Gabrieles wahrer Beginn in Wil

Francesco Gabriele ist seit mehr als drei Monaten Trainer des FC Wil, richtig ernst wird es für den 38-Jährigen aber erst kommende Woche mit dem Rückrundenstart. Der Solothurner setzt auf seine Motivationskünste, Mut und Talente. Beim gestrigen Testspiel gegen Aarau mit Erfolg.

Ralf Streule
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Francesco Gabriele startet am Montag mit dem jüngsten Challenge-League-Team in die Rückrunde. (Bild: Urs Bucher)

Francesco Gabriele startet am Montag mit dem jüngsten Challenge-League-Team in die Rückrunde. (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL. Der FC Wil hat auf einem Tabellenplatz überwintert, der für die Rückrunde nicht das grosse Spektakel verspricht. Rang sechs, 16 Punkte Rückstand auf Leader Wohlen und zehn Punkte Polster auf den Abstiegsplatz: Damit droht Wil in der Mittelmässigkeit und Langeweile des Challenge-League-Mittelfelds zu verschwinden.

Davon will Francesco Gabriele nichts wissen. Der Trainer hat den Club im November übernommen, als Axel Thoma zu den Grasshoppers wechselte. Er schafft es ohne Mühe, der Wiler Ausgangslage grosse Brisanz zu verleihen. «Der dritte Platz ist nahe, anderseits befindet man sich schnell wieder im Abstiegskampf.» Gabriele sagt, was ein Trainer sagen muss, wirkt dabei aber so enthusiastisch, dass seine Worte Gewicht erhalten. «Das Team weiss, wie wichtig der Rückrundenstart ist.» Los geht es am kommenden Montagabend gegen Leader Wohlen. «Die perfekte Herausforderung für den Anfang.»

Gabrieles gute Startbilanz

Die gestrige Herausforderung, ein Testspiel gegen den FC Aarau, ist gelungen. 1:0 gewannen die Wiler dank eines Penaltytors. Er lasse voll auf Sieg spielen, hatte er bereits beim Gespräch vor dem Spiel gesagt. «Die Winnermentalität lässt sich nicht erst später in der Meisterschaft üben.» Gabrieles Begeisterung und Zuversicht bezieht sich auf fast alles beim FC Wil. Der Solothurner mit italienischen Wurzeln gilt, trotz bedächtiger Art, als grosser Motivator. Eine positive Stimmung habe er im Team gespürt, als er – nach seiner Entlassung in Lausanne – in die Ostschweiz geholt worden war. «Nach einer Niederlagenserie sehen Spieler normalerweise wie geschlagene Hunde aus. Hier war das anders.»

Richtig Schwung aufnehmen konnte Gabriele mit seinen Spielern bisher aber noch nicht, da vor der Winterpause nur noch vier Partien anstanden. Dennoch schaut die Bilanz gut aus: Nach einer Niederlage folgten ein Unentschieden und zwei Siege. Den wahren Start erlebt Gabriele aber erst jetzt, nachdem er sich in Wil hat einleben können. Blauäugig wird er den «Neustart», wie er es nennt, nicht angehen. Spieler wie Jordan Brown und Sandro Lombardi, die im Winter den Club verliessen, seien schwer zu ersetzen, sagt er.

Trotz Abgängen in der Offensive hat sich Wil im Winter vor allem in der Defensive verstärkt. Eine Reaktion auf die «nackten Zahlen», wie Gabriele sagt. Wils Schwachstelle in der Hinrunde war die Defensive.

Vier Junge für die Rückrunde

Auffallend ist das Alter der Zuzüge: Michael Gonçalves ist 19, Ferid Matri 21, Sandro Dünki und Nedim Sacirovic sind 20 Jahre alt. Ein Zeichen, dass der FC Wil mit dem Trainerwechsel von seiner Philosophie eines Ausbildungsclubs nicht abweichen will. Im Gegenteil: Gabriele ist ausgewiesener Jugendtrainer, war lange für das Team Aargau U18 verantwortlich. «Es ist wichtig, mutig auf Junge zu setzen», sagt der 38-Jährige, der «dynamischen, technischen Fussball» sehen will, am liebsten mit Spielern aus der Region. Ein solcher wäre Michael Eisenring vom St. Galler Nachwuchs gewesen, der im Winter Testspiele mit Wil bestritten hat. St. Gallen entschied aber, den Verteidiger weiter in der eigenen zweiten Mannschaft einzusetzen. «Ein Entscheid, den wir akzeptieren müssen», sagt Gabriele. Auch so ist sein Team mit durchschnittlich 23,8 Jahren das jüngste der Liga.

Abgänge: Jordan Brown (GC), Sandro Lombardi (Lugano), Andrei Blejdea (?), Nicola Bozic (?) Zuzüge: Simon Dünki (Basel), Ferid Matri (Luzern, Leihe bis Sommer), Michael Gonçalves (Basel, Leihe bis Sommer), Nedim Sacirovic (Luzern)

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