GELD LOCKT: In die Wüste geschickt

Am Tag vor Heiligabend treffen im italienischen Supercup Juventus Turin und Milan aufeinander. Das Spiel findet in Qatar statt. Der Liga und den Clubs bringt der Deal mit den Scheichs Mehreinnahmen.

Lukas Plaschy
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Gonzalo Higuain und seine Teamkollegen von Juventus Turin reisen für ein Spiel nach Qatar. (Bild: Di Marco/EPA)

Gonzalo Higuain und seine Teamkollegen von Juventus Turin reisen für ein Spiel nach Qatar. (Bild: Di Marco/EPA)

Lukas Plaschy

Bereits zum neunten Mal findet der Vergleich zwischen Meister und Cupsieger ausserhalb Italiens statt. Austragungsort im WM-Gastgeberland von 2022 ist diesen Freitag das Jassid Bin Hamad Stadion von Doha. Vor zwei Jahren siegte an gleicher Stätte Napoli mit Gökhan Inler im Elfmeterschiessen gegen Stephan Lichtsteiners Juventus. Seitdem aber holte Juventus Turin national alle weiteren Titel. Kampflos wollte man dem Dominator der vergangenen fünf Jahre die erste Trophäe der Saison aber doch nicht überlassen. So darf sich Milan als Cupfinalist mit den Turinern um die «Supercoppa» messen. Gewinnt Milan, wäre das die 29. und voraussichtlich letzte Trophäe in der Ära Silvio Berlusconis, bevor chinesische Investoren das Zepter übernehmen.

Milan reist verspätet ab

Das Vorhaben Milans steht allerdings unter einem schlechten Stern. Weil die aus London kommende Chartermaschine wegen eines Defekts am Dienstag nicht hatte starten können, musste das Team die Abreise um einen Tag auf Mittwoch verschieben. Hohn und Spott waren den Mailändern in den Kommentarforen der grossen Sportzeitungen und in den sozialen Medien gewiss. Milans Manager Adriano Galliani fand es ebenfalls nicht lustig. «Während unser Gegner bei 20 Grad an der Sonne trainiert, kommen wir erst am späten Mittwochabend in Doha an und können somit nur das Abschlusstraining vor Ort absolvieren.» Bei einer weiteren Verzögerung, so Galliani, werde er das Team überhaupt nicht nach Qatar schicken.

Eigentlich sind es aber die Fans, welche mit der Verlegung des Spiels ins Ausland vor den Kopf gestossen werden. Turin und Mailand liegen gerade einmal 150 Kilometer voneinander entfernt, und sowohl das Giuseppe-Meazza- als auch das Juventus-Stadion würden um ein Vielfaches mehr Platz bieten als die nur knapp 13 000 Zuschauer fassende Arena in Doha.

Auch der frühe Spielbeginn um 17.30 Uhr irritiert. Viele Italiener sind um diese Zeit noch an der Arbeit, oder möchten am Tag vor Heiligabend Weihnachtseinkäufe tätigen. Wieder einmal sind es finanzielle Interessen, die Priorität geniessen. Der Fussballverband von Qatar übernimmt nicht nur Reise, Kost und Logis der Mannschaften, sondern überweist zusätzlich drei Millionen Euro an die italienische Lega Calcio, welche die Rechte am Spiel hält. Von dieser Summe gehen 90 Prozent zu gleichen Teilen an die beiden Finalisten, die zudem an den TV-Geldern beteiligt werden, was weitere zwei bis drei Millionen Euro einbringt. Da auch die Spieler mittels Prämien partizipieren, hält sich deren Murren über die verkürzten Weihnachtsferien in Grenzen. Dem Ziel, im arabischen Raum Präsenz zu zeigen, um in Zukunft die TV-Rechte im Nahen Osten besser vermarkten zu können, ordnet die Serie A alles unter.

Als Gadhafi den Rasen färbte

Bereits in der Vergangenheit diente der Supercup vor allem als Marketinginstrument. In jüngster Zeit konzentriert man sich auf die Boom-Märkte in Asien und im Orient: Neben Doha hiessen die Austragungsorte dreimal Peking sowie im vergangenen Jahr Shanghai. Dort gaben allerdings die miserable Qualität des Rasens und die amateurhafte chinesische TV-Regie zu reden. Politisch brisant war der Final in Libyen 2002. Diktator Muammar al-Gadhafi pflegte enge Beziehungen zu den italienischen Wirtschaftskapitänen und zum damaligen Premierminister Berlusconi. Der Final in Tripolis zwischen Juventus und Parma verkam zu einer Sandschlacht. Das Spielfeld war durch die Augusthitze so ausgetrocknet, dass Gaddafi befahl, den braunen Acker mit grüner Farbe zu übertünchen. Diese Gefahr sollte für Buffon, Higuain, Bacca und Lichtsteiner morgen nicht bestehen. Denn das Spiel in der Wüste Qatars findet auf Kunstrasen statt.