«Gökhan, warum spielst du nicht mehr?»

Die Zukunft von Gökhan Inler bei Napoli ist ungewiss. Der Captain der Schweizer Nationalmannschaft kam beim Dritten der Serie A seit über einem Monat zu keinem Einsatz mehr. Zuletzt wurde der 30-Jährige mit Hertha Berlin und Besiktas Istanbul in Verbindung gebracht.

Lukas Plaschy/Rom
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FUSSBALL. Entgegen seiner Gewohnheit verlässt Gökhan Inler nach dem mit 1:0 gewonnenen Auswärtsspiel Napolis gegen Lazio Rom als einer der Ersten die Umkleidekabine. Wortlos huscht der Schweizer an der neapolitanischen Journalistenschar vorbei. «Gökhan, warum spielst du nicht mehr?» wäre wohl die erste Frage der Reporter gewesen.

Am 22. Dezember anlässlich des gewonnenen Supercups gegen Juventus Turin kam der Schweizer letztmals zum Einsatz. In den vergangenen sechs Partien blieb er ohne Einsatzminute. So auch am Sonntag in Rom, trotz 20minütigem Aufwärmen in der zweiten Halbzeit. Coach Rafael Benitez gibt im zentralen Mittelfeld seines 4-2-3-1-Systems dem Uruguayer Walter Gargano und dem Spanier David Lopez den Vorzug. Mit Inler und dem Italo-Brasilianer Jorginho sassen die beiden Stammspieler der vergangenen Saison auf der Bank. Bereits im vergangenen Sommer hatten Blerim Dzemaili und Valon Behrami die Stadt am Vesuv verlassen. Auch sie wurden von Benitez nicht mehr berücksichtigt.

Dialog mit Benitez gesucht

Eine Stunde nach Spielende spricht Inler – zwischen Selfie- und Autogrammwünschen von Anhängern und Carabinieri – dann doch über seine Situation. In den Augen des 30jährigen Oltners sind Unzufriedenheit und Enttäuschung auszumachen. Inler berichtet, wie er sich im Training zusätzlich ins Zeug gelegt habe, sich nicht zu schade war, der Mannschaft in den vergangenen Wochen trotz einer leichten Verletzung zur Verfügung zu stehen. Unlängst hatte er das Gespräch mit Benitez gesucht. Über den genauen Inhalt möchte sich der Schweizer allerdings nicht äussern. Die Unterredung sei «positiv verlaufen». Zwischen Trainer und Spieler gebe es «keine Probleme». Der Spieler sei «ein Teil der Mannschaft». An der Pressekonferenz vor dem Lazio-Spiel hatte Benitez betont, dass Inler im Januar-Mercato nicht abgegeben werde. Was deutsche und türkische Medien nicht daran hinderten, den Mittelfeldspieler mit Hertha Berlin und Besiktas Istanbul in Verbindung zu bringen. Zu Wechselgerüchten will sich Inler nicht äussern. Das regle sein Berater. Trotzdem ehrt den Schweizer mit türkischen Wurzeln vor allem das (alljährliche) Interesse der Istanbuler Vereine. «Dies zeigt, dass ich seit Jahren meine Leistung bringe, sonst wäre ich für diese Clubs nicht immer wieder ein Thema.»

Telefonat mit Shaqiri

Zur beruflich unbefriedigenden Situation gesellten sich vergangene Woche zusätzlich private Sorgen. Sein älterer Bruder war in der Schweiz in die Schlagzeilen geraten. Inler fühlt sich vor allem vom Boulevard ungerecht behandelt. Da sei eine Sache unnötig aufgebauscht worden, um eine Familienangelegenheit mit seiner sportlichen Situation zu verbinden. «Mit mir persönlich hat man gar nicht geredet.» Kontakt gehabt hat Inler mit Xherdan Shaqiri. Ratschläge für das Leben in Italien habe er dem ehemaligen Münchner keine geben müssen. Doch als Captain der Nationalmannschaft sei es seine Pflicht gewesen, Shaqiri nach dessen Wechsel zu Inter kurz anzurufen. «Mailand ist eine gute Wahl und Trainer Roberto Mancini wird Xherdan weiterbringen», so Inler.

Der Fahrer hupt. Mit Benitez und Siegestorschütze Gonzalo Higuain steigen die letzten Mitglieder der Mannschaft in den Car ein. Inler muss gehen. Zum Abschluss huscht ihm dann doch noch ein Lächeln übers Gesicht. «La ruota gira» sagt er. Gemeint ist das Glücksrad, welches dem Schweizer vielleicht schon bald wieder mehr Fortune bringen wird. Im Fussball, sagt Inler, gehe es manchmal schnell.