FC Basel

Erfolgreicher Kampf um die Zuschauer bei den FCB Frauen: Zufall oder öffentlicher Druck?

Die FCB Frauen sind wütend, weil sie vor leeren Rängen spielen müssen. Sie fordern öffentlich Gleichberechtigung. Mit Erfolg.

Laura Pirroncello, Jakob Weber
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Camille Surdez und die FCB Frauen spielen erfolgreich. Aber ihre Heimspiele fanden bislang vor leeren Rängen statt.

Camille Surdez und die FCB Frauen spielen erfolgreich. Aber ihre Heimspiele fanden bislang vor leeren Rängen statt.

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«Wo bleibt die Gleichberechtigung?» Zahlreiche Spielerinnen der FCB Frauen haben ihrem Unmut am Mittwoch in den sozialen Medien freien Lauf gelassen. Mehrere Teammitglieder reposteten Beiträge zum Thema «Verbot von Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen». Dazu schrieben sie in möglichst grossen Lettern, sodass man es nicht übersehen kann, Sätze wie zum Beispiel: «Und bei uns Frauen sind keine Zuschauer erlaubt?! Schockiert das niemanden?»

Die Frauen sind sich einig: So etwas ist traurig für den Frauenfussball.

Die Frauen sind sich einig: So etwas ist traurig für den Frauenfussball.

Instagram Riola Xhemaili

Die FCB-Frauen fühlen sich gegenüber den Männern eindeutig ungerecht behandelt. Eine Spielerin schreibt in ihrem Post: «Bei uns würden nicht einmal 200 Zuschauer kommen! Und es ist trotzdem nicht erlaubt.» Mehrere Teamkolleginnen stimmen ihr zu und setzen bei ihren Beiträgen den Hashtag «Equality» (zu Deutsch: Gleichberechtigung).

Worum geht es? Die FCB- Frauen sind wütend darüber, dass bei ihnen – wie bei allen anderen Teams auf dem FCB-Campus auch – seit Monaten überhaupt keine Zuschauer zugelassen sind. Seit Wochen wird auf eine entsprechende Begründung gewartet. Die Diskussionen über die neuerliche Reduktion der Zuschauerzahl bei den männlichen Kollegen sorgt bei den FCB Frauen dafür, dass auch sie sich jetzt Gehör verschaffen wollen. Gleich mehrere Spielerinnen meldeten sich, auch bei dieser Zeitung. Nun helfe wohl nur noch öffentlicher Druck.

Der Tenor der Mannschaft ist klar: Auch wenn der Frauenfussball zwar deutlich weniger Zuschauer anlockt als die Herrenmannschaft und man auch nicht im Joggeli selber spielt, so ist diese Behandlung dennoch unfair. Immerhin spielen die FCB Frauen genau wie ihre männlichen Kollegen in der höchsten Schweizer Liga. «Eine traurige Sache für den Frauenfussball in Basel», ist die Meinung der Damen.

Erst der Maulkorb, dann die Erklärung

Der FCB reagiert am Donnerstag auf Nachfrage damit, dass er zusichert, ein klärendes Statement auf der Website zu veröffentlichen. Seinen Spielerinnen verpasst der Verein in der Zwischenzeit einen Maulkorb. Man habe ihnen gesagt, sie dürfen nichts mehr sagen. Der FCB wolle das selber klären, teilt eine Spielerin per SMS mit. Ihre Beiträge auf den Sozialen Netzwerken mussten sie auf Geheiss des Vereins zurückziehen.

Vanesa Hoti fordert via Instagram #Equality (Gleichberechtigung).

Vanesa Hoti fordert via Instagram #Equality (Gleichberechtigung).

Instagram Vanesa Hoti

Kurz nach 18 Uhr veröffentlicht der FCB einen neuen Beitrag auf seiner Website. Er trägt den Titel: «Ab sofort sind Fussballspiele vor Zuschauern im Leichtathletikstadion möglich». Der Kanton habe schon am 16. Oktober das entsprechende Schutzkonzept bewilligt. Die Erfahrungen der vergangenen Wochen aus dem Schutzkonzept im Joggeli flossen nun in das Schutzkonzept für das Leichtathletikstadion ein und hätten den Prozess erheblich beschleunigt.

Tatsächlich ist der Konflikt gelöst. Der FCB ist dem Wunsch seiner Frauenabteilung nachgekommen. Ab sofort dürfen sie – zumindest bis zur nächsten Massnahmenverschärfung – vor Zuschauern spielen. Ob das Problem erst mit letzter Vehemenz angegangen wurde, als die FCB-Frauen an die Öffentlichkeit gingen, oder ob es Zufall ist, dass die Meldung am nächsten Abend eintrifft, ist nicht überliefert. Fest steht nur, dass der FCB nicht zum ersten Mal in die Sexismusfalle getappt ist. Der Vorwurf fehlender Gleichberechtigung rund ums Joggeli bleibt stehen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass das primäre Problem unterdessen gelöst wurde.

Ganz so schlimm wie im November 2018, als die FCB Frauen an der Gala zum 125-Jahr-Jubiläum Tombola-Lose verkaufen mussten, ist der aktuelle Fall zwar nicht. Doch, was geschehen ist, kann nicht wieder ungeschehen gemacht werden. Einmal mehr hat der Verein zu spät den Dialog mit seiner Frauenabteilung gesucht. Diese gingen, wie zuletzt auch die Männermannschaft im Lohnverzichtsstreit oder Alex Frei nach seiner Kündigung, an die Öffentlichkeit, weil sie glaubten, nur so gehört zu werden.