Captain-Abgang

Streller zum Abschieds-Maischtertrack: «Ich hatte Tränen in den Augen»

Am Freitag spielt der FC Basel sein letztes Meisterschaftsspiel gegen den FC St. Gallen. Im Zentrum steht jedoch der Abschied von Marco Streller. Captain, Identifikationsfigur, Leader.

Céline Feller
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Am Freitag spielt er sein letztes Meisterschaftsspiel für den FC Basel und seiner Karriere: Marco Streller. Captain, Identifikationsfigur, Leader.

Am Freitag spielt er sein letztes Meisterschaftsspiel für den FC Basel und seiner Karriere: Marco Streller. Captain, Identifikationsfigur, Leader.

Keystone

Ganz alleine sitzt er auf dem Podium. Wartet, bis Paulo Sousa zur Pressekonferenz kommt. Marco Streller ist locker. Macht Spässe mit den anwesenden Journalisten. Er ist die Gelassenheit in Person.

Auf sein letztes Meisterschaftsspiel angesprochen, dass er am Freitagabend im heimischen Joggeli spielen wird, wird Streller aber etwas ernster. Die Anspannung ist da. Ein mulmiges Gefühl, so der Captain. Zum einen, weil er nicht weiss, wie lange er spielen wird. «Ich gehe schon davon aus, dass ich von Beginn an spiele. Aber ich habe keine Ahnung.» Er hoffe einfach, dass er etwa 60 Minuten spielen könne. «Im Hinblick auf den Cupfinal von nächster Woche brauche ich schon noch ein paar Minuten.»

Doch es ist nicht nur die Einsatzzeit an seinem letzten Heimspiel, die Streller etwas unruhig macht, sondern auch seine Überraschung. «Um mich herum brodelt es. Alle wissen Bescheid. Meine Frau weiss Bescheid, meine Eltern wissen Bescheid. Nur ich weiss nicht Bescheid.» Doch der Verein will nichts verraten. Auf die Frage, was Paulo Sousa persönlich für eine Überraschung für seinen Captain habe, antwortet er gut gelaunt: «Dass ich ihn nicht spielen lasse.»

Derlis Gonzalez fehlt Basel in letzter Runde

Derlis Gonzalez steht dem Schweizer Meister Basel am Freitag in der letzten Runde der Super League gegen St. Gallen nicht zur Verfügung.

Der Mittelfeldspieler bereitet sich mit Paraguay auf die am 11. Juni beginnende Copa America in Chile vor.

Ob er am Cupfinal am 7. Juni gegen Sion im Einsatz stehen wird, ist noch unklar. Dies sagte FCB-Trainer Paulo Sousa an der Pressekonferenz vom Mittwoch.

Der 21-jährige Gonzalez kam in dieser Saison in sämtlichen Wettbewerben 35 Mal zum Einsatz und erzielte sechs Tore. (SI)

Und genau das hat Streller langsam auch begriffen. «Ich wollte die ganze Zeit nicht zu viele Emotionen zulassen. Aber seit dieser Woche ist mir bewusst, dass das mein letztes Meisterschafts-Spiel sein wird.» Es seien «komische Gefühle» in ihm. «Es tut mir schon ein bisschen weh. Aber ich bin nach wie vor überzeugt, dass es richtig ist.»

Die grosse Überraschung

Dass mit Streller der grösste FCB-Spieler der Neuzeit geht - und das nicht nur wegen seiner Körpergrösse - ist unbestritten. Auch deshalb hat sich der FCB etwas Spezielles überlegt. «Wir bitten deshalb alle, schon eine halbe Stunde vor Anpfiff, also zirka um 20 Uhr, im Stadion zu sein», so Pressesprecherin Andrea Roth. Und Streller, er ist sich sicher, dass seine Emotionen überschwappen werden. «Es werden wahrscheinlich schon Tränen fliessen», sagt Streller, der für seinen emotionalen Abschied 40 Tickets für Freunde und Bekannte besorgt hat. «Sie werden sehr weit unten sitzen. Und auch meine Kinder sind im Stadion.»

Zusammenreissen ist für ihn kein Thema. «Auch ein Mann darf mal Schwächen zeigen.» Und wenn man Streller kennt, und daran zurück denkt, wie sehr ihn die Abschiede seiner Freunde Beni Huggel oder Valentin Stocker bewegt haben, dann kann man sich ausmalen, wie der 33-Jährige am Freitag reagieren wird.

Ein paar erste Tränen hat er bereits heute Mittwoch verdrückt. Vor dem Mittag hat die Rap-Combo TripleNine ihren sechsten Maischtertrack veröffentlicht, den sie explizit dem Captain gewidmet haben. «Ich habe ihn gerade vorher gehört. Ich habe Tränen in den Augen gehabt. Und Gänsehaut hatte ich auch. Solch eine Anerkennung zu bekommen, das hat mich tief berührt.»

TripleNine – Alles verdient (Streller-Maischtertrack 2015)

Abart: Mir sin ä eige Volk, sin unheimlich stolz.
Trage s Härz uf dr Zunge, s isch us reinem Gold.
Du verkörperisch das, verkörperisch d Stadt.
Im Pub, uf em Platz, in dr Möst und am Match.
Mit diner Grössi überaggsch, doch stellsch di nie drüber.
Drum liebt di d Mannschaft das seht und spührt mr.
Willd nid andersch chasch blibsch dr Strelli vo frühner.
Pipi glich was d machsch y wünsch dr Glück und Chraft.

