Fussball

Türkische Investoren lassen den FC Wil hängen

Die türkischen Verwaltungsräte des FC Wil legen ihre Mandate per sofort nieder und kündigen ihr Darlehen. Dies gibt VR-Vize-Präsident Roger Bigger am Mittwoch an einer Pressekonferenz bekannt.

Markus Brütsch
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Investor Mehmet Nazif Günal zieht sich aus dem FC Wil zurück

Investor Mehmet Nazif Günal zieht sich aus dem FC Wil zurück

Keystone

Wiederholt sich in der Challenge League der Fall FC Biel? Nur ein Jahr, nachdem Präsident Carlo Häfeli die Seeländer in den Konkurs geführt hatte, hat die Swiss Football League den nächsten Imageschaden. Weil die türkischen Investoren um Milliardär Mehmet Nazif Günal ihr Interesse am FC Wil verloren und den Geldhahn zugedreht haben, steht es im Fürstenland miserabel um den lokalen Fussballverein.

«Heute ist ein trauriger Tag für den FC Wil», sagte der bisherige VR-Vizepräsident Roger Bigger an einer Medienkonferenz am Mittwochabend. «Vor ein paar Tagen haben wir die Meldung von den Rücktritten der Verwaltungsräte erhalten und dass alle Zahlungen eingestellt würden», sagte Bigger. Jeder Versuch einer Kontaktaufnahme mit den Türken, die bisher 30 Millionen investierten, sei gescheitert.

Klar sei, dass der FC Wil nicht die Mittel habe, um in dieser Form den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten und die überdimensionierten Löhne der Spieler weiter zu bezahlen. Doch Bigger gibt sich kämpferisch: «Ich verspreche, dass wir alles tun werden, um den FC Wil zu retten. Wir werden dessen Schicksal nicht hinauszögern, wie es die Bieler getan haben.»

So hat sich eine Task-Force gebildet, die bereits mit sämtlichen Mitarbeitern des FC Wil gesprochen und ausgelotet hat, wie sehr diese bereit sind, dem Verein entgegenzukommen und auf (viel) Geld zu verzichten. Hoffnung macht den Wilern, die am kommenden Wochenende spielfrei sind, dass es nicht viele Altlasten gibt, weil die Türken noch bis Ende Dezember ihren Verpflichtungen nachgekommen waren.

Bis Ende Februar will sich die Task-Force nun Zeit geben, den 13 Punkte vor Schlusslicht Schaffhausen auf dem fünften Rang liegenden FC Wil neu aufzustellen und das Budget für das kommende halbe Jahr auf 2 Millionen Franken runterzufahren. Gelingt das nicht, wird Wil
absteigen und im Sommer im Amateurfussball verschwinden.

Hintergrund für den Rückzug von Günal dürfte u.a. sein, dass dessen Stadionausbaupläne (er hätte 45 Millionen Franken investiert) in der Stadt Wil auf Ablehnung stiessen.