Giovanni Segantini und Luigia Bugatti

«Er malte sie, als sie fast noch ein Kind war, er liebte sie, solange er lebte…» Asta Scheib (1939) beschreibt in ihrem historischen Roman «Das Schönste, was ich sah» detailgetreu das Leben und die Liebe zweier Menschen, die von der Herkunft her nicht unterschiedlicher sein könnten.

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«Er malte sie, als sie fast noch ein Kind war, er liebte sie, solange er lebte…» Asta Scheib (1939) beschreibt in ihrem historischen Roman «Das Schönste, was ich sah» detailgetreu das Leben und die Liebe zweier Menschen, die von der Herkunft her nicht unterschiedlicher sein könnten.

Giovanni Segantinis Leben beginnt eher trostlos: 1858 in Mailand in ärmlichen Verhältnissen geboren, die Mutter stirbt früh, der Vater ist Alkoholiker. So wächst er die ersten Jahre bei seiner älteren Halbschwester auf, haut ab und kommt als Neunjähriger in eine Besserungsanstalt, die er als Hölle beschreibt. Dank seiner malerischen Fähigkeiten wird er als Zwanzigjähriger an die Mailänder Akademie aufgenommen.

Verweigert Wehrdienst

Ein Mädchen aus Mailands bester Gesellschaft verliebt sich in den mittellosen Analphabeten. Als sie den gemeinsamen Lebensweg beginnen, ahnen sie noch nicht, dass Giovanni Segantini einer der berühmtesten Maler seiner Zeit werden wird. Segantini verweigert den Wehrdienst und verliert so seine Staatsbürgerschaft; als Staatenloser kann er seine Bice, wie er Luigia nennt, nicht heiraten. Aus ihrer Partnerschaft gehen vier Kinder hervor. Die vielen Wohnungswechsel, die anfängliche Geldnot, machen das Leben nicht einfacher, doch Bice liebt ihren Giovanni über alles.

Kein Giovanni ohne Bice

Mich fasziniert die Haltung dieser Frau, sie steht ihm durch dick und dünn bei, akzeptiert seine Schwächen, und damit bereitet sie ihm den Boden für seine erfolgreiche Kunst, die ohne ihre Unterstützung nicht denkbar gewesen wäre. Giovanni Segantini stirbt 1899 in Pontresina.

Der Roman begleitet die Familie auf wunderbare Weise auf ihrem unruhigen und sorgenvollen, aber immer auch wieder überglücklichen Weg. Dann zeigt Asta Scheib auch den kunstgeschichtlichen Aspekt dieser Künstlerpersönlichkeit, die Gesellschaft in der Stadt Mailand Mitte des 19. Jahrhunderts, die die Menschen kompromisslos in zwei Kategorien teilt.

Detailreiche Beschreibungen

Die wunderschönen Beschreibungen der Schweizer Landschaft, vor allem in Savognin, faszinieren in der Detailgenauigkeit. Das Buch geht unter die Haut, berührt und beeindruckt mit dieser Liebesgeschichte und mit einer grossen Künstlerpersönlichkeit. Ein rundum herrliches Buch, das man durchaus zweimal lesen kann.

Brigitte Schönenberger

Asta Scheib: Das Schönste, was ich sah, Hofmann und Campe, Hamburg 2009, 415 Seiten. Brigitte Schönenberger, 1948, pensioniert, leitet seit Jahren die Galerie Schönenberger in Kirchberg SG und wohnt in Amlikon.