Gnägi sehnt sich nach Ruhe

Abstieg, Aufstieg am grünen Tisch, Wettskandal, Finanzprobleme und schliesslich der Entscheid, freiwillig in die 1. Liga abzusteigen: Gossaus Präsident Roland Gnägi blickt auf turbulente Monate zurück – und äussert deshalb einen Wunsch.

Markus Scherrer
Drucken
Teilen
Gossaus Präsident Roland Gnägi hofft, dass die Zeiten, in denen er nur Krisenmanager war, der Vergangenheit angehören. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Gossaus Präsident Roland Gnägi hofft, dass die Zeiten, in denen er nur Krisenmanager war, der Vergangenheit angehören. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Fussball. Der FC Gossau tritt Ende Saison freiwillig den Gang in die oberste Amateurklasse an, weil er in der Challenge League keine Zukunft mehr sieht. Nach der Bekanntgabe dieses Entscheids habe er praktisch nur positive Reaktionen erhalten, sagt Gnägi. Von der Swiss Football League aus Bern bekam der Präsident zu hören, dass Gossau einer der ersten Vereine sei, der darauf verzichte, eine Lizenz mit Ach und Krach zu erzwingen. Im Umfeld des Clubs war die Rede von einem «mutigen Entscheid».

Nur die Spieler des FC Gossau waren enttäuscht, als sie die Kunde vom freiwilligen Abstieg vernahmen. Denn die Mannschaft war davon überzeugt, den Ligaerhalt noch zu schaffen. «Dass es schon allein aus wirtschaftlichen Gründen keinen Sinn mehr machte, dafür brachte die Mehrheit der Spieler aber Verständnis auf», sagt der Präsident.

«Durchgeschüttelt»

Gnägi und seine Vorstandskollegen wollten ganz einfach einen Schlussstrich ziehen. Gerade der Präsident blickt auf turbulente Monate zurück. Oder wie er selber sagt: «Kein Präsident eines Challenge-League-Clubs wurde so durchgeschüttelt wie ich.» Am Ende der vergangenen Saison waren die Gossauer abgestiegen, ehe sie 24 Stunden später am grünen Tisch wieder aufstiegen. Danach wurde bekannt, dass die Fürstenländer in den europäischen Wettskandal verwickelt sind.

Gnägi war damit beschäftigt, bei der Bundesanwaltschaft Akten zu studieren und Spieler zu suspendieren. Schliesslich folgten auch noch Finanzprobleme.

Mit der Rückkehr in die 1. Liga hofft Gnägi, dass nun wieder Ruhe einkehrt. Er hofft, dass sein Amt in Zukunft nicht mehr nur von Krisensitzungen bestimmt wird. Und er äussert einen Wunsch.

«Ich möchte wieder ein Präsident sein, der sich Wochenende für Wochenende darauf freuen kann, einfach einem Fussballspiel beizuwohnen», sagt Gnägi.

Eggmann und Berger

Darauf muss er vorerst allerdings noch warten. Denn es gilt einerseits, die Mannschaft für die 1. Liga zusammenzustellen, und anderseits, einen neuen Trainer zu finden. Vom aktuellen Team besitzen nur zwei Spieler auch einen Vertrag, der für die oberste Amateurklasse Gültigkeit hat. Es sind die Kontrakte von Silvan Eggmann und Jan Berger.

«Ab der nächsten Woche werde ich mit jedem Spieler ein persönliches Gespräch führen», sagt Gnägi. Parallel dazu wird er das Trainer-Auswahlverfahren einleiten. Bis jetzt steht das Anforderungsprofil noch nicht. Das sei eine Oster-Arbeit. «Kaum war die Trennung von Alex Kern bekannt, haben sich bei mir aber schon zehn Trainer beworben», sagt Gnägi.

Am Sonntag geht vorerst die noch neun Spiele umfassende Abschiedstournée des FC Gossau in der Challenge League weiter. Um 15 Uhr empfängt er im Derby den FC Wil. Und gemäss Gnägi gilt für diese Partie dasselbe wie für die noch folgenden acht Begegnungen: «Das Team kann nun ohne Druck zeigen, dass es nicht so schlecht ist, wie viele glauben.»

Aktuelle Nachrichten