Gedränge auf dem Fussballplatz

Mike Dellios, ehemaliger Juniorentrainer des FC Arbon, geht in der Nachwuchsförderung eigene Wege. Eine Zusammenarbeit zwischen der Evro Fussballakademie und dem FC Arbon sei nicht mehr möglich, sagen beide Seiten.

Peter Brühwiler
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Wohin mit dem Tor? In Arbon streiten sich zwei Fussballvereine um die Platzbelegung. (Bild: ky/Martin Ruetschi)

Wohin mit dem Tor? In Arbon streiten sich zwei Fussballvereine um die Platzbelegung. (Bild: ky/Martin Ruetschi)

FUSSBALL. Der FC Arbon hat Zukunftssorgen. Alle Mitglieder seien jetzt gefordert, verkündete Vereinspräsident Migga Hug im August an der Hauptversammlung, denn den über 100jährigen Fussballverein beschäftigen Mitgliederschwund sowie Trainer- und Schiedsrichtermangel – und dann ist da noch die Evro-Fussballakademie.

Mitgegründet hat sie der Arboner Mike Dellios. Jetzt sitzt er in einem St. Galler Café und stellt auf der Tischplatte mit seinen Akademie-Broschüren Trainingssituationen nach. Eine der Broschüren trägt den Titel «Das Konzept». Dellios blättert sie durch und gerät in Fahrt. «Ein Bestandteil unseres Trainings ist Selbstverteidigung», sagt er beispielsweise. «Daran haben die Kinder Freude.»

Früher trainierte Dellios beim FC Arbon Junioren, dann kam es zum Bruch. «Dellios wollte innerhalb des Clubs eine profitorientierte Fussballakademie gründen, wir waren dagegen», sagt Hug. Darauf habe Dellios dem FC Arbon «die besten Spieler des Jahrgangs weggenommen». Einig sind sich die beiden lediglich in einem Punkt: Eine Zusammenarbeit scheint nicht mehr möglich.

Akademien in Bern und Zürich

In Arbon bleiben will die Evro-Fussballakademie trotzdem. «Die Stadt bietet gute Trainingsanlagen und den ganzen Bodenseeraum als Einzugsgebiet», sagt Dellios. Derzeit trainieren in der Akademie an drei Abenden pro Woche zwar erst 18 Kinder im Alter von sieben bis elf Jahren, angestrebt wird aber eine Präsenz in allen Altersklassen. Auch geographisch soll die Akademie wachsen. Arbon sei ein Testlauf, sagt Dellios. «Mittelfristig wollen wir an zwei weiteren Standorten im Zürich- und Bernbiet Fuss fassen.»

Ein Unternehmen der Evro-Firmengruppe ist laut Dellios auch in Osteuropa aktiv, unter anderem mit Talent-Scouts. «Ab Juli treten unsere Fussballer in Polen und der Slowakei mit dem Evro-Logo auf.» Sollte es einer von ihnen in den professionellen Fussballbetrieb schaffen, würde Geld in die Kassen der in London beheimateten Organisation fliessen.

Entsprechende Verträge gibt es mit den Junioren in Arbon nicht. «Erst ab 13 Jahren sieht man, wer die Voraussetzungen hat, um es zu schaffen», sagt Dellios. Die mit Sponsorengeldern finanzierte Akademie werde mit den Eltern von aussichtsreichen Junioren das Gespräch suchen, «so dass alle etwas davon haben, wenn sie in den Profibereich gehen – denn die Ausbildung kostet ja auch Geld».

Verträge über eine Gewinnbeteiligung kann Dellios mit den Eltern keine abschliessen. Denn um am Ligabetrieb teilnehmen zu können, will Evro Football Pro Mitglied des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) werden. Eine SFV-Mitgliedschaft steht – mit Ausnahme der zwei obersten Spielklassen – nur Vereinen offen, und diese wiederum dürfen laut Vereinsrecht nicht profitorientiert handeln. Natürlich sei nicht jede finanzielle Leistung per se unzulässig, sagt der SFV-Jurist Robert Breiter. So könne ein Fussballverein für seine Heimspiele ja auch Eintrittsgeld verlangen. Aber: «Das Geldverdienen darf nicht der Hauptzweck sein.» Zur Evro-Akademie will sich Breiter nicht äussern, er kenne den Fall nicht gut genug.

Eine hohe Mannschaftsdichte

Dellios weist den Profitgedanken von sich. Es gehe ihm darum, junge Fussballer mit den in der «Konzept»-Broschüre beschriebenen Trainingsmethoden weiterzubringen. Ab August 2012 sollen die Evro-Junioren ihr Können nicht wie bisher nur an Freundschaftsspielen, sondern auch im Meisterschaftsbetrieb zeigen – damit rechnet zumindest der Akademiegründer. FC-Arbon-Präsident Hug ist «ganz klar» gegen eine Aufnahme des Vereins, der im Unterschied zum FC Arbon keine soziale Aufgabe erfülle. In der Region Arbon gebe es bereits heute zu viele Fussballmannschaften, sagt Hug. «Während es über den ganzen Kanton Thurgau gesehen eine Mannschaft pro 800 Einwohner gibt, liegt hier das Verhältnis bei 1 zu 550.» Entsprechend schwierig sei es, genügend Helfer, Trainer und Schiedsrichter zu finden.

Gegen eine SFV-Mitgliedschaft von Evro spreche dieses Argument jedoch nicht, sagt Breiter. «Grundsätzlich wird jeder aufgenommen, der die Bedingungen erfüllt.» Bevor der SFV einen Entscheid fällen kann, stehen noch Gespräche über die Platzbelegung in Arbon an. «Die Platzzuteilung für Trainings- und Meisterschaftsbetrieb müssen die Vereine primär unter sich ausmachen», sagt Reto Stäheli. Der Arboner Stadtrat hofft, dass die beiden Parteien trotz des zerrütteten Verhältnisses eine einvernehmliche Lösung finden. Ansonsten müsste die Sportplatzkommission als Schiedsgericht eingreifen.