Fussball

Henchoz: «Sie scheitern an der englischen Physis»

Kein Schweizer ist in England erfolgreicher gewesen als Stéphane Henchoz. Auf der Insel hat er auch die Ausbildung zum Trainer (Uefa-Pro-Lizenz) absolviert, die er im Juni abschliesst.

Markus Brütsch
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Stéphane Henchoz (links) im Kampf mit dem ehemaligen Basler Christian Gimenenz in der Champions League.

Stéphane Henchoz (links) im Kampf mit dem ehemaligen Basler Christian Gimenenz in der Champions League.

Keystone

Stéphane Henchoz, was raten Sie einem 16-Jährigen und dessen Eltern, wenn ein Angebot der Academy des FC Chelsea vorliegt?

Stéphane Henchoz: Ich denke, dass ein Spieler in der Super League gespielt haben sollte, bevor er ins Ausland geht. Die Chance, es bei Chelsea ins erste Team zu bringen, liegt bei null. Manchmal wird aber so viel Geld geboten, wie Eltern in ihrem ganzen Leben nicht gesehen haben. Die Infrastruktur mag besser und die Ausbildung okay sein; wenn der Spieler jedoch später nicht reüssiert, steht er vor dem Nichts. In der Schweiz dagegen absolviert er parallel zum Fussball eine Ausbildung.

Allerdings schaffen auch Schweizer Spieler, die sich in der Super League etabliert haben, den Durchbruch kaum einmal.

Der Schritt von der Schweiz nach England ist nicht möglich. Die Schweizer sind der unglaublichen Physis und der Schnelligkeit nicht gewachsen. Ich selber habe zwei Jahre gebraucht, um mich an diesen Stil zu gewöhnen. Ich sage sogar: Wenn ich zuvor nicht zwei Jahre beim Hamburger SV in der Bundesliga gespielt hätte, wäre ich in England chancenlos gewesen.

Aber Kay Voser und Cabral haben sogar mit dem FCB in der Champions League gespielt. Und Voser hat es selbst in der zweiten Liga, der Championship, nicht gepackt.

Das Scheitern hat nichts mit der Technik oder der Taktik zu tun. In diesem Bereich sind die Schweizer nicht schlechter, teilweise sogar besser. Das zeigen die Ergebnisse der Engländer im Europacup immer wieder.

Ist dieser spezielle Stil der Premier League der einzige Grund, weshalb sich Schweizer hier so viel schwerer tun, als in der Bundesliga?

Nein. Die Deutschen kennen die Schweiz und respektieren die Schweizer. In England aber bist du nichts. Du hast null Kredit. Die Engländer kennen den Schweizer Fussball gar nicht. Ein Brasilianer dagegen ist super, allein weil er Brasilianer ist.

Würde Xherdan Shaqiri in die Premier League passen?

Ja, klar. Ich hatte erwartet, dass er in England oder Spanien eine neue Herausforderung sucht. Nicht in Italien.

Was macht die Premier League aus?

Die Leute lieben sie, weil sie Spektakel bietet. Es passiert immer etwas und das Spiel ist auch deshalb schnell, weil die Schiris weniger pfeifen.

Lesen Sie hier, wie es Miro Muheim beim FC Chelsea ergeht.