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GC-Abstieg der Schande - Spielabbruch im FCL-Stadion

Weil GC-Chaoten beinahe das Feld stürmen, wird das Spiel zwischen dem FC Luzern und den Grasshoppers abgebrochen. Damit ist der Abstieg des Rekordmeisters besiegelt. Eine Schmierenkomödie.
Kilian Küttel und Daniel Wyrsch

Als Idriz Voca in der 66. Minute das 4:0 für den FC Luzern markiert, ist das Spiel gelaufen. Und das Theater beginnt in den anschliessenden zwei Minuten: Mehrere GC-Anhänger montieren ihre Banner im Gästesektor der Swisspor-Arena ab. Im ersten Augenblick glaubt man, sie hätten genug gesehen und treten den vorzeitigen Heimweg an. Falsch gedacht. 25 bis 30 Chaoten klettern über die Abschrankung und betreten den Durchgang vor dem Rasen, einige von ihnen sind vermummt. Dort stehen sie, schreien, gestikulieren und verunmöglichen ein Weiterspielen. Auch die Fans auf den Rängen toben. Sie wollen mit ihrer Mannschaft sprechen. Die rund 30 Chaoten aus dem GC-Sektor machen Anstalten, das Feld zu stürmen. Schiedsrichter Alessandro Dudic hat keine Wahl – er unterbricht die Partie. Die anrückenden Ordner, Securitas-Kräfte und Polizisten vereiteln eine weitere Eskalation. Letztere bilden in Schutzmontur einen Kreis um die Ultras. GC-Captain Heinz Lindner und Präsident Stephan Rietiker gehen auf die schäumenden Fans zu, wollen schlichten und das Äusserste abwenden: einen Spielabbruch.

Jetzt beginnt der zweite Akt im Theaterstück, in dem ein halbstarker GC-Fan eine tragende Rolle spielt: Wie ein aufgebrachter Vater, der seine Söhne zusammenstaucht, redet der junge GC-Fan auf Lindner und Rietiker ein. Verkehrte Welt auf der Allmend. Die absurde Forderung der Anhängerschaft: Die Spieler sollen ihre Leibchen und Hosen abgeben, sich vor den eigenen Fans ausziehen, weil sie der Farben des Rekordmeisters nicht würdig seien. Während der ­Testosteron-geschwängerten Selbstinszenierung, die an Pathos kaum zu überbieten ist, verhält sich die grosse Mehrheit der 10469 Zuschauer ruhig. Die Leute auf den Tribünen bleiben auf ihren Plätzen, verpflegen sich, regen sich über das Theater am Platzrand auf oder warten einfach stoisch und frierend, bis der Courant normal wieder Einzug hält.

GC-Ultras provozieren zweiten Spielabbruch in dieser Rückrunde

Das aber passiert nicht: Schiedsrichter Dudic zieht nach fast einer halben Stunde Vorführung die letzte Konsequenz, bricht das Spiel ab und lässt den Vorhang für die Vorstellung fallen. Der erste Abstieg des 27-fachen Meisters GC nach 70 Jahren Erstklassigkeit ist besiegelt. Alles andere als eine 0:3-Forfaitniederlage, genauso wie nach dem 16. März, wäre eine Überraschung. In der 56. Minute hatte damals das Spiel zwischen Sion und GC ein vorzeitiges Ende gefunden, nachdem immer wieder Petarden aus dem GC-Sektor auf das Feld geflogen waren.

Mit Ausnahme kleiner verbaler und plakativer Provokationen aus beiden Fanlagern war die Stimmung bis zur 68. Minute grosso modo ruhig. Ähnlich wie vor der Partie: Um 14.46 Uhr fährt der Extrazug aus Zürich im Bahnhof Luzern ein, die Passagiere steigen aus und in die vier Busse ein, die auf der Zentralstrasse auf sie warten. Keiner davon ist voll besetzt. Zwischenfälle gibt es keine. Und: Entgegen der Erwartung bleibt die grosse Eskalation auch nach Spielabbruch aus. Offensichtlich gilt die Wut der Zürcher den eigenen Spielern, nicht aber dem sonntäglichen Gegner oder der Luzerner Anhängerschaft.

Nach Spielabbruch werden die Gäste aus Zürich in die Busse verfrachtet und zum Bahnhof gebracht, wo sie den Extrazug in die Heimat besteigen. Am Bundesplatz postieren sich mehrere Polizeitrupps, die nicht eingreifen müssen. Das bestätigt die Luzerner Polizei, die am Sonntag um 19.01 Uhr eine Medienmitteilung verschickt: «Beim Einsatz mussten keine polizeilichen Zwangsmassnahmen eingesetzt werden. Die Abreise der GC-Fans verlief nach erfolgter Kommunikation des Spielabbruchs friedlich.»

Um 18.25 Uhr verlässt der Extrazug den Bahnhof, begleitet von Schmähgesängen gegen die anwesenden Polizisten. Ein Chaot wirft eine Rolle ­Toilettenpapier in Richtung der Einsatzkräfte. Er verfehlt sie um zehn Meter. Fünf Minuten später strömt der Luzerner Anhang auf den Bundesplatz und das Fanlokal Zone 5 zu. Der Spuk ist vorbei, die Schmierenkomödie zu Ende.

Forte spricht von rabenschwarzem Tag für GC und den Schweizer Fussball

Verloren haben am Sonntag alle, die den Fussball lieben. An erster Stelle die aktiven Protagonisten, die Spieler und Trainer. GC-Coach Uli Forte sagte: «Das ist ein rabenschwarzer Tag für den Grasshopper Club Zürich, aber nicht nur für den Verein, sondern für den ganzen Schweizer Fussball. Das ist ein No-Go. GC betrifft es schon zum zweiten Mal nach den Pyrovorfällen und dem anschliessenden Spielabbruch in Sion, das ist noch vor meiner Zeit passiert.»

Der Torschütze des spektakulären 2:0 für den FC Luzern, Ruben Vargas (20), wollte sich nicht zum Spielabbruch und zum schändlichen Verhalten der GC-Ultras äussern: «Andere Leute müssen beurteilen, was passiert ist.»

GC-Jungprofi Zesiger zeigt Verständnis für irre Fanforderung

Grasshoppers-Verteidiger Cédric Zesiger (20) war wie die meisten seiner Mitspieler nach dem abgebrochenen Match auf einen Teil der Forderungen der Ul­tras eingegangen. «Ich habe ihnen mein Leibchen übergeben, das wollten sie.» Offenbar war der Jungprofi schockiert von den Vorfällen rund um den Sektor der Gästeanhänger. «Dass die Fans so reagierten, verstehe ich. Wir haben nicht gut gespielt.» Nur GC-Profi Aimery Pinga (21) reagierte wütend auf die Ultras, er war von ihnen rassistisch beleidigt worden.

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