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Fussballprofi in 4500 Stunden: Im Nachwuchs des FC St.Gallen gilt ein strikter Wochenplan

Wer Fussballprofi werden möchte, muss beim FC St.Gallen einen strikten Zeitplan einhalten. Die ganze Woche ist durchgeplant.
Marco Günthart

Viele Kinder träumen davon, Fussballer zu werden. Sie gehen in jungen Jahren in Vereine, trainieren jede Woche, doch nur die wenigsten werden Profis. Wenn ein Junior im Nachwuchs des FC St.Gallen landet, hat er bereits etwas erreicht, was vielen verwehrt bleibt. Dort wird die ganze Woche trainiert und versucht, Stufe für Stufe den Leistungsschnitt zu überstehen. Erreicht ein Spieler die U21, steht er vor dem letzten Schritt, um in der ersten Mannschaft zu spielen und somit Profi zu werden. Doch pro Jahr schaffen diesen Sprung nur höchstens zwei bis drei Talente.

Der Weg ist lang: Bis hin zur Schwelle des Profiteams steht ein Spieler in etwa 4500 Stunden auf dem Fussballplatz. Denn im Nachwuchs des FC St.Gallen trainieren die Talente jede Woche rund zehn Stunden. Im Jahr sind das hochgerechnet etwa 450. Verbringt ein Junior zehn Jahre in der Nachwuchsabteilung, kommen 4500 Stunden zusammen. Nebenbei absolvieren die Fussballer eine Berufsausbildung.

Training und Arbeit genau durchgeplant

David Jacovic ist eines dieser Nachwuchstalente. Er ist 18 Jahre alt und spielt als Rechtsverteidiger in der U21 des FC St.Gallen. Auch in der Nachwuchs-Nationalmannschaft der Schweiz durfte er schon auflaufen. Der gebürtige St.Galler absolvierte seit der U11 alle Stufen im Nachwuchs und will nun in die erste Mannschaft. Dafür hält er einen Stundenplan ein, der ihm genau sagt, was er wann zu tun hat.

Neben dem täglichen Fussballtraining arbeitet Jacovic zurzeit als Praktikant bei der Trevitas Treuhand. Das Praktikum ist Teil seiner vierjährigen Lehre als Kaufmann an der United School of Sports. Die Ausbildung dauert ein Jahr länger als die übliche KV-Lehre – der Abschluss ist der gleiche.

Für seine berufliche Ausbildung arbeitet er pro Woche etwas mehr als 20 Stunden und geht drei Stunden zur Schule. Wenn er nicht im Büro beschäftigt ist, steht Jacovic auf dem Fussballplatz oder im Kraftraum. Über zehn Stunden pro Woche stehen für die verschiedenen Einheiten auf dem Programm. Dienstag und Mittwoch hat er morgens und abends Training, Montag und Freitag nur nachmittags und am Donnerstag nochmals am Morgen.

Sein durchgeplanter Tag dauert zwölf Stunden: Er beginnt um 8 Uhr und endet um 20 Uhr. Früher musste Jacovic, als er nach Hause kam, noch viel für die Schule lernen. Im letzten Jahr hat er allerdings nur noch Deutsch, da er die anderen Fächer bereits abgeschlossen hat. «Da ich weniger für die Schule zu tun habe, kann ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen», so Jacovic.

Manchmal entfällt der freier Tag

Am Wochenende ist meistens Spieltag. Wenn die Partie am Samstag stattfindet, haben die Spieler am Sonntag frei. Fällt das Spiel aber auf den Sonntag, findet am Samstag ein Abschlusstraining statt und somit entfällt der freie Tag in der Woche. Ein Spieltag sieht nicht anders aus als im Regionalfussball. Es gibt eine Besammlung, eine Platzbesichtigung, Aufwärmübungen und das Spiel. Nach einem Sieg gehen die Talente auch einmal zusammen aus.

