Gitarrenkunst und Liebesgeschichten

Am Freitagabend glich der Herrenacker in Schaffhausen einer Tanzfläche. Nachdem Keziah Jones am «festival» mit seinem Funk die Menge mehr als nur aufwärmte, brachte sie die R'n‘B-Künstlerin Melanie Fiona schliesslich zum Schwitzen.

Stephanie Martina
Merken
Drucken
Teilen
Blufunk am «festival» Schaffhausen: Keziah Jones (l.) mit seinem Bassisten Phil «Soul» Sewell Freitagabend auf dem Herrenacker. (Bild: Gary von der Ahé)

Blufunk am «festival» Schaffhausen: Keziah Jones (l.) mit seinem Bassisten Phil «Soul» Sewell Freitagabend auf dem Herrenacker. (Bild: Gary von der Ahé)

SCHAFFHAUSEN. Wenn es um die Kunst des Gitarrenspiels geht, macht ihm so leicht keiner etwas vor. Keziah Jones ist ein wahrer Meister im Umgang mit dem Saiteninstrument. Dies führte der nigerianische Sänger dem Publikum auf dem Herrenacker auch sogleich vor. Er garnierte Funk, Jazz, Blues und Pop zu einer ganz eigenen, mal mehr besinnlichen, mal äusserst fiebrigen Variante und spielte seine Gitarre auch, wenn sie auf seinem Rücken lag.

Doch allein die Tatsache, dass dieser treibende Sound, für den andere Künstler eine mehrköpfige Band benötigen, nur durch Jones' Gitarre, einen Bass und ein Schlagzeug zustande kam, war erstaunlich.

Während der Schweizer Nachwuchsstar Bastian Baker, der den Abend eröffnete, das Publikum gekonnt und charmant mit ein bisschen Smalltalk um den Finger wickelte, setzte Keziah ganz auf seine Musik. Mehr brauchte er auch gar nicht zu tun. Sein Auftritt war musikalisch grossartig. Pulsierend und mitreissend, elektrisierend und schnell, so dass sogar überzeugte Nichttänzer plötzlich begannen, das Gewicht ganz dezent von einem aufs andere Bein zu verlagern.

Publikum will weitertanzen

Für die R'n'B-Sängerin Melanie Fiona war es schliesslich ein Leichtes, das Publikum für sich zu gewinnen. Nachdem Keziah den Herrenacker bereits in eine Tanzfläche verwandelt hatte, wollte das Publikum nur eines: weitertanzen. Und Melanie Fiona schien es ebenso zu gehen.

Über zwei Stunden lang zeigte sie eine Performance, die vor Energie strotzte. Bis nach Mitternacht gab sie dem Publikum zu hören, was es hören wollte. Neue Songs wie «Gone and Never Coming Back» oder «Running», bei dem sie sogar noch ihre Rap-Qualitäten zum besten gab. Neben diesen Songs von ihrem aktuellen Album «The FM Life», das dieses Jahr auf den Markt kam, durften auch die grossen Hits von ihrem Erstling «The Bridge» nicht fehlen. Normalerweise nähme man es jemandem übel, wenn er es wagte, am Freitagabend bereits vom kommenden Montagmorgen zu sprechen. Als aber Melanie Fiona ihren Nummer-1-Hit «Monday Morning» anstimmte, erntete sie Jubel und Applaus. Dasselbe galt auch für den Song «Give it to Me Right».

Energiegeladen und gesprächig

Melanie Fiona war kaum noch zu bremsen. Stimmgewaltig performte sie einen Song nach dem anderen, mischte Pop mit R'n'B, Hip-Hop und Reggae zu modernem Soul und tanzte im Fransen-Oberteil und knallbunten, engen Hosen über die Bühne. «Ich hätte nie gedacht, dass die so abgeht», sagte ein Besucher überrascht.

Melanie Fiona gab sich nicht nur energiegeladen und gutgelaunt, sondern darüber hinaus auch sehr gesprächig. Sie philosophierte über die guten und schlechten Seiten des Verliebtseins, über Kommunikationsprobleme in einer Partnerschaft und über das komplizierte Wesen der Männer. Und immer wieder begann sie mitten aus dem Erzählen heraus zu singen.