GELDSEGEN: Milan soll wieder strahlen

Die Absicht der neuen chinesischen Eigentümer der AC Milan blieb lange unklar. Nun aber haben die Chinesen im Sommer bereits 200 Millionen Euro für neues Personal ausgegeben.

Lukas Plaschy, Rom
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Dank der China-Millionen bleibt Goalietalent Gianluigi Donnarumma (rechts) bei Milan. (Bild: Luca Bruno/AP)

Dank der China-Millionen bleibt Goalietalent Gianluigi Donnarumma (rechts) bei Milan. (Bild: Luca Bruno/AP)

Lukas Plaschy, Rom

Im Frühjahr hatte sich der mehr als ein Jahr lang angekündigte und immer wieder verschobene Verkauf der AC Milan konkretisiert. Am 17. April übergab die vormalige Besitzerfamilie um Silvio Berlusconi die Aktienmehrheit des 1899 gegründeten Clubs an ein chinesisches Konsortium. Der Enthusiasmus der Öffentlichkeit hielt sich in Grenzen. Dies hatte vor allem mit der Figur des neuen Präsidenten Li Yonghong zu tun. Sogar für chinesische Wirtschaftsjournalisten war der 48-jährige Geschäftsmann aus der südchinesischen Provinz Guangdong ein Unbekannter. Wie die italienische Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» herausfand, soll Yonghong sein Geld vor allem im Immobiliensektor sowie in der Verpackungsindustrie verdienen. Sein persönliches Vermögen wird auf 500 Millionen Euro geschätzt.

Die operative Führung überlässt der neue Mann aber weiterhin Einheimischen: Sportdirektor Massimiliano Mirabelli und CEO Marco Fassone, die beide interessanterweise eine Vergangenheit beim Stadtrivalen Inter haben. Die Befürchtungen der Anhänger, dass nach dem Aufkauf durch die Chinesen – inklusive Übernahme der Schulden von über 200 Millionen Euro – kein Geld für Transfers übrig sei, bewahrheiteten sich nicht. Mirabelli und Fassone dürfen aus dem Vollen schöpfen. «Il Diavolo», so wird die AC Milan in Italien genannt, soll damit wieder in die Spitze des europäischen Fussballs stossen.

Königstransfer Bonucci kommt von Juventus

Zuerst musste allerdings die «Causa» Gianluigi Donnarumma gelöst werden. Der 18-jährige Torhüter mit bereits 68 Ligapartien und vier Länderspielen für Italien unterschrieb trotz eines Angebots von Real Madrid und Störmanövers seines Agenten Mino Raiola einen neuen Vertrag für die nächsten fünf Jahre. In dieser Zeit verdient er insgesamt 30 Millionen Euro. Zum Deal gehörte, dass Milan Donnarummas älteren Bruder Antonio als Ersatztorhüter unter Vertrag nehmen musste. Weitere 200 Millionen Euro wurden in neue Spieler investiert. Allein 38 Millionen überwiesen die Mailänder für den portugiesischen Aufsteiger André Silva an den FC Porto. Von Villarreal kam der Argentinier Mateo Musacchio, aus der Bundesliga Hakan Calhanoglu und der Schweizer Ricardo Rodriguez. In der Serie A bediente sich Milan bei Atalanta Bergamo und verpflichtete Andrea Conti und Franck Kessie, Lazio Rom warb man Spielmacher Lucas Biglia ab. Der Königstransfer war aber jener von Verteidiger Leonardo Bonucci. Dieser hatte sich bei Juventus Turin mit Trainer Massimiliano Allegri zerstritten. Zum endgültigen Bruch soll es anscheinend in der Pause des verlorenen Champions-League-Finals gegen Real Madrid gekommen sein. Juventus hätte Bonucci liebend gerne ins Ausland verkauft. Gerüchte um einen Transfer zu Chelsea hielten sich hartnäckig. Für den 30-jährigen italienischen Nationalspieler kam aber aus familiären Gründen nur ein Wechsel innerhalb Italien in Frage.

Investitionen erhöhen den Druck

Die geballte Transferoffensive der Mailänder, die 2011 letztmals den Meistertitel feiern konnten, ist aber noch nicht vorbei. Ein Stürmer aus dem Trio Alvaro Morata von Real Madrid, Pierre-Emerick Aubameyang von Dortmund und Torinos Andrea Belotti soll mit einem Jahressalär von fast zehn Millionen Euro angelockt werden. Die Investitionen des siebenfachen Champions-League-Siegers sollen die Anhänger wieder ins San Siro locken. Seit 2008 sanken die verkauften Saisonabonnemente von 43 000 auf ein Rekordtief von knapp 16 000 in der vergangenen Spielzeit. Bei den Wettbüros wird Milan bereits wieder als Nummer drei der italienischen Liga hinter Juventus Turin und Napoli gehandelt.