Giulia Steingruber ist zurück: Die Gossauerin gewinnt an den Schweizer Meisterschaften den Mehrkampf-Titel

Giulia Steingruber ist zurück. 14 Monate nach ihrem erlittenen Kreuzbandriss im linken Knie feierte die 25-jährige St. Gallerin ein starkes Comeback und gewann an den Schweizer Meisterschaften in Romont ihren achten Mehrkampf-Titel.

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Giulia Steingruber steht bei der Siegerehrung auf dem Podium, bei den Schweizer Meisterschaften im Kunstturnen, am Samstag, 7. September 2019 in Romont. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Giulia Steingruber steht bei der Siegerehrung auf dem Podium, bei den Schweizer Meisterschaften im Kunstturnen, am Samstag, 7. September 2019 in Romont. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)

(sda) Kurz vor Ende des Wettkampfs, als die Zuschauer in der vollen Turnhalle in Romont schon das perfekte Comeback der erfolgreichsten Schweizer Turnerin der Geschichte bejubeln wollten, unterlief Giulia Steingruber doch noch ein Malheur. Beim Abgang am Stufenbarren, dem letzten der vier Geräte, stürzte die Ostschweizerin. Steingruber nahm es mit Humor: «Jetzt weiss ich wenigstens, was ich noch zu tun habe.»

Ein mumliges Gefühl bleibt

Der Sturz war nur ein kleiner Wermutstropfen an einem fast perfekten Abend. Steingruber zeigte nach 14-monatiger Absenz einen starken Wettkampf und turnte phasenweise so, als wäre sie nie weg gewesen. Zum Auftakt am Schwebebalken kam sie ohne Unsicherheiten durch, auch wenn sie aufgrund der Nervosität die Elemente auf dem zehn Zentimeter breiten Gerät schneller als geplant aneinanderreihte. «Ich war mega nervös - schon die ganze Woche», sagte Steingruber. Je älter sie werde, desto nervöser sei sie. «Ich hoffe, dass ich mit mehr Wettkämpfen wieder lockerer werde.»

Das Pièce de Résistance war die Übung am Boden, an dem Steingruber ihre neue Choreografie präsentierte. Und erstmals zeigte sie auch wieder den gestreckten Doppelsalto rückwärts, bei dem sie am 7. Juli 2018 in Saint-Etienne folgenschwer gestürzt und sich die Verletzung am linken Knie zugezogen hatte. «Das war eine Herausforderung für mich», sagte Steingruber. «Aber ich habe auf meine Erfahrung vertraut.» Auch wenn sie weiss, dass das Knie hält, hat sie bei den Landungen am Boden gelegentlich noch immer ein mulmiges Gefühl.

Tokio ist das Ziel

Ihre Erfahrung half Steingruber auch beim Sprung, wo sie den Tschussowitina solid, aber noch nicht perfekt zeigte. Am Ende siegte sie mit 53,166 Punkten und mehr als drei Zählern Vorsprung vor Stefanie Siegenthaler und Nina Ferrazzini und sicherte sich ihren achten Meistertitel im Mehrkampf. Titelverteidigerin Ilaria Käslin stürzte am Boden und gab nach zwei von vier Geräten wegen Unwohlsein auf.

Steingruber sprach nach dem geglückzten Comeback von einem «coolen» Gefühl. «Es hat sich gut angefühlt, auch wenn ich noch nicht auf dem Niveau bin, auf dem ich gerne sein würde.» In knapp vier Wochen beginnen die Weltmeisterschaften in Stuttgart, dann geht es für sie um ein Ticket für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio, seit drei Jahren das ganz grosse Fernziel der Ostschweizerin.

Auch Felix Stingelin, Chef Spitzensport des STV, zeigte sich von der Leistung des STV-Aushängeschilds angetan: «Sie hat ein gutes Bild abgegeben, mehr konnte man von ihr nicht erwarten.» Noch habe etwas die Abgeklärtheit gefehlt, diese werde aber sicherlich zurückkehren. Am nächsten Wochenende unterziehen sich Steingruber und ihre Kolleginnen beim Länderkampf gegen die Niederlande einem letzten Formtest, bevor es in Stuttgart ernst gilt.