«Trudy» und «Helvetia» kosten den Bund Millionen

Unternehmer kauften Schiffe bei Pleite-Reeder. Das kommt Steuerzahler teuer zu stehen.

Henry Habegger
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Verluste für den Bund: SCL «Helvetia», hier kurz vor dem Stapellauf 2012.

Verluste für den Bund: SCL «Helvetia», hier kurz vor dem Stapellauf 2012.

Bild: Enzian Ship Management

Am Donnerstag setzt das Berner Wirtschaftsstrafgericht den Prozess gegen den ehemaligen Reeder Hans-Jürg Grunder fort. Ihm wird Betrug im Zusammenhang mit Schiffsbürgschaften des Bundes vorgeworfen. Grunders Flotten-Pleite kostet den Bund jetzt über 200 Millionen.

Bei diesem Prozess geht es nicht nur um Schiffe, die Grunder gehörten. Sondern auch um einen von drei Frachtern, die der Reeder 2013 an gut betuchte Schweizer Investoren vermittelt hatte.

Das Schiff hiess SCL «Basilisk», es wurde von Grunder an die Familienholding des Berner Wirtschaftsanwalts Nicolas Koechlin verkauft. In ihrer Anlage wirft die Berner Staatsanwaltschaft dem ehemaligen Reeder Grunder vor: Er habe Koechlin vorgetäuscht, das Schiff habe 24 Millionen Dollar gekostet. Dabei seien es nur gut 20 Millionen gewesen. Damit wurde mutmasslich auch der Bund betrogen: Der vorgetäuschte höhere Preis hatte zur Folge, dass auch die Bundesbürgschaft höher ausfiel als gesetzlich erlaubt.

Nur einer von drei Investoren als Privatkläger

Kein Thema am Berner Strafprozess sind dagegen die zwei anderen Schiffe, die Grunder an Investoren verkaufte. Ihre Namen: SCL «Helvetia» und SCL «Trudy». Die Schiffseigentümer treten im Unterschied zu Koechlin auch nicht als Privatkläger gegen den Reeder auf. Obwohl laut Insidern die Umstände der Finanzierung – und somit auch die Unregelmässigkeiten – die gleichen sein dürften wie bei der «Basilisk».

Hinter der «Helvetia» steht als Investor Oskar Schwenk, Patron der Pilatus-Flugzeugwerke. Hinter der «Trudy» ist es Konrad Schnyder, dessen Familie das Schienenbauunternehmen Sersa gehört.

Die Koechlins betreiben ihr Schiff, die «Basilisk», noch immer. Man versuche, die Steuerzahler so wenig wie möglich zu belasten, sagte Koechlin letzte Woche am Rand des Prozesses im Gespräch.

Die «Helvetia» und die «Trudy» dagegen kommen oder kamen unter den Hammer. Im Budget 2020 des Bundes ist für die beiden Schiffe ein Nachtragskredit von insgesamt 28,3 Millionen eingeplant. Die Investoren seien «nicht mehr bereit, für die Weiterführung des Betriebs weitere Eigenmittel einzubringen», begründete der Bundesrat. Die Banken zogen darauf die Bürgschaften. So blieb nur der Notverkauf, der pro Frachter nur einen mittleren einstelligen Millionenbetrag einbringen dürfte.

Zehn Millionen Verlust pro Investorenschiff

«Bei der Trudy beträgt der Verlust für den Bund 9,7 Millionen Franken», heisst es auf Anfrage im zuständigen Wirtschaftsdepartement von Bundesrat Guy Parmelin. Der Verkauf der «Helvetia» sei noch nicht abgeschlossen. Der Verlust für den Bund dürfte laut Insidern in ähnlichem Rahmen oder etwas höher ausfallen. Die vom Bund zuletzt verbürgten Kredite bei der «Helvetia» lagen mit 18,1 Millionen etwas höher als bei der «Trudy» (17,3 Millionen).

Weit über 300 Millionen verliert der Bund bis jetzt mit seinen Schiffbürgschaften. Zu den 200 Millionen von Grunder und den 20 für die zwei Investorenschiffe kommen die 128,7 Millionen, die der Bund für den Notverkauf der Schiffe der Genfer Massoel-Reederei veranschlagt. Einige Verkaufserlöse kommen noch in Abzug, und der Bund tritt als Privatkläger gegen Grunder auf.

Derzeit fahren noch 21 Schiffe unter Schweizer Flagge. Und noch sind Bürgschaften von über 300 Millionen offen.

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