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Fussballerisches Leiden im Fürstentum

Die AS Monaco hat goldene Jahre hinter sich. Doch vor der Partie gegen die Startruppe von Paris Saint-Germain heute (21 Uhr) befindet sich die Mannschaft im Sturzflug.
Carsten Meyer
Mit gesenktem Haupt: Der neue Monaco-Trainer Thierry Henry hat noch nicht reüssiert. (Bild: Stphanie Lecocq/Keystone, 24. Oktober 2018)

Mit gesenktem Haupt: Der neue Monaco-Trainer Thierry Henry hat noch nicht reüssiert. (Bild: Stphanie Lecocq/Keystone, 24. Oktober 2018)

Didier Deschamps sah aufrichtig betrübt aus. Dabei hätte Frankreichs Nationaltrainer derzeit allen Grund, bester Laune zu sein. Im Sommer erst wurde er mit seinem Team Weltmeister – und auch in diesem seltsamen Konstrukt namens Nations League führt seine Mannschaft die Gruppe vor Holland und Deutschland souverän an. Doch nun ging es nicht um seinen aktuellen Arbeitgeber, sondern um seinen ehemaligen, die AS Monaco. Dort stand Deschamps zwischen 2001 und 2005 an der Seitenlinie, 2004 führte er den Club bis in den Champions-League-Final.

Davon sind die Monegassen aktuell weit entfernt. Nach zwölf Ligaspieltagen steht die Truppe mit mickrigen sieben Pünktchen auf dem vorletzten Tabellenplatz. Und der neue Trainer Thierry Henry hat auch nicht gerade losgelegt wie die Feuerwehr. In seinen bisherigen fünf Pflichtspielen gab es drei Niederlagen und zwei Unentschieden. «Es ist ein harter Job», befand deshalb auch Deschamps mit trauriger Miene, «in so einer Lage will niemand stecken.»

Ein Gesicht wie ein Knautschball

Vor allem nicht, wenn kein Mensch damit gerechnet hat. Die vergangenen Jahre waren ja überaus erfolgreich. In den Spielzeiten nach dem Wiederaufstieg 2013 wurde die AS Monaco Zweiter, Dritter, Dritter, Meister und Zweiter. Das Team spielte mit Hochbegabten wie Kylian Mbappé, Thomas Lemar und Bernardo Silva teilweise hinreissenden Fussball. Doch dem Rausch folgt aktuell der ganz dicke Kater. Die Situation in der Liga ist bedrohlich – und die Lage in der Champions League mit nur einem Punkt aus vier Partien auch alles andere als fürstlich.

Am Dienstag war gerade erst der FC Brügge zu Besuch. Und ohne Freunden des belgischen Fussballs zu nahe treten zu wollen: Der Landesmeister zählt nicht gerade zur europäischen Beletage. Doch in Monaco hatten die Jungs mal richtig Spass. Beim 4:0 zerlegten sie die Monegassen fein säuberlich in ihre Einzelteile, eine höhere Heimniederlage setzte es auf europäischer Bühne noch nie ab. Danach sass Henry tief zerknirscht in der Pressekonferenz. Sein Gesicht erinnerte ein wenig an einen dieser Knautschbälle, so tief gruben sich die Sorgenfalten in seine Stirn. Auf der verzweifelten Suche nach einem Funken Hoffnung erklärte er schliesslich: «Das Aus war sicher nicht unser Ziel. Aber es kann vielleicht helfen, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren.»

Damit meinte er die Liga. Allerdings treffen sie dort nun auf ein Team, das nur bedingt als Aufbaugegner taugt. Die Startruppe von Paris Saint-Germain rast jedenfalls im Eiltempo durch eine Liga, der sie längst entwachsen ist. 12 Spiele, 36 Punkte, 41:7 Tore. Mehr Dominanz geht nicht. Und man muss schon ein sehr g optimistischer Monaco-Fan sein, um ausgerechnet jetzt an die Wende zum Guten zu glauben. Zumal selbst Henry feststellen musste: «Das Team ist mental schwer angeschlagen.» Zur Beruhigung der Lage trägt auch nicht gerade bei, dass Clubboss Dmitri Rybolovlev, ein russischer Geschäftsmann, ins Fadenkreuz der Justiz geraten ist. Laut Medienberichten soll es um Korruption und Einflussnahme auf Ermittlungsbehörden gehen. Die Quittungen für die Transfereinnahmen

Als hätte der Club auf dem Platz nicht schon Sorgen genug. Die Mannschaft um den Schweizer Routinier Diego Benaglio (35) im Tor hat mit Verletzungssorgen zu kämpfen – aber vor allem mit der Verkaufspolitik der vergangenen Jahre. In diesem Sommer verbuchten die Monegassen über 340 Millionen Franken Transfereinnahmen, im Jahr zuvor waren es über 270 Millionen. Die Quittung dafür gibt es jetzt. Weil der Aderlass zu gross war und die Neuzugänge nicht so eingeschlagen haben wie erwünscht. Nun soll Henry retten, was noch zu retten ist – auf seiner ersten Station als Cheftrainer. Unterstützung erhält er von höchster Stelle, von seinem ehemaligen Mitspieler Deschamps. Dieser ist sich sicher: «Thierry besitzt alle Fähigkeiten, um ein grosser Trainer zu werden.» Das wird Henry jetzt beweisen müssen.

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