Gebrochene Nase hält ihn nicht auf

Daniel Pticek wurde in diesem Jahr Weltmeister im Vollkontakt und Schweizer Meister im K1. Der Frauenfelder Kampfsportler trägt den Spitznamen Iron-Head – noch keiner hat es jemals geschafft, ihn k. o. zu schlagen.

Ralf Rüthemann
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Daniel Pticek (links) schlägt Simone Guarnieri im Pentorama und gewinnt den Schweizer-Meister-Titel im K1. (Bild: OG Sport Pictures/Orazio Guarnieri)

Daniel Pticek (links) schlägt Simone Guarnieri im Pentorama und gewinnt den Schweizer-Meister-Titel im K1. (Bild: OG Sport Pictures/Orazio Guarnieri)

KAMPFSPORT. 23 Jahre spielte Daniel Pticek Handball, danach begann er mit Kampfsport. «Ich wollte zum Sicherheitsdienst und habe gedacht, das könnte nützlich sein», sagt der gebürtige Frauenfelder. Aus dieser Idee entwickelte sich eine grosse Leidenschaft für den Kampfsport. Und der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Schon bald gewann der heute 33-Jährige Wettkämpfe und machte sich in der Kampfsport-Szene einen Namen.

Dieses Jahr erreichte seine sportliche Karriere bei den Halbprofis ihren Höhepunkt. Pticek wurde Weltmeister im Vollkontakt und Schweizer Meister im K1 (siehe Kasten). «Für mich persönlich war der Schweizer-Meister-Titel der wichtigste überhaupt. Ich kann es kaum beschreiben, es war sehr emotional an diesem Abend.» Pticek forderte am 4. Oktober im Pentorama den damals amtierenden Schweizer Meister heraus. Bereits in der ersten Runde brach ihm sein Gegner Simone Guarnieri die Nase. Doch Pticek kämpfte weiter und gewann am Ende den Titel. «Aufgeben kenne ich nicht.»

48 Kämpfe, 34 Siege

Von Beruf ist Daniel Pticek Schreiner. «In der Schweiz ist es nicht möglich, vom Kampfsport zu leben. Dazu müsste man ständig im Ausland kämpfen.» Trotzdem verbringt Pticek den grössten Teil seiner Freizeit im Training im Modern Martial Arts Center in Oberhasli – sechs- bis siebenmal pro Woche. Das Kämpfen ist für Pticek nun allerdings vorbei. Der Kampf um den Schweizer-Meister-Titel war sein letzter. «Ich habe mit der Ausbildung zum Technischen Kaufmann begonnen. Deshalb reicht es nicht mehr, auf diesem Niveau weiterzukämpfen. Aber es war ein optimaler Abschluss meiner Karriere.» Jetzt widmet er sich, zusammen mit seinem bisherigen Trainer, dem Nachwuchs. Seine Mutter ist froh. «Sie hat keinen einzigen Kampf von mir gesehen. Sie wollte nie zuschauen, wie jemand auf mich einschlägt.» Sein Vater hat weniger Mühe damit. «Er ist ein sehr wichtiger Fan von mir», sagt Pticek. In den sieben Jahren als aktiver Kampfsportler bestritt Daniel Pticek insgesamt 48 Kämpfe, wovon er 34 gewann. Dreimal besiegte er seine Gegner durch Knockout. Er selber ging noch nie k. o. «So habe ich den Spitznamen Iron-Head bekommen.»

K1 gehört zu Pticeks Lieblings-Kampfsportarten. «Es ist vielfältig, denn man darf vor allem auch die Knie benutzen.» Trotzdem trainierte er verschiedene Kampfsportarten. «Das Prinzip ist grösstenteils immer das gleiche.» Was er aber nie machen wollte, sind Bodenkämpfe. «Kämpfe auf dem Boden sagen mir nichts. Für mich ist es dort unten vorbei. Ich sehe das auch ethisch so.»

Freundin ist begeistert

Nebst dem Nachwuchs, den Pticek nun trainiert, gibt er auch seiner Freundin Kampfsport-Unterricht. «Ich habe sie nicht im Rahmen des Kampfsports kennengelernt. Aber als sie mir mal bei einem Kampf zugesehen hatte, konnte ich sie für diesen Sport begeistern.»

Trotz seiner Ausbildung bei den Amateuren weiterzumachen, kommt für Daniel Pticek momentan nicht in Frage. «Vielleicht werde ich nach der Schule irgendwann wieder bei den Halbprofis einsteigen. Aber das lasse ich im Moment noch offen.»