Ist am Sonntag frei, verbringt Jacovic die Zeit gerne mit seiner Familie. Sein Bruder, der beim FC St.Gallen in der U14 spielt, und Vater sind auch fussballbegeistert, weshalb die Freizeit ebenfalls öfters auf dem Fussballplatz stattfindet. David Jacovic hat den Vorteil, dass er in der Nähe in Haggen wohnt. Somit kann er vieles mit der Familie machen. Im Leistungszentrum gibt es aber Spieler aus der ganzen Ostschweiz. Lebt ein Spieler in Chur, kann er unter der Woche nicht nach Hause, sondern wohnt in St.Gallen. Nur an freien Tagen fahren diese Spieler nach Hause.

Ferien sind vom Verein im Sommer drei Wochen und im Winter vier vorgesehen. In dieser Zeit bekommt jeder Spieler einen individuellen Trainingsplan, um sich fit zu halten. Keine Meisterschaft bedeutet aber nicht, dass der Alltag der Spieler lockerer wird – im Gegenteil. Die Vorbereitung enthält viel Konditions- und Krafttraining.

Nationalmannschaft und nächster Schritt

Durch seine Leistungen bekam Jacovic schon diverse Aufgebote für die Nachwuchs-Nationalmannschaft. Vor kurzem ist er für die U19-EM-Qualifikation Mitte November nominiert worden. Dadurch kann er zwei Wochen nicht arbeiten. Dank der flexiblen Ausbildung ist das problemlos möglich. Nur den Stoff in der Schule muss er nachholen. Wenn neben dem Alltag im Club noch die Nationalmannschaft dazu kommt, kann es anstrengend werden.

«In der Nationalmannschaft wird darauf geachtet, dass wir nicht überbelastet werden.»

Deshalb werden meist kurze, aber intensive Trainings mit genügend Freizeit dazwischen absolviert.

Meistens kehren die Spieler am Freitag zurück zu ihren Clubs, absolvieren dort das Abschlusstraining, um am Wochenende gleich wieder auf dem Platz zu stehen. Der 18-jährige Rechtsverteidiger aus St. Gallen steht noch am Anfang seiner Karriere. Im Sommer schliesst er seine kaufmännische Lehre ab und sein Vertrag bei St. Gallen läuft aus. Es wäre der perfekte Moment, um seinen ersten Profivertrag bei St. Gallen zu unterschreiben. Für Jacovic, der früher oft als Fan im Stadion war, ginge ein Traum in Erfüllung.

«Mein nächstes Ziel ist der Schritt in die erste Mannschaft.»

Die Zeit wird es zeigen.

Future Champs Ostschweiz

Der FC St.Gallen U21 bestreitet morgen um 16 Uhr auswärts gegen Wettswil-Bonstetten das letzte Saisonspiel in der 1. Liga. Die U21 ist die Spitze des Nachwuchsprojektes Future Champs Ostschweiz (FCO). In dem Projekt werden mit zehn Stützpunkten in der ganzen Ostschweiz Fussballtalente ab neun Jahren gesucht. Als Spieler besteht auch die Möglichkeit sich zu bewerben und an einem Probetraining teilzunehmen. Werden die fussballerischen, schulischen und persönlichen Voraussetzungen erfüllt, nimmt man an diesem Nachwuchsprojekt teil. Trainiert wird dann aber nur einmal mit dem Stützpunkt und den Rest mit dem Stammverein, damit sich die Junioren im gewohnten Umfeld entwickeln. In jeder Altersstufe fliegen Junioren aus dem FCO. Ab der U15 befinden sich die Spieler im Juniorenspitzenfussball. Diese Stufe besteht aus vier Teams. Falls ein Spieler weit weg wohnt, hat er die Möglichkeit in der Akademie in St.Gallen zu leben. Jahr für Jahr müssen sich die Junioren verbessern, um die nächsten Stufen zu erreichen. In der U21 sind noch die besten 20. Für die erste Mannschaft reicht es im Schnitt für zwei bis drei Spieler pro Jahr. (mag)

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