Fussball-WM
Trotz schwacher Leistung: Xhaka gegenüber Mehmedi im Vorteil

Ottmar Hitzfeld deutete nun erstmals an, mit welchen elf Spielern er im Hinblick auf den WM-Start wirklich plant. Die Chancen für Granit Xhaka stehen gut, obwohl er gegen Jamaica nicht überzeugte.

Sven Schoch, Weggis
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Mehmedi (l.) trainiert, Xhaka (r.) steigt über das Geländer.

Mehmedi (l.) trainiert, Xhaka (r.) steigt über das Geländer.

Keystone

Am Ende der ersten Camp-Woche in Weggis formierte der Nationalcoach erstmals auch bei längeren taktischen Übungen jene Formation, mit welcher an der Endrunde wohl zu rechnen sein wird. Granit Xhaka trainierte als Spielmacher, für den aufstrebenden «Freiburger» Admir Mehmedi blieb nur ein Platz in der Equipe der möglichen Reservisten.

Ein (zweiter) Poker Hitzfelds ist nach den diversen Rochaden im ersten Test gegen Jamaika (1:0) zwar nicht kategorisch ausgeschlossen. Die täglichen Einheiten lassen durchaus Raum zur Interpretation offen, aber der Selektionär ist nicht bekannt dafür, in entscheidenden Phasen zu experimentieren und Spielern aus dem engsten Kreis plötzlich das Vertrauen zu entziehen.

Auf Xhaka setzte er während der WM-Qualifikation in acht von zehn Spielen. Dass der frühere Junioren-Weltmeister bei Borussia Mönchengladbach in den letzten Wochen kaum mehr und vor allem auf einer anderen Position zum Einsatz gekommen ist, taxiert Hitzfeld offenbar nicht als massgeblich für das Casting der WM-Starter.

Josip Drmic: 4,5 Kam in der 46. Minute für Seferovic. Riesenchance vermasselt. Dann doch noch getroffen.
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Johan Djourou: 3 Strahlt nie Sicherheit aus. Häufig einen Schritt zu langsam. Glück bei seiner unbestraften Notbremse.
Reto Ziegler: 2,5 Sehr viele schwache und einige unterirdische Aktionen. Kasami wäre sogar als Aussenverteidiger besser als er.
Diego Benaglio: 4 Wurde kaum geprüft. Wie auch gegen diese bescheidenen Jamaika-Kicker? Bei Flanken souverän.
Granit Xhaka: 3 Häufig einen Schritt zu langsam. Man merkt ihm die Verunsicherung aus dem Klub an.
Yann Sommer: 4 In der 46. Minute für Benaglio eingewechselt. Auch er durfte den ganzen Abend keine Parade zeigen.
Xherdan Shaqiri: 4,5 Wenigstens hat der Betrachter stets das Gefühl, es könne Torgefahr entstehen. War schon besser.
Haris Seferovic: 3 Die Bindung zu den Flügeln fehlte meistens. Im Vergleich mit Drmic klar im Nachteil.
Stephan Lichtsteiner: 4,5 Auch in einem Testspiel jederzeit motiviert für einen dynamischen Flügellauf. Defensiv nicht gefordert.
Philippe Senderos: 4 Solide Arbeit in der eigenen Hälfte. Genauso wenig begabt beim öffnenden Pass wie sein Partner Djourou.
Admir Mehmdi: 4,5 Guter Auftritt. Kernige Distanzschüsse, nahe am Torerfolg. Schied mit Fussverletzung aus.
Blerim Dzemaili: 4 Schöner Pass auf Drmic beim Siegtreffer. Sein Mut zum Risiko wurde ansonsten nicht belohnt.
Gökhan Inler: 4,5 Kam in der 46. Minute für Behrami. Sofort ordnendes Element im Schweizer Spiel.
Valon Behrami: 4 Beruhigend, dass er körperlich fit scheint. Seine starke, aggressive Zweikampf-Führung wird noch wichtig.

Josip Drmic: 4,5 Kam in der 46. Minute für Seferovic. Riesenchance vermasselt. Dann doch noch getroffen.

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Von Bergen und Schär

Auch im Zentrum der Abwehr zieht Hitzfeld keine Umstellungen in Erwägung. Steve von Bergen und Fabian Schär gehören zur ersten Reihe – sofern der FCB-Verteidiger Schär am Dienstag gegen Peru fünfeinhalb Monate nach dem operativen Eingriff an der Patellasehne den physischen Ansprüchen vollumfänglich genügt. Ansonsten stünden Philippe Senderos oder Johan Djourou bereit.

Bei allen übrigen Positionen erübrigt sich jede Diskussion. Benaglio, Lichtsteiner, Rodriguez, Inler, Behrami, Shaqiri, Stocker und Drmic sind derzeit gesetzt. Sie gehören zum A-Team, auch wenn Hitzfeld sich gegen eine solche Klassifizierung seiner Equipe stemmt.

Barnetta und Gavranovic zurück

Klar ist inzwischen auch, dass die Schweiz am 6. Juni mit der aktuellen 23er-Auswahl nach Brasilien fliegen wird. Nachnominierungen sind keine nötig. Tranquillo Barnetta kehrte am Samstag im 45-minütigen Trainingsspiel gegen den Erstligisten Tuggen (2:0) auf den Rasen zurück. «Ich hatte eigentlich nie Angst, die WM zu verpassen», meldete der Rückkehrer. Gut erholt hat sich auch Mario Gavranovic. Die Bänderüberdehnung am Knöchel ist abgeklungen, der FCZ-Stürmer bestritt am Sonntag wieder das normale Pensum.

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