Fussballfans schockieren mit Transparent

Rot oder tot: Die Anhänger des belgischen Fussballvereins Standard Lüttich haben ihrem ehemaligen Captain Steven Defour eine deutliche Botschaft geschickt. Als Defour für den Erzrivalen Anderlecht aufs Feld lief, entrollten sie ein Transparent, das nebst dem Spruch Defours Enthauptung durch einen Scharfrichter zeigte.

Fabian Fellmann, Brüssel
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FUSSBALL. Die Öffentlichkeit reagiert empört auf das «Transparent der Schande», wie belgische Medien gestern titelten. Noch sind keine zwei Wochen vergangen, seit die Polizei unweit von Lüttich eine Terrorzelle ausgehoben hat. Mehrere Mitglieder der Zelle hatten in Syrien und Irak für den Islamischen Staat gekämpft, der Enthauptungsvideos zu Propagandazwecken einsetzt.

Überrascht sollte indes niemand auf die Geschmacklosigkeit der «Ultras Inferno», wie sich die radikale Fangruppe nennt, reagieren. Standard Lüttich ist stolz auf seine Fankultur – und reagiert darum jeweils mit Nonchalance auf Exzesse. Die Clubleitung zwingt die Ultras mittlerweile zwar, die Transparente vor der Partie bewilligen zu lassen; allerdings lässt sie sich treuherzig nur die Vorlage zeigen. So legten die Ultras diesmal einen anderen Entwurf vor.

«Das ist Teil des Spiels»

Wie solche Zeichen von den Anhängern verstanden werden, zeigen Aussagen eines Anführers im Wochenmagazin «Moustiche»: «Unsere Chance ist, dass der Sicherheitsverantwortliche des Clubs die Welt der Tribünen versteht.» Der Club spreche deutlich geringere Strafen aus als andere. Das Werfen einer Petarde bedeute in Anderlecht eine Stadionsperre von sechs Monaten, bei Lüttich hingegen nur ein gesperrtes Auswärtsspiel. «Also rechnen wir, das ist Teil des Spiels», sagte der Ultra.

Dabei wissen die Belgier nur zu gut, welche Folgen eine fehlgeleitete Fankultur haben kann. Bei einem internationalen Spiel im Brüsseler Heysel-Stadion 1985 griffen Liverpooler Anhänger Juventus-Supporter an. Es kam zu einer Massenpanik, eine Mauer stürzte ein, 39 Menschen starben. Unter dem Eindruck des jüngsten Exzesses hat nun auch Standards Clubleitung mitgeteilt, die Ultras hätten «das Vertrauen zerstört». Sie arbeite mit der Polizei zusammen, um die Verantwortlichen zu ermitteln.

Harte Strafen angedroht

Eingeschaltet hat sich zudem das belgische Innenministerium: Gemäss einer Sprecherin kann die Justiz die Fehlbaren mit Bussen von bis zu 5000 Euro sowie Stadionverboten von bis zu fünf Jahren belegen. Lüttichs Bürgermeister Willy Demeyer jedenfalls hat genug. «Der Fussball steht nicht über dem Gesetz», sagte er.

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