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GOLF: «Man muss Eigenbrötler sein»

Joel Girrbach ist nach seinem Sieg an der Swiss Challenge populär wie nie zuvor. Im Interview spricht der 23-jährige Profi aus Ermatingen über sein Erfolgsrezept und die Krux mit den letzten Metern vor dem Loch.
Matthias Hafen
Joel Girrbach gehört zu den Schweizer Golfern mit dem grössten Potenzial. (Bild: Donato Caspari)

Joel Girrbach gehört zu den Schweizer Golfern mit dem grössten Potenzial. (Bild: Donato Caspari)

Matthias Hafen

matthias.hafen@thurgauerzeitung.ch

Joel Girrbach hat in seiner noch jungen Karriere schon auf gegen 1000 Golfplätzen weltweit gespielt. Dass der Durchbruch nun in der Schweiz gelungen ist, empfindet der 23-jährige Thurgauer als besonders schön.

Joel Girrbach, wie fühlen Sie sich als neue Leitfigur im Schweizer Golf?

Nicht anders als vorher. (lacht) Ich habe selber noch nicht so richtig realisiert, was in den vergangenen Tagen geschehen ist.

Seit Ihrem Triumph an der Swiss Challenge in Hildisrieden sind Sie so populär wie noch nie zuvor. Inwiefern bekommen Sie das zu spüren?

Ich erhalte nun plötzlich Fanpost und bin auch in den Medien ein gefragter Gesprächspartner. Ich musste sogar kurzerhand Autogrammkarten drucken lassen, weil ich mit Anfragen überhäuft wurde. Zuvor habe ich mir gar keine Gedanken über solche Sachen gemacht beziehungsweise mich immer ein bisschen dagegen gesträubt.

Stört Sie der Rummel?

Nein, im Gegenteil. Es ist schön, dass der Golfsport in der Schweiz dadurch wieder präsenter wird. Diese Art von Werbung kann unserem Sport nur guttun.

Was braucht es, damit man so gut wird wie Sie?

Es braucht Talent und eine grosse Portion Ehrgeiz. Von Vorteil sollte man auch Eigenbrötler sein, für sich selbst schauen können. Denn nur schon immer alleine an die Turniere zu reisen, ist nicht jedermanns Sache.

Braucht es auch Verzicht?

Man muss auf jeden Fall Prioritäten setzen. Aber ich habe nicht das Gefühl, ich hätte auf etwas verzichten müssen. Im Gegenteil: Ich komme dank des Sports viel in der Welt herum und sehe Orte, die andere in meinem Alter noch nicht gesehen haben und vielleicht nie sehen werden. Das ist ein Privileg.

Spüren Sie Neid von Ihren gleichaltrigen Kollegen?

Nein, aber es schränkt die Auswahl ein, wenn es darum geht, wohin man gemeinsam in die Ferien reist. Ich sage dann oft, dass ich diesen und jenen Ort schon gesehen habe. (lacht)

Bereits als Achtjähriger standen Sie auf dem Golfplatz. Wie haben Sie Ihre Teenagerzeit erlebt?

Nicht anders als meine Kollegen. Ich habe alle Sportarten ausprobiert, die mich interessiert haben. Speziell war höchstens, dass ich nach der Primarschule an die Nationale Elitesportschule in Kreuzlingen ging. Danach habe ich einen normalen KV-Abschluss gemacht. Heute bin ich gelernter Versicherungskaufmann. Bis ich 18 Jahre alt war, richtete ich mein Leben noch nicht auf eine Karriere als Profisportler aus.

Können Sie sich erinnern, wann Sie Ihr Talent fürs Golfen entdeckt haben?

Wann ich es entdeckt habe, ist schwierig zu sagen. Ich weiss aber noch, dass mich der Schweizer Verband als Elfjähriger ein erstes Mal für ein internationales Turnier in Italien aufgeboten hat. Ich ging dann ohne Eltern, nur begleitet von einem Trainer, dorthin. Es war das erste Mal, dass mir so richtig bewusst wurde, dass ich Talent habe.

Mittlerweile sind Sie ein Profi. Was zeichnet Sie aus?

Ein Pluspunkt ist sicher meine mentale Stärke. Ich kann sehr gut ausblenden, was um mich herum passiert, wenn ich mich konzentrieren muss. Auf dem Platz ist es eher das lange Spiel, das mir behagt. Also die weiten Schläge, bevor es dann in der Nähe des Lochs ums Putten geht.

Woran müssen Sie noch arbeiten, um auch international an die Spitze zu kommen?

Alle Golfer arbeiten am Gleichen, nämlich am Spiel unter 100 Metern vor dem Loch. Diese Distanz mit möglichst wenigen Schlägen zu absolvieren, ist die grösste Herausforderung. Dort kann man nie gut genug sein. In diesem Bereich sieht man auch den Unterschied zwischen einem Profi und einem Weltklasse-Profi.

Ist das einzig Routinesache?

Nicht nur. Es geht auch darum, das zu tun, was du kannst, und das andere zu lassen. Als junger Spieler probiert man halt eher mal etwas aus.

Sind Sie noch in dieser Sturm-und-Drang-Phase, in der Sie auch mehr Risiko eingehen?

Ja, das ist schon noch so. (schmunzelt) Aber nur dann, wenn ich das Vertrauen habe. Ich habe mittlerweile genügend Erfahrung, um zu wissen, wo ich die Zügel ein bisschen schleifen lassen kann.

Wie weit nach vorne soll es in Ihrer Karriere noch gehen?

Kurzfristig setze ich mir keine überrissenen Ziele. Ich möchte meinen eingeschlagenen Weg Schritt für Schritt weitergehen. Denn die Richtung stimmt. Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio sind sicher ein Ziel von mir.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Auf der PGA-Europatour. Es ist mein Ziel, irgendwann die ganz grossen Golfturniere dieser Welt bestreiten zu können, die Majors – und ganz allgemein auf der Europatour etabliert zu sein.

War der Triumph an der Swiss Challenge der Punkt, an dem Sie gesagt haben: Jetzt hat es sich gelohnt, voll auf den Sport zu setzen?

Nein, solche Momente gab es schon früher. Der Golfsport macht mir ungemein Spass. Es hat sich also schon längst gelohnt. Und solange ich diese Freude nicht verliere, mache ich weiter. Die Leute meinen oft, es gehe beim Golfen ums Geld. Aber das ist nicht so. Ich spiele Golf, weil ich Freude daran habe.

Mit dem Sieg an der Swiss Challenge haben Sie rund 30000 Franken kassiert. Können Sie Ihre Karriere mit Preisgeldern finanzieren?

Nein, die Preisgelder auf der Challenge Tour reichen dafür bei weitem nicht. Ich brauche Sponsoren und Gönner, um eine Saison finanzieren zu können. Das Preisgeld ist dann im Idealfall mein Lohn.

Zurück zu Ihrem Triumph an der Swiss Challenge: Ändert das die Wahrnehmung Ihrer Person im Schweizer Golf?

Ich habe jetzt gesehen, dass es auf diesem Niveau für ganz nach vorne reicht. Ich habe mein Potenzial schon im vergangenen Jahr mit Platz zwei angedeutet. Doch das Turnier zu gewinnen, ist dann schon nochmals etwas ganz anderes. Natürlich ist es schön, stets als Hoffnungsträger betitelt zu werden. Aber es gibt viele Sportler, die ihre ganze Karriere lang Hoffnungsträger bleiben und nie etwas erreichen. Das will ich vermeiden.

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