Korruption im Fussball
Enthüllungen zeigen: Beckenbauer überwies vor WM 2006 Privatvermögen via Schweiz nach Katar

War die Fussball-WM 2006 in Deutschland gekauft? Die Ermittler präsentieren in Frankfurt ihre Ergebnisse. Auch die Schweiz ist involviert.

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Franz Beckenbauer überwies Privatvermögen via Schweiz nach Katar

Franz Beckenbauer überwies Privatvermögen via Schweiz nach Katar

KEYSTONE/EPA DPA FILE/MARC MUELLER

Lange bestand der Verdacht, jetzt herrscht Gewissheit: Vor der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland ist Geld geflossen. Dies ergaben Ermittlungen der Anwaltskanzlei Freshfields, die im Auftrag des Deutschen Fussballbundes (DFB) entsprechenden Vorwürfen nachgegangen war und diese Untersuchung in Frankfurt vorstellte.

Der damalige Organisationschef Franz Beckenbauer war in die dubiosen Millionenzahlungen vor der WM 2006 deutlich stärker involviert als bisher angenommen.

Laut den Untersuchungsergebnissen der Kanzlei Freshfields wurde noch vor dem Darlehen des ehemaligen adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus ein Betrag in Höhe von sechs Millionen Schweizer Franken über den Umweg eines Verteilerkontos zur Fifa-Skandalfigur Mohamed bin Hammam überwiesen.

Demnach ging die Summe in vier Tranchen zwischen dem 29. Mai und 8. Juli 2002 von einem Oder-Konto, dessen Inhaber Beckenbauer und Berater Robert Schwan waren, auf ein Konto einer Anwaltskanzlei (Advokaturbüro/Notariat Gabriel und Müller) in der Schweiz.

Alle mit dem Verwendungszweck "Erwerb von TV und Marketing Rechten Asien Spiele 2006". Initiiert habe die Überweisung Robert Schwan.

Erst nachdem die sechs Millionen Schweizer Franken auf ein Konto der KEMCO Scaffolding Co. bei einer Bank in Katar überwiesen waren, gab Louis-Dreyfus die Zahlung in Höhe von zehn Millionen Schweizer Franken in Auftrag, die dann auf das Verteilerkonto gingen und mit denen Beckenbauer seine sechs Millionen zurück bekam. Schwan verstarb am 13. Juli 2002. Die restlichen vier Dreyfus-Millionen gingen ebenfalls nach Katar. (sha/sda)

Der Zahlungsfluss im Detail

Nach monatelanger Ermittlung hat die Kanzlei Freshfields den Weg der dubiosen Millionenzahlungen vor der WM 2006 aufgeklärt. Der Zahlungsfluss im Detail.

Zwischen 29. Mai und 8. Juli 2002:

Von einem Konto, dessen Inhaber WM-Organisationschef Franz Beckenbauer und Berater Robert Schwan sind, laufen in vier Tranchen sechs Millionen Schweizer Franken auf einem Konto einer Anwaltskanzlei (Advokaturbüro/Notariat Gabriel und Müller) in der Schweiz ein. Alle mit dem Verwendungszweck: "Erwerb von TV und Marketing Rechten Asien Spiele 2006". Initiiert habe die Überweisung Robert Schwan. 

Zwischen 29. Mai und 8. Juli 2002:

Innerhalb von jeweils wenigen Tagen wird das Geld weitergeleitet an ein Konto der KEMCO Scaffolding Co. bei einer Bank in Katar. Alleiniger Anteilseigner der KEMCO-Gruppe ist seit 1985 FIFA-Skandalfigur Mohamed bin Hammam, damals Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee. Der Katari bestreitet den Erhalt des Geldes vehement. 

16. August 2002:

Der inzwischen verstorbene Ex-adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus weist die Zahlung von zehn Millionen Schweizer Franken auf das Konto der Anwaltskanzlei Gabriel/Müller an. 

3. September 2002:

Vom Konto der Anwaltskanzlei Gabriel/Müller gehen rund sechs Millionen Schweizer Franken auf ein Konto vonBeckenbauer (Schwan verstarb am 13. Juli 2002). 

5. September 2002:

Vom Konto der Anwaltskanzlei Gabriel/Müller gehen vier Millionen Schweizer Franken an die KEMCO Scaffolding Co. in Katar. Verwendungszweck: "Asian Games 2006 Schlusszahlung" 

27. April 2005:

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zahlt 6,7 Millionen Euro an die FIFA mit dem Verwendungszweck "Kostenbeteiligung OK an FIFA Football Gala". Freigezeichnet wurde die Überweisung von Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt. 

27. April 2005:

Die FIFA leitet das Geld umgehend auf das Konto von Louis-Dreyfus weiter.

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