Giro d'Italia als Kompensation

Morgen beginnt mit dem Giro d'Italia die erste der drei grossen Rundfahrten in diesem Jahr. Der Thurgauer Stefan Küng steht vor drei anstrengenden Wochen. Der Giro ist auch dieses Jahr topographisch sehr anspruchsvoll.

Daniel Good
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Stefan Küng Thurgauer Radprofi vor dem ersten Start am Giro d'Italia. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Küng Thurgauer Radprofi vor dem ersten Start am Giro d'Italia. (Bild: Benjamin Manser)

RAD. Noch schneller als erwartet ist Stefan Küng in der Welt des Elite-Radsports angekommen. Der 21jährige Thurgauer hat zwar erst 15 Renntage in den Beinen, aber schon zwei Siege verbucht. Der Höhepunkt in Küngs bis dato kurzer Karriere auf der höchsten Ebene im Strassenrennsport war der Soloerfolg in der vierten Etappe der Tour de Romandie am vergangenen Freitag in Freiburg. Küng ist der wohl talentierteste Radprofi.

Weil er im Februar nach dem Gewinn des WM-Titels in der Einzelverfolgung auf der Bahn krank wurde, konnte Küng sein Rennprogramm nicht wie vorgesehen durchziehen. Viel später als zunächst geplant, kehrte der Ostschweizer auf die Strasse zurück. Mit dem zweiten Platz in einem Einzelzeitfahren in Belgien hinter dem britischen Weltmeister und Olympiasieger Bradley Wiggins deutete er aber umgehend an, dass er trotz bronchialen Beschwerden nichts von seinem Leistungsvermögen eingebüsst hat. Aber Küng fehlt Wettkampfpraxis. Deshalb entschied er sich im April vor Paris–Roubaix, entgegen der Saisonplanung, den morgen beginnenden Giro d'Italia zu bestreiten.

Das Leuchten in den Augen

«Ich erinnere mich, als wir mit ihm über die Teilnahme am Giro gesprochen haben», sagt Küngs Sportdirektor Fabio Baldato. «Seine Augen wurden immer grösser, und er war sehr aufgeregt. Das wird eine sehr gute Erfahrung für ihn. Ich bin sicher, dass er und die weiteren jungen Fahrer unseres Teams ihren Beitrag leisten. Eine dreiwöchige Rundfahrt zu bestreiten, hebt einen in der Entwicklung auf die nächste Stufe zu einem starken und erfahrenen Fahrer. Der Körper und die Einstellung ändern sich während einer dreiwöchigen Rundfahrt mehr als bei einem anderen Etappenrennen oder einem Klassiker», so der Italiener Baldato, einst ein erfolgreicher Strassenprofi.

Der Auftakt zum Giro 2015 erfolgt mit einem Mannschaftszeitfahren über knapp 18 Kilometer von San Lorenzo nach Sanremo. Küngs Mannschaft hat Ambitionen. Sie ist Weltmeister in dieser Sparte. Mit Küng als Verstärkung darf sich die Equipe einiges ausrechnen. Womöglich schlüpft der Schweizer morgen sogar ins Leadertrikot.

Abstecher ins Tessin

«Ich freue mich sehr auf den Giro», sagt der in Wilen bei Wil wohnende Küng. Mit spezifischen Trainings hat er auch an seinen Qualitäten in den Steigungen gearbeitet. «Ich will den Giro beenden. Aufgeben kommt nicht in Frage.» Bevor es in der dritten Woche ins Gebirge geht, steht für Küng nochmals ein Höhepunkt auf dem Programm. In der 14. Etappe startet er zum knapp 60 Kilometer langen Einzelzeitfahren von Treviso nach Valdobbiadene. Neben Küng starten mit dem Aargauer Silvan Dillier und dem Walliser Sébastien Reichenbach zwei weitere Schweizer zur Italien-Rundfahrt.

Der 98. Giro d'Italia führt über 3486 Kilometer und endet am 31. Mai in Mailand, wo am 1. Mai die Weltausstellung eröffnet worden ist. Das Ziel der 17. Etappe befindet sich in Lugano, der Start zum 18. Teilstück erfolgt in Melide. Die Entscheidung im Kampf um den Gesamtsieg dürfte am vorletzten Tag im Rahmen der Bergankunft in Sestriere fallen. Den Skiort erreicht das Peloton wie 2005 und 2011 über den geschotterten Anstieg zum Colle delle Finestre, dem mit 2178 Metern höchsten Punkt der Italien-Rundfahrt 2015.

Contadors Ambitionen

Favorit ist Alberto Contador. Schärfste Rivalen des Spaniers dürften der Australier Richie Porte, der Kolumbianer Rigoberto Uran und der Italiener Fabio Aru sein. Der letztjährige Sieger Nairo Quintana aus Kolumbien verzichtet auf die Teilnahme.

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