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Gents Schweizer Robin Hood

Danijel Milicevic hat mit Gent die Achtelfinals der Champions League erreicht. Gegen Wolfsburg setzte es im Hinspiel eine 2:3-Niederlage ab. Im Rückspiel könnte der 30jährige Tessiner das Märchen seines belgischen Clubs weiterführen.
Alexandra Pavlovic

FUSSBALL. Wenn heute im Champions-League-Rückspiel Wolfsburg daheim auf Gent trifft, sind die Namen der Schweizer Ricardo Rodriguez und Diego Benaglio geläufig. Bei Danijel Milicevic klingelt es kaum. Doch spätestens seit der 30-Jährige mit der belgischen Mannschaft Grössen wie Valencia oder Lyon in der Gruppenphase hinter sich gelassen hat, dürfte auch sein Name nicht vergessen gehen.

Das Tor im richtigen Moment

«Unbeschreiblich», nennt Milicevic das Gefühl, mit Gent derzeit in der Königsklasse mitmischen zu können. Über Nacht geriet der Club in den Fokus der Öffentlichkeit. «Plötzlich waren wir nicht mehr die <kleinen> Belgier, sondern ernstzunehmende Gegner.» Das Erfolgsrezept seiner Mannschaft sei vor allem der Teamgeist. «Wir haben keine Diven, jeder rackert für jeden», sagt er. Mit dem Erfolg in der Champions League stieg auch Milicevics persönlicher. Der Marktwert des offensiven Mittelfeldspielers lag vor zwei Jahren bei 800 000 Euro. Heute sind es 4,5 Millionen Euro. Kein Wunder: Der Tessiner hat mit Gent in der vergangenen Saison nicht nur die Meisterschaft gewonnen, sondern mit entscheidenden Toren auch das Weiterkommen seiner Mannschaft in der Champions League gesichert. «Ein Tor im richtigen Moment kann dein Leben verändern», sagt Milicevic.

Sechs Monate arbeitslos

Derzeit stehen alle Zeichen auf Erfolg – selbstverständlich ist das für den Schweizer mit serbischen Wurzeln nicht. Dass es im Leben auch einmal abwärts gehen kann, weiss Milicevic nur zu gut. Seine Karriere als Profi schien vor Jahren zu enden, noch bevor sie richtig begonnen hatte. Mit 17 Jahren lief der Tessiner beim FC Lugano erstmals als Profi auf. Sein damaliger Trainer und Förderer war Vladimir Petkovic – der heutige Trainer der Schweizer Nationalmannschaft.

Zwei Jahre spielte er im Tessin, ehe Milicevic zu Yverdon wechselte. Es schien vorwärts zu gehen. Doch mit 22 Jahren löste er seinen Kontrakt beim damaligen Arbeitgeber auf. Milicevic sah sich sportlich kaum mehr gefordert. Er war fortan arbeitslos. Sechs Monate lang. «Es war zwar eine schwierige, aber auch lehrreiche Zeit», erinnert sich Milicevic. Er habe sein Leben überdacht und überlegt, wie es weitergehen soll. Denn: «Einen Plan B hatte ich nicht», sagt Mili, wie er von Freunden genannt wird.

Die Tür nach Belgien

Milicevic wartete ab, behielt die Geduld. «Ich habe gespürt, dass sich irgendwann eine Tür für mich öffnen würde.» Und er behielt Recht. Eupen unterbreitete ihm einen Vertrag. Milicevic wagte 2009 den Schritt nach Belgien. Eupen und Charleroi waren seine ersten Stationen. Der Offensivspieler ackerte verbissen an sich. Seine Qualitäten – er ist als Links- wie Rechtsaussen einsetzbar, tritt präzise Standards – blieben nicht lange unerkannt.

Gent warb ihn 2014 ab. Von den Anhängern wird der Mann mit der Rückennummer 77 Robin Hood genannt. Erzielt Milicevic ein Tor, formt er die Arme zu Pfeil und Bogen. «Zudem musste ich einem Freund versprechen, der beste Torschütze der Liga zu werden. Mit einem präzisen, scharfen Schuss, wie ein Pfeil eben», erklärt er sich.

Petkovics Nein

Dank seines Erfolges hat sich Milicevic auch für die Nationalmannschaft interessant gemacht. Er kann für drei Verbände auflaufen: die Schweiz, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Auf ein mögliches Engagement für die Schweiz angesprochen, sagt Milicevic: «Die Schweiz ist meine Heimat, für die Schweiz würde ich gerne spielen.» Petkovic habe ihm aber zu verstehen gegeben, dass seine Position bereits gut besetzt sei. Ein Aufgebot ist somit keine Option mehr.

Vom serbischen Verband hat Milicevic bis anhin nichts gehört. Die Bosnier hingegen bemühen sich um seine Dienste. Ob er ein Aufgebot für das Testspiel gegen die Schweiz am 29. März in Zürich erhält, weiss er noch nicht. Sollte Milicevic im Letzigrund mit Bosnien auflaufen, dürfte sein Name auf dem Matchblatt zumindest keine Überraschung mehr sein.

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