GOLF: Goldene Zukunft

Mit erst 23 Jahren hat Jordan Spieth an den British Open seinen dritten grossen Sieg errungen. Nicht wenige trauen dem US-Amerikaner zu, in drei Wochen als jüngster Spieler den Karriere-Grand-Slam zu vollenden.

Nicolas Reimer (sid)
Drucken
Teilen
Der 23-jährige Texaner Jordan Spieth bliebt am ältesten Turnier der Welt viermal unter der 70er-Marke. (Bild: Dave Thompson/AP)

Der 23-jährige Texaner Jordan Spieth bliebt am ältesten Turnier der Welt viermal unter der 70er-Marke. (Bild: Dave Thompson/AP)

Nicolas Reimer (SID)

Mit der begehrten Silberkanne im Arm genoss Jordan Spieth den Augenblick, die Zukunft spielte für ihn in diesem geschichtsträchtigen Moment keine Rolle. «Das ist alles so unwirklich, so unglaublich. Ein grosser Traum ist Realität geworden», sagte der neue British-Open-Champion.

Der knappe, spektakuläre Triumph bei der 146. Ausgabe des ältesten noch ausgespielten Turniers der Welt war bereits der dritte Major-Erfolg für den 23-jährigen Texaner. Dass dies in diesem Alter zuvor einzig dem grossen Jack Nicklaus gelungen war, ging am Sonntag im englischen Southport fast unter – weil Spieth schon in drei Wochen einen Rekord für die Ewigkeit aufstellen könnte. Denn wenn der US-Amerikaner auch in Charlotte bei der US PGA Championship gewinnt, wäre er der bis anhin jüngste Golfer, der hinter alle vier Majors ein Häkchen setzen dürfte. Bislang haben den Karriere-Grand-Slam seine Landsleute Nicklaus, Tiger Woods, Ben Hogan, Gene Sarazen sowie der Südafrikaner Gary Player vollendet.

«Allein im Atemzug mit diesen Personen genannt zu werden, ist schon eine grosse Ehre», sagte Spieth, der 2015 das US Masters und die US Open für sich entschieden hatte. «Aber alle haben so viel für den Sport geleistet, da bin ich noch meilenweit davon entfernt.»

Spieths wilde Runde am Schlusstag

Eine Show lieferte Spieth (ungewollt) am Sonntag jedenfalls ab. Hatte er die ersten drei Runden nahezu keine Fehler begangen und auch deshalb von Beginn an geführt, spielte er am Schlusstag eine wilde Runde. Nach seinem fünften Bogey des Tages – er hatte nach einem Fehlschlag vom LKW-Fuhrpark weiterspielen müssen – verlor er die Führung zwischenzeitlich an Landsmann Matt Kuchar. Mit drei Birdies und einem Eagle auf den letzten fünf Löchern drehte Spieth aber noch einmal auf. «17 Pars und ein Birdie hätten es auch getan», sagte er später erleichtert – wohlwissend, dass er am US Masters im vergangenen Jahr einen komfortablen Rückstand auf der Schlussrunde schon einmal verspielt hatte. «Die Erinnerungen waren plötzlich wieder allgegenwärtig.»

Seine Comeback-Qualitäten nötigten dem unterlegenen Kuchar daher auch grössten Respekt ab. «Man kann sich nur zurücklehnen, den Hut ziehen und ihm gratulieren. Er ist ein grosser Champion», lobte der 16 Jahre ältere Kuchar. Und auch die Sportprominenz in der Heimat gratulierte dem jüngsten Open-Sieger seit 1979, so auch Nicklaus. «Jordan hat mal wieder eine unglaubliche Reife an den Tag gelegt. Grossartig», sagte Nicklaus – der in einer Kategorie von Spieth bereits überflügelt worden war. Denn der 18-fache Major-Sieger hatte bis zu seinem 24. Geburtstag nur acht Siege auf der PGA-Tour gefeiert, Spieth steht schon jetzt bei elf. Gut möglich, dass er in drei Wochen einen anderen Rekord aufstellt.