Geschäfte in der VIP-Loge: Geld, Macht, Amigos

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Real Madrid Florentino Pérez scheint ein goldenes Händchen zu haben: Erst machte der Ingenieur aus einer bankrotten Baufirma unter der Marke ACS einen der grössten Baukonzerne der Welt. Dann übernahm er die Macht beim Fussballclub Real Madrid und begann aus dem spanischen Rekordmeister einen Weltfussballkonzern zu modellieren.

Der eher unscheinbar wirkende Pérez, der schon einmal von 2000 bis 2006 Clubchef war und dann 2009 wieder die Vereinsspitze eroberte, hat Real Madrid ganz nach dem Muster seines Bauimperiums aufgezogen: maximale Kommerzialisierung, gepaart mit spektakulären Zukäufen, durch welche sich die Marketingeinnahmen vervielfachen lassen. Mit diesem schlichten, aber knallharten Rezept wurde aus Real Madrid eine Geldmaschine. Das Sportunternehmen wird inzwischen vom US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» mit knapp 700 Millionen Dollar Einnahmen als florierendster Fussballclub der Welt eingeordnet.

Der 70-jährige Pérez gilt als Meister bei der Verquickung von Fussball und wirtschaftlichen Interessen: In der VIP-Loge in der Real-Arena trifft sich alles, was in Spanien Rang und Namen hat. «Dort werden die Fäden Spaniens gezogen», lästerte Gerard Piqué, Spieler vom ewigen Liga-Konkurrenten FC Barcelona. Eine Behauptung, die der Real-Präsident nicht gerne hört: «Hier wird nur über Fussball gesprochen, nicht über Geschäfte.» Insider sehen das anders. Die Ehrenloge im Bernabeu-Stadion sei eine «Welt der Kontakte und der Einflussnahmen», glaubt Alfredo Relaño, Chefredaktor von «As», der zweitgrössten Sportzeitung des Landes. Regierungschefs, Minister, Abgeordnete und Bürgermeister werden regelmässig eingeladen. So schafft man sich ein Netz von Amigos, die für gute Geschäfte hilfreich sein könnten. Tatsache ist jedenfalls, dass in fast allen grossen Schmiergeldskandalen des spanischen Königreichs in den Ermittlungsakten auch Pérez’ Bau- und Mischkonzern ACS auftaucht. «Die Ehrenlogen unserer Stadien sind ein Hort der Korruption», schlussfolgert Pablo Iglesias, Chef der spanischen Protestpartei Podemos.

Pérez weist diese Vorwürfe zurück und zieht es vor, über angenehmere Dinge zu reden. Zum Beispiel über den spektakulären Umbau des Bernabeu-Stadions, der nach dem Sommer anlaufen und 400 Millionen Euro kosten soll. Nach der Sanierung, verspricht der Clubvorsitzende, werde «die beste Mannschaft auf dem Globus» dann «das beste Stadion der Welt» besitzen.

Ralph Schulze, Madrid