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GIPFELTREFFEN: Mit Wollust nach Madrid

In der WM-Qualifikation braucht Italien morgen auswärts gegen Spanien unbedingt einen Sieg. Nationaltrainer Gian Piero Ventura setzt auf Angriffsfussball. Bisher mit Erfolg.
Lukas Plaschy, Rom
Italiens Nationaltrainer Gian Piero Ventura beobachtet die Spieler im Training. (Bild: Maurizio Degl Innocenti/EPA)

Italiens Nationaltrainer Gian Piero Ventura beobachtet die Spieler im Training. (Bild: Maurizio Degl Innocenti/EPA)

Lukas Plaschy, Rom

Für beide Teams ist es die entscheidende Begegnung auf dem Weg zur WM vom kommenden Jahr in Russland. Sowohl Spanien als auch Italien zieren nach sechs Partien mit 16 Punkten die Tabellenspitze der Gruppe G. Die Iberen haben aber das bessere Torverhältnis und mit Liechtenstein, Albanien und Israel das vermeintlich leichtere Restprogramm. Italien ist morgen im restlos ausverkauften Madrider Santiago Bernabeu damit zum Siegen verdammt, ansonsten droht im November die Barrage und damit eventuell sogar erstmals seit 1958 die Nichtteilnahme an einer WM-Endrunde.

Obwohl die Länderspiel- bilanz mit 13 zu 12 Siegen bei 14 Unentschieden insgesamt für die Italiener spricht, sieht es in einer anderen Statistik nicht gut für den vierfachen Weltmeister Italien aus. Spanien ist neben Brasilien und Italien das einzige Land, welches noch nie ein Heimspiel in einer WM-Qualifikation verloren hat. Und der bisher einzige Sieg der Azzurri auf der iberischen Halbinsel datiert aus dem Jahre 1949.

Trainer und Pädagoge

Italiens «Commissario tecnico» Gian Piero Ventura blickt der Begegnung in Madrid trotzdem mit Zuversicht entgegen: «Dass nur der Sieg zählt, beunruhigt mich nicht. Es ist vielmehr stimulierend.» Dem Nachfolger von Antonio Conte ist der Rollenwechsel vom Club- zum Nationaltrainer auf Anhieb geglückt. In zehn Begegnungen unter ihm gab es bisher sieben Siege und nur eine Niederlage im Testspiel gegen Frankreich. Als Fussballer nur mittelmässig begabt, verdiente der 1948 in Genua geborene Ventura sein Geld lange in der italienischen Fussballprovinz und arbeitete nebenbei als Sportlehrer an einer Oberstufenschule.

1997 führte er den US Lecce in die Serie A, ein Jahr danach Cagliari. So richtig in den Fokus der breiten Öffentlichkeit geriet Ventura aber erst 2009, als er das kleine Bari mit spektakulärem Offensivfussball und dem blutjungen Leonardo Bonucci als Abwehrchef sensationell auf den zehnten Platz der Serie A führte. Die Anhänger der Apulier nannten Ventura «Mister Libidine», «Mister Wollust». Dies, weil Ventura an einer Pressekonferenz erläutert hatte, seine Motivation als Trainer schöpfe er aus der «Geilheit» auf Fussball. Seine Offensivtaktik mit vier Stürmern versetzte ab 2011 auch die Anhänger des Traditionsclubs Torino in Ekstase. In der Saison 2013/14 qualifizierten sich die «Granata» erstmals seit 20 Jahren wieder für einen europäischen Wettbewerb – auch dank der 22 Treffer von Stürmer Ciro Immobile, in jener Saison Serie-A-Torschützenkönig und anschliessend von Dortmund unter Vertrag genommen. Die Turiner erreichten unter Ventura in der nachfolgenden Spielzeit sogar die Achtelfinals der Europa League.

Mehr Diplomatie als Conte

Damit liess sich auch Italiens Fussballverbandspräsident Carlo Tavecchio überzeugen. Noch vor der EM 2016 in Frankreich ernannte er den Genuesen zum Nachfolger Contes, dessen Rücktritt vom Amt als Nationaltrainer zu jener Zeit schon gewiss war. Venturas Vertrag wurde nun kurz vor dem kapitalen Spiel gegen Spanien vorzeitig bis 2020 verlängert. Ein beispielsloser Vertrauensbeweis von Seiten des italienischen Fussballverbandes.

Die Squadra Azzura und ihr Trainer, das passt auch menschlich. Mit seinen 69 Jahren sieht Ventura, anders als ein Grossteil seiner Vorgänger, die Nationalmannschaft nicht als Sprungbrett, sondern als logischer Höhepunkt seiner über 40-jährigen Trainerlaufbahn. Mit mehr diplomatischem Geschick als der ungeduldige Conte ausgestattet, gelang es ihm, die Clubs zu mehr Zusammenarbeit zu bewegen.

So kann Ventura nun auch ausserhalb der offiziellen Länderspieltermine mehrere Trainingslager zu Sichtungszwecken durchführen. Inspiriert vom deutschen Modell wurde zudem Italiens U21-Coach Luigi di Biagio angehalten, mit demselben Spielsystem zu agieren wie die A-Nationalmannschaft.

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