Fussball

Wer hat wirklich die besseren Nerven?

Basels Trainer Thorsten Fink wirkt vor dem Spiel gegen YB gereizt und konzentriert. Fink weiss, die Meisterschaft wird noch nicht jetzt entschieden.

Michele Coviello, Basel
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Wer nur beobachtet, hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. So wird uns unerschlossen bleiben, wie das Innenleben der Anwärter auf den Titel des Schweizer Meisters tatsächlich aussieht, wie sich die Teams des Leaders FC Basel und seines Verfolgers FC Zürich fühlen, wie deren Trainer in dieser entscheidenden Phase denken und handeln.

Wer nur beobachtet, kann aber immerhin Folgendes feststellen: Er sieht am vergangenen Montag einen sprudelnden FCZ-Trainer Urs Fischer. Am Tag vor dem Duell gegen die Young Boys ist dieser vollkommen gelöst, gewitzt und zeigt keinerlei Spannungen, auch wenn er Grund dazu hätte. Vier Stammspieler werden ihm gegen die formstarken Berner fehlen, der Innenverteidiger Jorge Teixeira ist angeschlagen. Trotzdem strahlt Fischer. Und er gewinnt am Tag danach mit 2:1. Der FCZ ist seit sechs Partien in Serie siegreich und zieht mit dem Leader Basel gleich. Das Strahlen fliesst in ein Grinsen über.

Nur drei Unentschieden

Wer am Karfreitag den Trainer des FC Basel beobachtete, bekam einen anderen Eindruck als denjenigen, den man von seinem Verfolger Urs Fischer hatte. Thorsten Fink spricht an der Pressekonferenz vor dem heutigen Spiel gegen die Young Boys leise, schaut sehr ernst in die Runde, wirkt angespannt, gereizt. Am Mittwoch beim 2:2 in Neuchâtel war Fink auf die Tribüne verbannt worden. Macht sich Nervosität breit? Gut möglich, denn nach einem hervorragenden Start in die Rückrunde ist nun alles anders geworden. Acht Spiele hatte der FCBasel nach der Winterpause in Folge gewonnen. Gegen die Young Boys (3:3), die Grasshoppers (2:2) und Xamax gab es in den vergangenen drei Partien nur drei Punkte. Der Vorsprung von sieben Zählern auf den FCZ ist innerhalb von zehn Tagen wie ein Kartenhaus eingestürzt, nur noch ein Punkt trennt die Meister der vergangenen sechs Saisons.

Doch ist das nur Nervosität, die durch Finks leicht verklärten Blick drückt? Nicht nur. Man glaubt dem deutschen Trainer, wenn seine Augen kurz aufblitzen und er sagt: «Ich bin voller Energie.» Vielleicht ist die in sich gekehrte Haltung auch ein Anzeichen von grosser Fokussierung. Genau diese fordert Fink nun von seiner Mannschaft, die gerade unter diesem Aspekt in den vergangenen drei Partien zu wünschen übrig gelassen hatte. Zweimal geriet sie nämlich gegen die Young Boys und die Grasshoppers in Rückstand, Xamax hätte aufgrund des Spielverlaufs mehrmals in Führung gehen können. Und zweimal verspielten sie gegen Xamax und YB in den Schlussminuten noch den Sieg. Deshalb verlangt Fink: «Wir müssen 94 Minuten lang konzentriert bleiben.»

Im richtigen Moment bereit

Gestern Mittag waren schon 29600 Tickets für das Spitzenspiel gegen das drittplatzierte YB abgesetzt. «Es wird eine Begegnung auf einem top Niveau sein», sagt Fink. Sein Selbstvertrauen ist ungebrochen. «Wir haben gezeigt, dass wir in diesen Spielen immer da sind.» Die Mannschaft habe Qualität, sie arbeite gut. Fink nimmt auch Druck von ihr, wenn er sagt: «Die Meisterschaft wird nicht jetzt entschieden, sondern später.» Es zähle, wer die besseren Nerven habe. Diese Frage ist noch ungeklärt, genauso wie die Folgende: Wer wird am Schluss grinsen?