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Geistlich, aber auch populär

KREUZLINGEN. Mit der «Petite Messe solennelle» begeisterte der Kreuzlinger Oratorienchor an seinem Jahreskonzert in der vollbesetzten Kirche St. Stefan in Kreuzlingen.
Ursula Litmanowitsch
Brillant: Kreuzlinger Oratorienchor mit Solisten am Sonntagabend in der Kirche St. Stefan. (Bild: pd/Mario Gaccioli)

Brillant: Kreuzlinger Oratorienchor mit Solisten am Sonntagabend in der Kirche St. Stefan. (Bild: pd/Mario Gaccioli)

Das aussergewöhnliche geistliche, aber ebenso populäre Werk des Opernkomponisten Rossini riss das Publikum am Sonntag auf ganz besondere Weise mit. Der minutenlange stehende Applaus bekundete die hohe Wertschätzung der Aufführung. Dirigentin Annedore Neufeld hatte die ursprüngliche Besetzung der «Petite Messe solennelle» mit Klavier und Harmonium gewählt.

Dadurch wurde diese Aufführung speziell und authentisch zugleich, erhielt stellenweise einen fast intimen, ja geradezu kammermusikalischen Charakter. Schade nur, dass der ziemlich lange Nachhall in der akustisch prächtigen Kirche da und dort ein Schnippchen schlug.

Denn Rossini hatte für ein zwölfköpfiges Vokalensemble in einer Privatkapelle komponiert. Die stimmlich beeindruckende Wucht des rund 60köpfigen Laienchores hätte eigentlich unter den gegebenen Voraussetzungen der Kirche ganz gut ein Orchester vertragen können.

Werkgetreu, aber etwas forciert

Mit Harmonium- und Klavierbegleitung wirkte die Aufführung zwar werkgetreuer und im Sinne von Rossini sicherlich authentischer, aber leider stellenweise auch etwas forciert. Dank dem exzellenten Pianisten Benjamin Engeli und dem feinsinnig spielenden Jan Hennig am Harmonium, die quasi alles im Innersten zusammenhielten, gelang das Werk aber insgesamt zu einem harmonischen Ganzen, welches hohes Lob verdient.

Als ganz besonders berührend empfand man das innige Harmonium-Solo, das eine mystische Grundierung schuf. Die Wiedergabe der «Petite Messe» verband Innigkeit mit der typischen Leichtigkeit des Belcanto. Dazu trug auch vorab das gut ausgewählte und harmonierende Solistenquartett bei.

Claudia von Tilzer (Sopran), Barbara Hensinger (Alt), Nino Gmünder (Tenor) und Samuel Hasselhorn (Bass) brillierten in den anspruchsvollen Solopartien. So etwa im «Gloria» oder vorab auch im Duett «Qui tollis». Die Stimmen besassen angemessenes Volumen, um sich vom Chor abzuheben – und fielen doch nicht durch opernhafte Theatralik aus diesem Rahmen heraus.

Hohes Niveau

Trotz der Bezeichnung «Petite» war die Aufführung insgesamt ein grosses und eindrückliches Plädoyer für ein geistliches Werk des Opernkomponisten. Das agile Dirigat erlaubte sowohl eine durchsichtige als auch über die meisten Strecken ausgewogene Wiedergabe zwischen Instrumentalem und Chorischem. Dies auch, weil der Chor sehr konzentriert und einsatzfreudig sang.

Flächige Abschnitte gestaltete Neufeld dynamisch differenziert und klanglich wohlfeil. Eindrücklich, wie klar die Textverständlichkeit trotz des erwähnten langen Nachhalls blieb. Das lässt darauf schliessen, dass Diktion und Artikulation des Chores ein hohes Niveau aufweisen. Beachtlich auch die dynamische Präsenz der Männerstimmen. Der Komponist hat, obwohl die Leichtigkeit sein Metier war, den Sängern nichts erspart. Bei den Fugen könnte man aus den Fugen geraten, aber sie gelangen prima.

Auch mit extremen Lagen in Sopran und Tenor hat Rossini nicht gegeizt, und in bezug auf die Treffsicherheit der Intervalle gab er sich tückisch. Brillant haben der Kreuzlinger Oratorienchor und die Solisten auch diese Fallstricke der Partitur gemeistert.

Weitere Aufführung: Fr, 4.7., 20 Uhr, Franziskanerkirche Überlingen

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