Fetch: No e letschti Flanke zwüsche Birs und Baracke.
Schabernack im Training, mit Teamkollege lache.
Parole vo dr Kurve lüüchte hell uff em Haag.
Dur d Masche luege Kinder, hütt isch e grosse Daag.
S Kilometerwägli mit em Velo durab.
S Joggeli im Blick – dr allerletschti Match.
Captain! Loh di fyyre, loh di goh.
Alli Türe stöhn dr offe – Härze sowieso.

Refrain: Die Titel, die Kischte – mr vergässe sie nie.
E Ära goht z Änd, löhn dr Captain lo zieh.
S Stadion singt, e Stadt salutiert.
Merci Marco – hesch alles verdient.
Die Titel, die Kischte – mr vergässe sie nie.
E Ära goht z Änd, löhn dr Captain lo zieh.
S Stadion singt, e Stadt salutiert.
Merci an d Mannschaft, das hänn dr verdient.

Zitral: Adie Marco, e Stadt wird di vermisse.
Danggscheen fir s Härzbluet und vrdammi vill Kischte.
Danggscheen fir alles und fir none klai meh.
Und fir meh Yysatz als je en andre könnt geh.
Friehner hämmer Karli kah, jetzt hämmer di.
Y zieh mi Huet und sing demüetig Ständli fir di.
Bisch in dr gröschte Phase dr Schönscht uffm Rase.
Lang läbi Streller, dr König vo Basel!

Jean Luc Saint Tropez: Am elfte siebte null ains bisch doo
glanzvoll gstartet mit me Aigegool.
Wennd e letschts mol fyr uns ufe Rase trittsch
und bim Gegner dr Ball in de Masche zischt,
luege mr lachend zrugg doch dr Abschied isch bitter,
klatsche und dangge für fantastisch Zytte.
Zem Schluss no e Statement in aigener Sach:
Dä Track isch dr letscht für e Maischterschaft.

Refrain

Du fiehrsch und schaffsch Synergie und Chraft.
6 mol in Folg erfüllsch Härze mit Stolz.
S Team und dr Stuff erschafft Lyydeschaft.
6 mol in Folg unsri Härze voll Stolz.

Refrain

Geschenk an sich selbst zum Abschluss?

Das Spiel am Freitag, es wird speziell. Und Streller, er kann sich sogar noch selber beschenken. 199 Tore hat er in seiner langen Karriere bisher erzielt. Eines fehlt noch, um die 200 voll zu machen. «Es würde mich natürlich sehr freuen, wenn ich gegen Marcel spielen könnte - und treffen natürlich.» Marcel, das ist Marcel Herzog, Torhüter beim FC St. Gallen, dem Gegner vom Freitag. Damit der an dieser Stelle auch noch erwähnt ist. Auch wenn es, sind wir mal ehrlich, in Basel niemanden wirklich interessiert, gegen wen die Basler vor der grossen Meistersause spielen. Und Herzog, das ist auch einer der besten Kollegen von Streller. Gegen ihn das 200. Karrieretor zu schiessen, würde irgendwie passen.

Vielleicht spart er es sich aber auch für den Cupfinal auf, der eine Woche später über die Bühne geht. «Das wäre schon fast kitschig, aber ich mag das. Ich mag ja auch Schnulzen-Filme», sagt Streller und lacht.

Streller stiess im Jahr 2000 zum FC Basel. Anschliessend wurde er zu Concordia Basel und Thun ausgeliehen.
6 Bilder
Marco Streller (hier bei der Meisterfeier 2014) wurde acht Mal Meister mit dem FCB.
Zuletzt in seiner Abschlusssaison.
Am 31. August absolvierte Streller das 300. Wettbewerbsspiel für den FC Basel.
Marco Streller tritt zurück
Für die Nationalmannschaft absolvierte Streller 37 Spiele und erzielte dabei 12 Tore. Im Nati-Dress fühlte sich der Basel oft missverstanden und trat 2011 zurück.

Streller stiess im Jahr 2000 zum FC Basel. Anschliessend wurde er zu Concordia Basel und Thun ausgeliehen.

Keystone

Und Streller wäre nicht Streller, wenn er sich nicht noch über sich selbst lustig machen würde. «Es wäre schön, wenn das 200. Tor kommen würde. Aber mit dem Eigentor habe ich ja schon 200», sagt er und spielt auf das Eigentor an, dass er in seinem ersten Profi-Spiel für den FCB erzielte.

Streller sagt aber auch immer wieder, dass ihm das Erreichen dieser Zahl nicht wichtig sei. 199 sei auch eine schöne Zahl. Und zum herrlich unperfekten und deshalb so sympathischen Aushängeschild des FCB würde diese Unvollkommenheit irgendwie passen. Sollte sich die Gelegenheit bieten, er würde sie sich aber natürlich nicht nehmen lassen. Ein Penalty wäre doch die einfachste Möglichkeit, wird er gefragt. Streller lacht, und sagt, «für mich nicht!» Aber er habe geübt. Und er würde ihn schiessen.

Da ist er wieder, der lockere Streller, der im Laufe der Medienkonferenz sogar über seinen sehr emotionalen Abschied scherzen kann. Noch zwei Tage, und dann läuft er ein letztes Mal ein in «sein» Joggeli. Und dann wird er nicht alleine sein. 31'800 Tickets wurden bereits verkauft, und es werden sicher noch mehr werden. Und es ist nicht vermessen zu sagen, dass die Mehrheit wegen ihm da sein wird. Denn alle wollen sie den grössten FCB-Spieler der Neuzeit noch einmal sehen.