Glosse
Frisurenzoff im deutschen Fussball: Nicht nur Demirovics Seitenscheitel wird zum Politikum

Ein offener Brief des deutschen Friseurverbands an den DFB-Präsidenten erregt in unserem nördlichen Nachbarland aktuell Aufsehen. Die deutschen Coiffeure und Coiffeusen äussern ihren Unmut über die Frisuren der Fussballer - aus anderen Gründen, als man zuerst vermuten könnte.

Nico Conzett
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Ermedin Demirovic (oben) im Trikot des FC St.Gallen: Als der Bosnier seine Tore für die St.Galler erzielte, lieferte seine Frisur noch keinen Diskussionsstoff.

Ermedin Demirovic (oben) im Trikot des FC St.Gallen: Als der Bosnier seine Tore für die St.Galler erzielte, lieferte seine Frisur noch keinen Diskussionsstoff.

Eddy Risch / KEYSTONE

In der Coronapandemie geschehen Dinge, die waren vorher undenkbar. Auch folgende Schlagzeile wäre vor der Bekanntschaft der Menschen mit dem vermaledeiten Virus wohl nur am 1. April publizierbar gewesen: «Deutscher Friseurverband kritisiert Frisuren der Bundesligaprofis». Ausgerechnet die für gewöhnlich topgestylten Fussballprofis werden von der Coiffeurzunft für ihre Haarpracht angeprangert?

Nico Conzett

Nico Conzett

Praktikant Sportredaktion

Genau das ist Grund für die Kritik: Die Bundesligaprofis sind (zu) perfekt gestylt. So beispielsweise der frühere St.Galler in Diensten des SC Freiburg, Ermedin Demirovic, der seinen Führungstreffer beim 5:0-Kantersieg gegen den FC Köln mit präzisem Seitenscheitel und auf den Millimeter genau getrimmtem Schläfenhaar vor den Kameras zelebrierte. In einem Land, in welchem rund 80'000 Friseursalons seit einem Monat behördlich geschlossen sind, stossen derart kunstvolle Frisuren einigen ziemlich sauer auf.

Der deutsche Friseurverband richtete deshalb einen offenen Brief an Fritz Keller, Präsident des Deutschen Fussballbunds, und bemängelte die fehlende Solidarität des ohnehin schon privilegierten Profifussballs. Es sei offensichtlich, dass die Fussballer von Fachleuten gestylt werden, obwohl das aktuell verboten ist.

Deshalb fordern die Coiffeure nun genau diese Solidarität ein. Die Fussballer sollen nach aussen «eine gewisse Friseur-Abstinenz demonstrieren». Sollten sich die Bundesligaprofis die Aufforderung zu Herzen nehmen, wird es spannend, da ihnen nicht viele Möglichkeiten bleiben: Wer entscheidet sich für den Puyol-Wuschelkopf? Und wer für die Zidane-Glatze?