor seinem Honda-Teamkollegen Dani Pedrosa, der zum 150. Mal in seiner Karriere auf dem Podest stand. Dritter wurde mit bereits über 18 Sekunden Rückstand Maverick Viñales vor seinem Yamaha-Teamkollegen Valentino Rossi. In der Gesamtwertung führt Weltmeister Marquez nun mit 154 Punkten vor Viñales, der 140 Punkte auf dem Konto hat. Andrea Dovizioso ist mit 133 Zählern Dritter, Rossi ist Vierter. Vor dem GP in Brünn lag das Quartett, das für den Titel in Frage kommt, gerade einmal zehn Zähler auseinander. (sda)