Champions League

Real Madrid und Schalke mit einem Bein und vier Zehen im Halbfinal

Die Vorzeichen vor den heutigen Viertelfinal-Rückspielen in der Champions League sind eindeutig. Nur ein Wunder kann Inter und Tottenham noch in die Halbfinals verhelfen.

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Jubiläum für Mourinho

Jubiläum für Mourinho

Keystone

Hochspannung sieht anders aus. Im Toto würde man von einer klaren Bank für Schalke 04 und Real Madrid sprechen. Die Spanier müssten heute in London ein wahres Torfestival des Gegners über sich ergehen lassen, um noch um die zwei zusätzlichen "Clasicos" im Halbfinal gegen Erzrivale Barcelona geprellt zu werden. Mindestens fünf Treffer braucht Tottenham, um die Königlichen noch eliminieren zu können. Ein ähnliches Gewitter müsste sich auch über der Veltins-Arena zusammenbrauen, um Schalke noch am Einzug in den Halbfinal gegen Manchester United zu hindern. Die Deutschen haben vor Wochenfrist das Hinspiel im Mailänder San-Siro-Stadion sensationell 5:2 für sich entschieden. Wegen den fünf Auswärtstoren von Schalke benötigt Titelverteidiger Inter mindestens vier Treffer fürs Weiterkommen.

Inter tritt aber heute Abend in Schalke nicht nur mit einer Hypothek, sondern auch gegen das Gesetz der Serie an. Seit Einführung der Champions League 1992/93 ist es noch keinem Titelverteidiger gelungen, die Trophäe in der darauffolgenden Saison erfolgreich zu verteidigen. "Wir treten nicht an, um nur eine gute Figur abzugeben - nein, wir wollen weiterkommen", sagt jedoch Inters auf ein Wunder hoffender Routinier Esteban Cambiasso.

Der argentinische Mittelfeldspieler bekam von seinem Trainer verbale Unterstützung. "Im Innersten glauben wir, dass alles möglich ist. Ich glaube daran und meine Spieler glauben auch daran", versicherte der Brasilianer Leonardo. Im Achtelfinal hatten die "Nerazzurri" ihren Hals nach einem 0:1 in Mailand auswärts gegen Bayern München mit einem Kraftakt (3:2) noch aus der Schlinge gezogen.

Samuel Eto'o, der einst mit Barcelona im spanischen Cup gegen Getafe 5:1 gewann und dann mit 0:4 auswärts rausflog, machte seinen Mitstreitern Mut. "Inter kann alles schaffen - Träume sind noch erlaubt", meinte der Kameruner Stürmer. Inter hat den brasilianischen Abwehrchef Lucio wieder zur Verfügung, muss aber diesmal den gesperrten Rumänen Cristian Chivu ersetzen. Walter Samuel, der wegen eines Bänderrisses fünf Monate gefehlt hat, figuriert ebenfalls wieder im Kader der Italiener.

Was sagt die Statistik? In der "Königsklasse" ist es bisher noch keinem Team gelungen, nach einer derart hohen Heimschlappe noch weiterzukommen. Die Schalker, die noch keines von fünf Heimspielen gegen italienische Teams verloren haben, wollen sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen und erstmals in die Runde der letzten vier einziehen. Die "Knappen" schieden im Europacup noch nie aus, wenn sie zuerst in der Fremde siegten.

Tottenham-Coach Harry Redknapp sieht seine Ausgangsposition vor dem Duell mit Real Madrid realistisch: "Es waren bisher tolle Erlebnisse für uns und ich bin mir sicher, dass wir am Mittwoch wieder eine grosse Erfahrung machen werden. Wir werden unser Bestes versuchen, und dann sehen, was herauskommt." Redknapp muss an der White Harte Lane, wo die "Heisssporne" seit neun Europacup-Spielen nicht mehr verloren, aber noch nie einen spanischen Vertreter bezwungen haben, allerdings auf Peter Crouch verzichten, der ihm Hinspiel bereits in der ersten Halbzeit nach zwei dummen Fouls vom Platz gestellt worden war. Auf der Gegenseite fehlt der gesperrte Pepe.

Reals Trainer José Mourinho zeigte vor Tottenham grössten Respekt. Wenn jemand vier Tore Differenz aufholen könne, dann nur englische Vereine. Der Portugiese, der zum 500. Mal in seiner Karriere auf der Bank Platz nehmen wird, hatte am Wochenende gegen Athletic Bilbao eine B-Garnitur aufgeboten und könnte auch im Hinblick auf den bevorstehenden "Clasico" in der Primera Division am Samstag den einen oder anderen Spieler schonen. Cristiano Ronaldo, Angel Di Maria, Sergio Ramos, Ricardo Carvalho und Raul Albiol wären im Fall einer gelben Karte im ersten Halbfinalspiel gesperrt.