Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Geständnis auf dünnem Eis

Nach Maria Scharapowas Dopinggeständnis fragt sich die Tenniswelt: Ist es wirklich möglich, dass sich ein Weltstar nicht über verbotene Substanzen informiert? Schwerlich, findet Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz.
Ralf Streule
Maria Scharapowa zeigt Reue nach ihrem Dopingvergehen. (Bild: epa/Mike Nelson)

Maria Scharapowa zeigt Reue nach ihrem Dopingvergehen. (Bild: epa/Mike Nelson)

TENNIS. Was Maria Scharapowa am Montag an einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz bekanntgab, lässt die Sportwelt ratlos zurück. Die fünffache Grand-Slam-Siegerin ist an den Australian Open auf Meldonium positiv getestet worden. Auf ein Medikament, das sich vorteilhaft auf die Durchblutung und die Ausdauer auswirkt und seit Anfang Jahr auf der Dopingliste steht. Was mehr erstaunte als das Vergehen selbst, war die lapidare Erklärung der 28-Jährigen. Sie nehme das Medikament seit zehn Jahren ein und habe Ende 2015 schlicht das E-Mail nicht gelesen, in dem die aktualisierte Dopingliste einzusehen war. Eine simple Ausrede? Oder wirklich wahr?

Vier Jahre Sperre möglich

Für Matthias Kamber, Direktor von Antidoping Schweiz, ist das von Scharapowa gezeichnete Bild «schwer zu glauben». Es sei zwar so, dass die Welt-Antidopingagentur (Wada) die aktualisierten Dopinglisten nicht an die Sportler direkt, sondern die Verbände sende. Und dass sich Athleten über die geänderten Regeln oft nicht selber schlau machten. «In einem professionellen Umfeld ist es aber kaum möglich, dass eine Änderung unbemerkt bleibt.»

Sicher ist: Nichtwissen schützt vor Strafe nicht. Und: «Sportler sind in der Pflicht, sich zu informieren», so Kamber. Er rechnet damit, dass Scharapowa für vier Jahre gesperrt wird – so, wie es der Antidoping-Code seit 2014 vorsieht. Sollte die Russin den Nachweis erbringen können, dass sie das Medikament aus gesundheitlichen Gründen eingenommen hat, sei eine Strafmilderung möglich, sagt Kamber. «Das ist aber eher unwahrscheinlich.» Auch wenn Scharapowa festhielt, das Medikament «gegen Grippe und andere Krankheiten» einzunehmen.

Scharapowa ist nicht die einzige, aber die prominenteste osteuropäische Sportlerin, die seit Anfang Jahr positiv auf Meldonium getestet wurde. Ursprünglich wurde das Medikament in Lettland hergestellt – als Mastzuchtmittel. Gemäss Kamber zeigten Studien in den 1990er-Jahren, dass das Medikament den Stoffwechsel reguliert, was zu einer verbesserten Ausdauerleistung führt. Seither ist es in Russland und anderen osteuropäischen Ländern als Herz-Therapeutikum zugelassen. In denselben Ländern ist es bei vielen Sportlern verbreitet, was die Wada dazu bewog, es auf die Dopingliste zu setzen.

«Ich habe einen Fehler gemacht»

Mit ihrer Achtlosigkeit könnte Scharapowa, die ihre grosse Karriere mit dem Wimbledon-Sieg 2004 als 17-Jährige lancierte, vor dem sportlichen Ende stehen. Auch sollte es nicht so sein: Sie, die aufgrund ihrer hochdotierten Werbeverträge als bestentlöhnte Sportlerin weltweit galt, hat einen grossen Imageschaden erlitten. Gestern wurde bekannt, dass Sponsoren wie Nike und Porsche ihre Verträge auf Eis legen. Dies konnte die Russin auch mit ihrem reuevollen Auftritt nicht abwenden: «Ich habe einen Fehler gemacht.» Vermutlich kommt die Einsicht zu spät.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.