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«Mir fehlt die Wertschätzung»: Was Lara Dickenmann und andere Sportlerinnen zur Gleichberechtigung sagen

Die Rekordnationalspielerin Lara Dickenmann, Tennisspielerin Belinda Bencic und weitere Sportlerinnen sprechen über Gleichberechtigung auf dem Spielfeld, Preisgelder und den Vergleich mit ihren Kollegen.

Fussballerin Lara Dickenmann

Lara Dickenmann ist achtfache Schweizer Fussballerin des Jahres. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Lara Dickenmann ist achtfache Schweizer Fussballerin des Jahres. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

«Die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern ist im Fussball ja offensichtlich. Das Argument, weshalb die Männer so viel mehr verdienen als wir, ist ja häufig, dass sie viel mehr Geld generieren als wir Frauen. Das stimmt natürlich. Aber in Lyon, wo ich gespielt habe, hatten die Frauen einen extrem positiven Einfluss auf das Image des Clubs. Das ist ja auch wichtig für das Geschäft.

Letztlich hat doch alles mit Wertschätzung zu tun.

Wenn ich sehe, wie viel wir Frauen in unseren Sport investieren, daneben noch arbeiten und trotzdem kaum Unterstützung erhalten, dann stimmt mich das traurig.

Gerade in der Schweiz hinken wir im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gewaltig hinterher. Dabei hätten wir in unserem Land ja die Mittel dazu. Es wäre schön, wenn wir mal eine Vorreiterrolle einnehmen würden. Und zwar nicht nur, damit am Ende die Bilanz aufgeht, sondern aus Prinzip, aus Überzeugung. Auf so ein Zeichen warte ich in der Schweiz vergebens. Ich finde es sehr traurig, wie der Frauenfussball in unserem Land immer noch belächelt wird. Man muss doch nur in unser Nachbarland nach Frankreich schauen, wo derzeit die WM stattfindet. Schauen Sie sich mal an, was dort abgeht. Auch in anderen Ländern wie Deutschland. Das ist kein Vergleich.

Was es in der Schweiz bräuchte? Jemand, der einfach mal Geld in unseren Sport investiert, der ein Profiteam gründet, das auch international mithalten kann. So gehen unsere besten Spielerinnen alle ins Ausland. Ich persönlich könnte nie in der Schweiz spielen. Nicht wegen des Niveaus, sondern schlicht und einfach, weil ich meinen Sport nicht professionell ausüben könnte. Das ist letztlich ein Teufelskreis. Ohne die besten Spielerinnen wird auch die Attraktivität der Liga nicht besser. Jetzt muss mal jemand einen Schritt machen. Und zwar einen grossen. Es darf nicht bei Lippenbekenntnissen und kosmetischen Eingriffen bleiben.» (Marcel Kuchta)

Sportschützin Heidi Diethelm-Gerber

Heidi Diethelm-Gerber hat 2016 in Rio de Janeiro Olympia-Bronze geholt. (Bild: Donato Caspari)

Heidi Diethelm-Gerber hat 2016 in Rio de Janeiro Olympia-Bronze geholt. (Bild: Donato Caspari)

«Ich fühlte mich als Frau noch nie benachteiligt in meiner Sportart. Wer erst mit 40 zu schiessen beginnt, darf keine Mimose sein. Wir erhalten gleich viel Preisgeld und geben seit dem Jahr 2017 mit der Luftpistole ebenfalls 60 Schuss ab. Bis dahin war das Programm für die Frauen mit 40 Schuss kürzer. Wer will, kann sich nun mit den Männern vergleichen. Wir Frauen schauen manchmal, wie hoch die Qualifikationshürde für den Männerfinal gewesen wäre. Es fehlt meistens nicht viel.

Selbst die Schweizer Gewehrschützen, die oft als konservativ gelten, begegnen mir mit Respekt.

Offen hat sich jedenfalls noch nie jemand negativ mir gegenüber geäussert, auch als ich noch nicht so erfolgreich war. Und international wurde das Schiessen in den vergangenen Jahren frauenlastiger mit mehr Disziplinen und gleich grossen Teilnehmerfeldern. Streiken werde ich heute auf keinen Fall. Ich bin fleissig am Trainieren.» (dg)

Tennisspielerin Belinda Bencic

Belinda Bencic gewann in diesem Jahr in Dubai ihren dritten Titel auf der WTA Tour. (Bild: EPA)

Belinda Bencic gewann in diesem Jahr in Dubai ihren dritten Titel auf der WTA Tour. (Bild: EPA)

