Goldene Zeiten

Der 50jährige Rollstuhlsportler Heinz Frei aus Etziken hat an den Paralympics in Peking Gold im 12,7-km-Zeitfahren gewonnen und dem Schweizer Team den ersten Sieg am Grossanlass 2008 gesichert.

Corinne Schlatter/Peking
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Einmal mehr zuoberst auf dem Podest: Der 50jährige Rollstuhlsportler Heinz Frei. (Bild: ky/Eddy Risch)

Einmal mehr zuoberst auf dem Podest: Der 50jährige Rollstuhlsportler Heinz Frei. (Bild: ky/Eddy Risch)

Für Heinz Frei hat sich an den Paralympics in Peking etwas erfüllt, was sich der 50jährige nur insgeheim erhofft hat: Im 12,7-km-Zeitfahren der Handbiker blieb der querschnittgelähmte Athlet um 5,83 Sekunden schneller als der Italiener Vittorio Podesta und gewann damit Gold.

In der seit 28 Jahren dauernden Karriere des Solothurners bedeutete dies den 13. Sieg beziehungsweise den 28. Medaillengewinn an Sommer-Paralympics; am Grossanlass in Peking war es gleichzeitig der erste Triumph für die Schweizer Delegation. Frei schreibt zusätzlich Geschichte, zumal er als erster Athlet neben Leichtathletik-Siegen und nun dem Bike-Triumph auch schon im Winter im Langlaufschlitten gewonnen hat.

Alles gewonnen, was möglich ist

Nach den Paralympics in Athen 2004 habe er sich zu überlegen begonnen, wie er den Übergang vom Rollstuhl- zum Breitensportler am besten schaffen würde, sagt Frei, der seit einem Sportunfall vor 30 Jahren (Sturz an einem Berglauf) Paraplegiker ist und sich in der Folge zum erfolgreichen Behindertensportler entwickelt hat und an Paralympics, Weltmeisterschaften, internationalen Meetings, Strassenrennen oder auch im Langlaufschlitten im Winter alles gewonnen hat, was man als Rollstuhlsportler gewinnen kann.

«In Athen 2004 war ich 46, und es war mir bewusst, dass meine Sportkarriere langsam zu Ende geht.» Rund ein Jahr später habe er jedoch das Handbike entdeckt, in dem man im Gegensatz zum Rennrollstuhl in einer bequemeren Position sitze und auch mal gemütlich durch die Natur oder mit nichtbehinderten Velofahrern ausfahren könne. «Schliesslich habe ich mich vor gut zwei Jahren überreden lassen, im Elsass an einem Rennen teilzunehmen», sagt Frei und fügt an, gleich auf Anhieb realisiert zu haben, dass er taktisch zwar noch einiges lernen musste, aber physisch gut mithalten konnte.

«Ich bin ein Wettkampftyp»

Diese Erkenntnis war zentral, die Dinge nahmen ihren Lauf. «Ich bin ein Wettkampftyp», sagt der gelernte Vermessungszeichner, der vor neun Jahren umgesattelt hat und seither in einer 50-Prozent-Anstellung im Paraplegikerzentrum in Nottwil für den Nachwuchs im Rollstuhlsport zuständig ist. Nach einigen Starts in internationalen Rennen konnte sich Frei im selben Jahr für die Handbike-WM qualifizieren. Er gewann auf Anhieb Bronze im Zeitfahren. 2007 steigerte er sich an der WM im Zeitfahren auf den Silber-Rang und wurde im Strassenrennen Vierter.

«Ich durfte hier nichts erwarten, sondern höchstens hoffen, dass ich die Tendenz mit einer Medaille bestätigen kann», sagt Frei, der morgen auch im Strassenrennen fahren wird, wo er als einziger Athlet sowohl im Rad (Handbike) und in der Leichtathletik eingeschrieben ist. Der Weltrekordhalter im Rollstuhl-Marathon, der an der Eröffnungsfeier die Schweizer Fahne trug, war auch über 800 m und 5000 m am Start und wird am Mittwoch die 42,195 km unter die Rollstuhlräder nehmen.

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