FC Basel

Fabian Schär: «Einsteigen in den Real-Bus? Sofort!»

Der Innenverteidiger surft auf der Erfolgswelle: Fünf Siege in Serie mit Basel, zum Stammspieler in der Nationalmannschaft aufgestiegen. Vor dem Champions-League-Knaller gegen Real Madrid erklärt er, wie er sich verändert hat.

Sebastian Wendel
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Fabian Schär hat gute Gründe, der Zukunft relaxt entgegenzublicken.

Fabian Schär hat gute Gründe, der Zukunft relaxt entgegenzublicken.

Aargauer Zeitung

Kennen Sie die Masse Ihres Brustumfangs?

Fabian Schär: Meines Brustumfangs? Nein...wieso? Muss es 90-60-90 sein?

Nicht unbedingt. Jedoch dürften Sie aktuell mit deutlich breiterer Brust auftreten als noch vor ein paar Wochen?

Wenn ich mich so anschaue, sehe ich äusserlich keine Veränderung. Aber innerlich schon, ich fühle mich deutlich besser als noch zu Saisonbeginn.

Goals, Assists, Talent: Best Of Fabian Schär 2013/2014.

Fünf Siege in Serie mit dem FC Basel, der Aufstieg zum Stammspieler in der Nationalmannschaft. Besser kann es zurzeit nicht laufen.

Absolut, die vergangenen Wochen waren sehr erfreulich. Vorher war ich selber mit meinen Leistungen nicht zufrieden, nun habe ich mich gefangen.

Und gehen mit ganz anderen Voraussetzungen in den Knüller gegen Real Madrid als noch vor dem Hinspiel: Damals wurden Sie im vorangegangenen Spiel gegen GC nach 37 Minuten ausgewechselt und wirkten verunsichert.

Damals hatte ich tatsächlich nicht viel Vertrauen in meine Leistungen. Es war für mich und für die Mannschaft eine schwierige Phase.

Hand aufs Herz: Schlottern Ihnen angesichts von Namen wie Ronaldo, Bale, und Kroos die Knie?

Wir werden gegen Real Madrid immer Aussenseiter sein. Und würden wir dann noch mit Angst ins Spiel gehen, wären wir dem Untergang geweiht. Wenn man das Real-Kader anschaut, staunt man nur. Aber es dominiert die Freude, gegen eine solche Auswahl spielen zu dürfen. Wir gehen in die Partie, um ein gutes Resultat zu holen.

Ich behaupte: Gegen Real Madrid werden Sie besser spielen als am Sonntag gegen den FC Zürich.

Das sagen Sie...

Und was sagen Sie?

Sprechen wir nach dem Spiel gegen den FCZ nochmals darüber. Zürich ist für uns genauso wichtig wie Real. Ich stelle die Gegenthese auf, dass ich in beiden Spielen gut auftreten werde.

In dieser Saison zeigten Sie Ihre besten Leistungen in den «grossen Spielen» in der Champions League oder mit der Nationalmannschaft. In der Super League schlichen sich Flüchtigkeitsfehler ein.

Das stimmt, ich möchte das aber nicht mit der Attraktivität der Gegner begründen. Zum Beispiel war meine Leistung im Cup gegen Wohlen gut, nur ist das nicht so aufgefallen, weil der Gegner «nur» aus der Challenge League war. Ich habe gelernt: Gegen die Kleinen muss man sich als Verteidiger noch mehr konzentrieren. Früher war das anders, da habe ich während Spielen auch mal fünf Prozent an Konzentration verloren.

Wie haben Sie das gelernt?

Ich bin ein Verteidiger, der ab und zu das Risiko sucht mit einem Dribbling oder einem Pass durch die Mitte. Risiko ist gut, aber nur im richtigen Moment. Ich musste lernen, auch mal dreckig zu spielen und den Ball auf die Tribüne zu schlagen – auch wenn der Gegner Wohlen ist. Als Verteidiger geht es nicht darum, einen Schönheitspreis zu gewinnen, sondern primär lautet die Aufgabe, Tore zu verhindern.

Hat diese Entwicklung mit dem neuen Trainer Paulo Sousa zu tun?

Ich denke nicht. Ich habe selber realisiert, dass ich defensiv stabiler werden muss.

Haben Sie in Ihren Abläufen etwas geändert?

Ich arbeite mental anders: Heute rede ich mir während des ganzen Spiels ein: Fabian, bleib konzentriert, lass dich von nichts und niemandem ablenken! Es waren kleine Schritte zum Erfolg: Jedes Spiel, in dem ich ohne Flüchtigkeitsfehler geblieben bin, hat mir gezeigt, auf dem richtigen Weg zu sein. Heute bin ich so fokussiert wie noch nie. Fehler können immer passieren – als Spieler kann man aber die Ursache beeinflussen.