«Bei den Grand-Slam-Turnieren spielen die Männer manchmal über vier Stunden, während bei uns ein Spiel 6:1, 6:2 endet. Da verstehe ich , dass die Männer nicht so happy sind, dass es dafür das gleiche Preisgeld gibt. Anderseits sind die Preisgelder bei anderen Turnieren bei den Frauen tiefer. Generell haben viele Top-Athletinnen in den letzten Jahren den Weg geebnet – etwa bei den Sponsoren. Ich finde, man sollte aufpassen mit den Forderungen: Viele Frauen übertreiben es und wollen noch mehr. Ich finde: Gleichberechtigung heisst, dass beide Geschlechter gleich behandelt werden. Dafür stehe ich ein.» (sih)

Ex-Handballerin Karin Weigelt

Die St.Gallerin Karin Weigelt beendete 2018 ihre Handball-Karriere. Sie spielte unter anderem für den LC Brühl, für Bayer Leverkusen und die Vipers Kristiansand (Nor). Mit 128 Länderspielen ist sie Schweizer Rekord-Nationalspielerin. (Bild: Benjamin Manser)

Die St.Gallerin Karin Weigelt beendete 2018 ihre Handball-Karriere. Sie spielte unter anderem für den LC Brühl, für Bayer Leverkusen und die Vipers Kristiansand (Nor). Mit 128 Länderspielen ist sie Schweizer Rekord-Nationalspielerin. (Bild: Benjamin Manser)

«Der Frauenstreiktag hat für mich zwei Seiten. Einerseits ist es wichtig, dass auf unsere Anliegen aufmerksam gemacht wird. Anderseits bezweifle ich, dass ein Streik das richtige Mittel ist. Die ganze Sache darf nicht zu einem Kampf "wir gegen die Männer" werden. Aber, ja: Die Schweiz ist zu wenig weit in Sachen Gleichstellung, auch im Sport. Ich sehe zwar ein, dass Männersport oft mehr Sponsorengelder generiert. Und ich finde es daneben, wenn erwartet wird, dass Fussballerinnen gleich viel verdienen sollen wie ihre männlichen Kollegen, die riesige Stadien füllen.

Aber: Medien und Sportverbände müssten ein Gleichgewicht schaffen.

So geht es beispielsweise nicht, dass Verbände Auswahl-Spielerinnen tiefere Taggelder auszahlen. Es geht auch darum, jungen Frauen zu zeigen: Sport ist keine Männerdomäne! Ich habe in meinen zwei Jahren in Norwegen eine weit fortgeschrittene Gesellschaft erlebt. Mann und Frau sind ganz natürlich gleichberechtigt, in den Medien, in der Öffentlichkeit und im Alltag. Was es dafür in Norwegen kaum gibt: Dass ein Mann eine Frau auf einen Drink einlädt. So weit muss es ja in der Schweiz nicht kommen (lacht).» (rst)

Salomé Kora, Leichtathletin

Die St.Galler Sprinterin Salomé Kora gehört der 4x100-m-Staffel an und stellt mit ihr regelmässig Schweizer Rekorde auf. (Bild: Benjamin Manser)

Die St.Galler Sprinterin Salomé Kora gehört der 4x100-m-Staffel an und stellt mit ihr regelmässig Schweizer Rekorde auf. (Bild: Benjamin Manser)

«Wir haben in der Leichtathletik den Vorteil, dass Männer und Frauen bei den gleichen Meetings starten, die WM und die EM zusammen austragen. Deshalb nehme ich keinen Unterschied in der Aufmerksamkeit wahr. Natürlich ist die Einschaltquote beim 100-m-Final der Männer etwa an Olympischen Spielen am grössten. Die Zuschauer wollen sehen, wer der schnellste Mensch der Welt ist – und das ist eben der Mann.

Kenner hingegen beachten die Leistungen der Frauen genauso wie diejenigen der Männer und vergleichen auch nicht.

In der Schweiz profitieren wir zudem davon, dass die Frauen, etwa Mujinga Kambundji, Selina Büchel oder Lea Sprunger, sehr erfolgreich sind. Auch die Staffel bekommt viel Aufmerksamkeit. Es ist jedoch eine Tatsache, dass Frauen in der Leichtathletik mehr Haut zeigen. Früher habe ich mich dabei nicht wohl gefühlt. Heute stört es mich immer weniger. In der Leichtathletik arbeiten wir stark mit dem Körper, er steht im Vordergrund, ist unser Kapital. Da gehört es auch ein bisschen dazu.» (rba)

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