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Gedichte aus Wasser und Melodie, Liebe und Melancholie

KURZ & KRITISCH: LYRIK Kommt es gut, wenn eine Verlagslektorin (Zytglogge) selber schreibt. Es kommt gut, sehr gut. Bettina Kaelin, 1963 in Deutschland geboren, hat einst in der Ostschweiz unterrichtet, hat Musik und Gesang studiert, jetzt lebt sie am Thunersee.

Das Wasser und die Musik sind wiederkehrende Motive in ihren neuen Gedichten, die Beat Brechbühl, Berner in Frauenfeld, verlegt und für die Reihe Waldgut Lektur liebevoll gestaltet und gedruckt hat. Hellblau der Umschlag, dunkelblau der Vorsatz, dazwischen fliessen Bettina Kaelins gut vier Dutzend Gedichte. Das kürzeste ist zwei Verse lang (Du musst nicht verstehn, / um zu sein), das längste eine knappe Seite.

Sie fliessen leicht und luftig, ihr Rhythmus ist frei, sie brauchen keine Interpunktion (ausser im letzten der fünf Zyklen), sind oft nur einen Satz, einen Gedanken lang. Und die Wörter, behutsam gewählt, klingen wie gute Musik: keines zu schwer, keines zu viel: Meine Hände / ein Meer aus Tönen / mein Fuss / das Festland («Orgelspiel»).

Bettina Kaelin schaut nach innen und nach aussen, benennt Worte und Taten, die Liebe, Erotik und das flüchtige Glück, das bisweilen nach Trauer schmeckt. Und im titelgebenden Gedicht verbindet sie beide Welten, verbindet, wie bereits im ersten Gedicht, Eingang und Ausgang: Das Wasser / trägt uns. // So lernen wir / fliegen. // Richtung und Ziel – / keine Bedeutung. // Das Fehlen der Balken / macht es uns leicht. // Doch manchmal / kehren wir um / und kreuzen. // Gegen den Wind.

Bei aller kühnen Verknappung in Sprache und Aussage vermeidet die Dichterin das Gefällige und Aphoristische und lässt dem Leser, der Leserin allen Raum, mitzufliessen und mitzuklingen. Nur die zwei Drei-Akter à la Ernst Jandl hätten wir uns aus formalen Gründen weg gewünscht.

Dieter Langhart

Bettina Kaelin: Das Wasser trägt uns. Gedichte. Waldgut, Frauenfeld 2013, 69 S., 22 Franken.

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