Diese Entwicklung zeugt von Reife. Die Zeit, in denen Sie sich in einem Traum wähnten, ist vorbei.

Ich bin angekommen in der Realität. Fussballer zu sein ist immer noch ein Privileg, aber ich habe meine Erfahrungen gesammelt und bin mittlerweile ein gestandener Spieler.

Fühlen Sie sich mittlerweile als Führungsspieler?

Immer mehr, ja. Ich durfte ein paar Mal die Captain-Binde tragen, das zeugt auch von meinem Stellenwert. Mittlerweile gehöre ich ja zu den Spielern, die am längsten im Klub sind – obwohl ich noch sehr jung bin (22; Anm. d. Red.).

Einen Quantensprung haben Sie auch in der Nationalmannschaft gemacht. Gegen Litauen und Polen sind Sie im Abwehrzentrum an Steve von Bergen vorbeigezogen.

Diese zwei Spiele waren sehr, sehr wichtig. Die Schwierigkeiten zu Beginn der Saison spürte ich auch in der Nationalmannschaft. Ich bin Vladimir Petkovic dankbar dafür, dass er mir die Chance in der Startelf gegeben hat.

Zusammengefasst: Im nächsten Sommer sind Sie reif für den Wechsel ins Ausland.

Ob man reif ist, zeigt sich erst im Nachhinein. Aber ja: Ich bin jetzt ein anderer Spieler als noch vor einem Jahr, ich habe Erfahrungen gesammelt, die es braucht für einen Wechsel ins Ausland. Wann das sein wird? Ich weiss es nicht – ich bin glücklich in Basel. Es muss viel stimmen, sollte ich den Klub verlassen.

Ihr Vertrag läuft bis 2016 – schliessen Sie eine Verlängerung aus?

Ich schliesse per se nichts aus.

Basel wollte im September mit Ihnen über eine Verlängerung sprechen, Sie haben abgelehnt. Warum?

Ich war nicht zufrieden mit meinen Leistungen, der Mannschaft lief es nicht gut – ich wollte erst wieder in Topform kommen.

Just in dieser Phase wurden Sie gegen GC vom Trainer schon in der ersten Halbzeit ausgewechselt. Haben Sie die Gespräche auch deswegen abgelehnt?

Sicher habe ich mir das nicht so vorgestellt, im Moment war es schlimm für mich. Aber der Trainer hat danach mit mir gesprochen und mich anschliessend in Madrid wieder aufgestellt. Die Sache wurde medial aufgebauscht.

Es gab im vergangenen Sommer Anfragen von interessierten Vereinen - wie konkret war ein Transfer?

Ich wusste vom Interesse, aber ich habe nie mit einem Verein gesprochen.

Es gibt Stimmen, die behaupten, der FCB habe eine zu hohe Ablösesumme für Sie verlangt.

Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich weiss nicht, welche Vorstellungen der FCB hat. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Klub keinem Spieler Steine in den Weg gelegt hat.

Wie viel sind Sie denn wert?

Was für eine Frage (lacht). Im Moment sicher wieder mehr als vor zwei Monaten.

Wie geht es Ihrem linken Knie?

Nach der Operation vor einem Jahr gab es ein paar Komplikationen. Mittlerweile haben wir es gut im Griff.

Man hört, ganz ohne Schmerzen in der Patella-Sehne werden Sie nie spielen können.

Das muss ich verneinen, zurzeit fühlt es sich sehr gut an. Dass auf diesem Niveau mal etwas schmerzt, ist normal.

Spüren Sie Druck, wegen Ihres Problemknies so schnell wie möglich einen gut dotierten Vertrag zu unterschreiben?

Nein, auf keinen Fall. Das wäre der falsche Ansatz. Ich muss mich wohlfühlen, sprachlich, kulturell und die Perspektiven müssen stimmen.

Was, wenn im Winter Moskau fünf Millionen pro Jahr bietet?

Im Fussball darf man nie etwas ausschliessen und sich somit verbauen. Doch meine Planung sieht anderes vor, als nach Russland zu gehen. Wenn meine Wünsche in Erfüllung gehen sollten, stimmt neben dem Sportlichen automatisch auch der Rest.

Was muss ein Angebot enthalten, damit Sie zusagen?

Eine attraktive Liga, sportliche Perspektiven, ein schöner Lebensraum, nicht zu weit entfernt vom privaten Umfeld. Deutschland und England sind sehr attraktiv, Anfragen aus Italien und Spanien würde ich mir genauso anhören.

Und zu welchem Verein würden Sie zu Fuss gehen?

Wenn mich Real Madrid nach dem Spiel am Mittwoch in den Bus bittet, würde ich sofort einsteigen (lacht).