Glosse
Matchpläne und das Leben: Oder was im Fussball halt so zählt

0:4 gegen die Grasshoppers. Im Nachgang der Partie kam das Gespräch auf den Matchplan der Ostschweizer; er war am Wochenende auch bei anderen Mannschaften ein Thema. Er ist es eigentlich immer.

Christian Brägger
Christian Brägger
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Wie wollen wir spielen? St.Gallens Trainer hätte es gewusst, und seine Spieler?

Wie wollen wir spielen? St.Gallens Trainer hätte es gewusst, und seine Spieler?

Bild: Andy Mueller/Freshfocus

«Zu zehnt, da war kein Matchplan mehr vorhanden. Logischerweise nicht.» Diese Worte sprach am Sonntagabend ein interner Journalist des FC St. Gallen an die Adresse von Peter Zeidler, und der Trainer, leicht angesäuert, antwortete: «Kommen Sie am Montag in der Früh zu mir, dann schauen wir gemeinsam nochmals das Spiel an und reden über den Matchplan!»

Nach einem 0:4, in Unterzahl gewiss, egal gegen welchen Gegner – es sind die kleinen Fragen, die im Grossen zählen. Zumal: Ab wann beginnt im Prinzip der Matchplan, mit elf Spielern, das schon, womöglich mit allen, die auf dem Matchblatt stehen. Aber bereits in der Sommervorbereitung, oder dann in der Woche vor dem Spiel, vielleicht in der Kabine mit der Besammlung? Allenfalls erst unmittelbar nach dem Anpfiff beim ersten Stürmen und Drängen?

0:6! Und das nach 37 Minuten. Wie wollte am Sonntag Gladbach zu Hause gegen Freiburg eigentlich in die Partie starten? Adi Hütter, der Trainer der Gladbacher, sagte: «Es ist unerklärlich.» Sein Matchplan hatte anderes vorgesehen, keine Gegentore, dafür Resilienz und eigene Treffer.

Am Samstag war Hartberg in der österreichischen Bundesliga beim übermächtigen Salzburg lange führend, ehe in der Schlussphase der Champions-League-Klub das Spiel drehte. Der Matchplan des Aussenseiters ging perfekt auf, «für uns hat das Spiel heute einfach zehn Minuten zu lange gedauert», sagte Goalie Rene Swete.

Wie sagte FCSG-Legende Jörg Stiel in einem Interview mit dieser Zeitung: «Fussball ist auch das Leben.» Aber Fussball ist auch ein Matchplan, für elf oder mehr und manchmal zehn Spieler – und er sollte halt auch 90 Minuten «verheben».

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